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NDR-Konzert: Ein Schubert-Meister in C-Dur

Lübeck: Der Auftakt der Konzertsaison am Freitag in der MuK stand erst unter einem unglücklichen Stern: Alan Gilbert, Chef des NDR-Elbphilharmonie-Orchesters, erkrankte just vor der Generalprobe. Und dann ging ein Stern auf: Quasi in letzter Sekunde konnte mit dem Stuttgarter GMD Cornelius Meister, der just an der Lübecker Bucht Ferien machte, weit mehr als ein Ersatz gefunden werden, dem am Freitagabend die Sympathien zuflogen.

Schon eingangs war nichts von einer Notlösung zu vernehmen. Denn das Violakonzert von William Walton kam wie aus einem Guss. Warum diese Komposition (1929 mit Paul Hindemith als Solisten uraufgeführt) kaum geboten wird, ist kaum nachzuvollziehen. Denn es bietet dem Solisten alles, was dem Instrument an (nicht nur melancholischem) Klang zu Gebote steht und ist auf der Schwelle von Spätromantik zur Moderne erzählfreudig, melodiös und stets spannend. Es lebt vom Tempowechsel und von Zwiegesprächen (zumal im 1. Satz mit der Harfe) – was alles der französische Solist Antoine Tamestit mit Eleganz und Stilgefühl bot. Die Interpretation strahlte eine Sicherheit aus, als hätten Meister, Tamestit und das Orchester schon jahrelang miteinander musiziert.

Nach dem hochverdienten Beifall bot Tamestit als Zugabe in memoriam des vor wenigen Tagen verstorbenen Freundes, des bekannten Pianisten Lars Vogt, die Viola-Adaption eines Lautenstücks des Renaissance-Komponisten John Dowland, mit aller tiefgründigen Wehmut.

Zum Ereignis wurde die Wiedergabe von Franz Schuberts großer 8. Sinfonie C-Dur. Cornelius Meister kam einerseits entgegen, dass er sie auswendig beherrschte, und anderseits, dass die Chemie zwischen ihm und dem Orchester offenhörig von Beginn an stimmte. Er fühlte sich mit dem Komponisten einig, das Werk aus dem Biedermeier heraus- und an unsere Zeit heranzuführen – und entging den „himmlischen Längen“, indem er das Tempo anzog und so eine Dynamik schuf, die auch im 21. Jahrhundert voll ansprach. Die NDR-Philharmoniker folgten auf allen Positionen hellwach und auch das Auditorium ins friedliche Andante, das nie in die Idylle abglitt, dann dem Rotieren aller Gruppen in allen Facetten des Scherzo, schließlich dem furios brausenden Finale. Diese Hohe Schule von Konsonanz, innerem Rythmus und Transparenz wurde zur Sternstunde. Sie hätte ein ausverkauftes Haus statt eines nur halbbesetzten verdient gehabt.

Der Stuttgarter GMD Cornelius Meister begeisterte mit dem NDR-Elbphilharmonie-Orchester in der Lübecker MuK.

Der Stuttgarter GMD Cornelius Meister begeisterte mit dem NDR-Elbphilharmonie-Orchester in der Lübecker MuK.


Text-Nummer: 153800   Autor: Güz.   vom 10.09.2022 um 16.28 Uhr

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