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Über die Verschwendung von Talenten

Lübeck: Pastorin i.R. Ellen Naß beschäftigt in ihren Gedanken zum Wochenende eine biblische Geschichte, die sehr unfair erscheint. Werden die Menschen bestraft, die das Risiko scheuen?

Neulich im Gottesdienst wurde über eine Erzählung Jesu gepredigt, die mich seitdem beschäftigt – und natürlich auch vorher. Ich fand und finde sie auf den ersten Blick einfach ungerecht, auch wenn es Jesus war, der sie erzählte. Die Geschichte geht folgendermaßen:

Ein reicher Mann verreist und ruft drei seiner Sklaven zu sich. Alle erhalten viel Geld von ihm, einen unermesslichen Reichtum. Das soll im römischen Reich durchaus üblich gewesen sein, wenn sie damit Überschüsse erwirtschafteten, dann durften sie davon im Normalfall einen Teil behalten, konnten es sparen und sich dann irgendwann selbst freikaufen.

Zwei der Männer verdoppeln die Summe, die sie erhalten haben, der dritte vergräbt das Silber. Als der Besitzer zurückkommt, fordert er von den dreien Rechenschaft. Die beiden ersten dürfen das Silber und alles, was sie dazu erwirtschaftet haben, behalten. Den dritten verstößt der Besitzer – und nimmt ihm das Silber weg, gibt es einem der anderen.

Ich fand diese Erzählung Jesu immer sehr unfair. Ich selbst mag nicht, wenn es um Geld geht, ein sehr hohes Risiko eingehen, deshalb habe ich den dritten immer gut verstanden. Es hätte ja auch anders ausgehen können: Die beiden ersten verlieren das gesamte anvertraute Geld bei ihren Geschäften, der dritte hat seines dann immerhin bewahrt.

Aber es geht Jesus mit dieser Erzählung nicht darum, wie wir unser Geld – falls wir denn welches haben – am besten anlegen und vermehren. Die Männer bekommen Talente – das war wohl ein Maß, um Silber zu bewerten. Talente – das hat einen doppelten Sinn, denn auch, wenn wir kein oder nur wenig Geld haben, Talente haben wir bestimmt.

Es gibt herausragende Talente, Künstler und Künstlerinnen zum Beispiel, die wir alle kennen, Politiker und Politikerinnen, die wichtig sind und berühmt. In der letzten Woche ist gerade Gorbatschow gestorben, mit vielen Talenten gesegnet.

Wir anderen müssen uns mit bescheideneren Talenten zufriedengeben, wobei man die Wichtigkeit von Talenten unterschiedlich beurteilen kann. Es ist gut, dass nicht jeder und jede von uns ein großer Schauspieler, Musiker oder Politiker ist – was wäre das für eine schlecht funktionierende Welt.

Wie schnell sich unsere Wahrnehmung ändern kann von dem, was wichtige Talente sind und was nicht, das haben wir vor 2 ½ Jahren mit dem Coronaausbruch erlebt. Plötzlich waren Berufe wichtig, „systemrelevant“, die vorher niemand im Blick hatte. Ich finde es traurig, dass wir die Erfahrung so schnell vergessen haben, die Situation der Menschen mit diesen wichtigen Talenten sich seitdem nicht wesentlich verbessert hat.

Gott – denn Er ist der reiche Mann in Jesu Erzählung – leiht uns unsere Talente, damit wir sie einsetzen, und Er unterscheidet nicht nach wichtig, klein oder groß. Für Ihn ist entscheidend, was wir daraus machen, ob wir sie einsetzen zum Wohl für andere – und für uns selbst, denn die Sklaven in Jesu Erzählung sind dadurch ja ihrer eigenen Freilassung ein Stück näher gekommen – oder ob wir sie vergraben und ängstlich bewahren, weil wir denken, wir könnten doch nichts damit anfangen.

Unfair mag die Erzählung erscheinen, aber sie ist realistisch: Menschen, die nur beklagen, dass sie wenig können und deshalb wenig tun, erhalten auch wenig zurück. Das ist leider so, ich habe es oft genug miterlebt.

Deshalb sollten wir nicht auf diesen dritten Knecht blicken, sondern auf die anderen beiden, auf uns selbst und auf Gott. Er hat uns gegeben, was wir haben, daraus sollen – und können - wir etwas machen. Wir können dankbar sein, für das, was wir können, uns an dem freuen, sollen anerkennen, wenn andere etwas können, was uns fehlt. Ich denke, dass Gott die Wichtigkeit und Größe vieler Menschen ganz anders bewertet als wir, weil Er unsere wahren Qualitäten und Talente erkennt.

Pastorin i.R. Ellen Naß ruft dazu auf, eigene Begabungen und Talente zu nutzen.

Pastorin i.R. Ellen Naß ruft dazu auf, eigene Begabungen und Talente zu nutzen.


Text-Nummer: 153670   Autor: red.   vom 03.09.2022 um 08.45 Uhr

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