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Leonkoro: Gefeiertes Standup-Quartett

Lübeck: Archiv - 27.08.2022, 12.29 Uhr: Zwei kehrten in ihre Heimatstadt zum ganz großen Auftritt zurück: Die Brüder Jonathan (1. Violine) und Lukas Schwarz (Violoncello) flankieren Amelie Wallner (2. Violine) und Mayu Konoe (Viola) im jungen „Leonkoro Quartett“ – und boten im vollbesetzten Kleinen Saal der MuK ein Konzert auf einem hierorts schon entbehrten hohen Niveau. Das Ensemble ließ hören, warum es jüngst erste Preise in bedeutenden Wettbewerben errungen hat.

Die drei hohen Streicher spielen nach alter Manier im Stehen, „standup“ ist also gar nicht so neuzeitig. Das fordert noch ein Quentchen mehr an Konzentration, die bei den vier „Löwenherzen“ (so der Name in Esperanto) in höchstem Maß vorhanden ist. Denn Streichquartett, die Königsdisziplin der Kammermusik, ist stets ein Drahtseilakt. Und wer da meint, Haydn sei eine leichte Übung, hörte bei dessen C-Dur-Werk op. 33/3 die Tücken: Was den Beginn der Wiener Klassik markiert, ist zwar „verspielt“, doch nicht so trocken, wie es hier erklang. Die Perfektion und zumal die Dynamik, die die Quartettkultur heute erreicht hat, darf zugunsten des Leichten, Sanglichen durchaus einmal zurückgefahren werden.

Aber dann boten die Vier das, was sie die großen Auszeichnungen erringen ließ, mit zwei Schwergewichten des Genres. Bartoks 4. Streichquartett von 1928 ist wohl sein musikantischstes, aber nicht minder schweres. Leonkoro ging mit der entsprechenden Aggressivität durch die fünf Sätze: zweifelnde Glissandi, gestoßene Cluster, Passagen des Flüchtenden und Suchenden im Mit- und Gegeneinander, wobei Viola und Cello oft die „Stimmungsmacher“ sind. Wie im vierten Satz die Aggressivität in die „Versöhnung“ glitt, war beispielhaft.

Und noch ein Höhepunkt nach der Pause: In Ravels F-Dur-Quartett machten die Leonkoro-Vier allen Impressionismus transparent. Wie man gedämpfte Stimmung mit feinstem Flageolett erzielt, wie Lukas Schwarz die Farben grundierte, Amelie Wallner in Viola-Tiefen ging und Mayu Konoe die Viola seufzen ließ – wobei Jonathan Schwarz mit feinem Ton stets unaufdringlich führte. Über satten Sound ging es mit vollem Risiko und stets frappierender Synchronität in den finalen Sturm. Nach diesen Höhepunkten setzte ein Beifallssturm ein, den die superben Jungstars mit der Zugabe eines schrägen Schulhoff-Walzers beendeten.

Der Erfolg dieses Abends, von den Musik- und Orchesterfreunden initiiert und der MuK in ihrer Reihe „Neue Horizonte“ organisiert, sollte Anreiz für Veranstalter und Publikum sein, Leonkoro bald wieder hören und auch noch andere Kammermusik-Formationen erleben zu lassen.

Das Quartett begeisterte das Publikum in der MuK mit einem Konzert auf sehr hohem Niveau. Foto: Nikolaj Lund

Das Quartett begeisterte das Publikum in der MuK mit einem Konzert auf sehr hohem Niveau. Foto: Nikolaj Lund


Text-Nummer: 153558   Autor: Güz.   vom 27.08.2022 um 12.29 Uhr

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