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Philharmoniker starteten furios

Lübeck: Zum Saison-Start hatte sichGMD Stefan Vladar viel vorgenommen: Erst die Premiere von Richard Wagners „Lohengrin“ im Großen Haus, dann eine Woche später Igor Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ als Start in die Philharmoniker-Konzertsaison in der MuK. Zum „Sacre“ stellte er zwei weitere Auftragswerke für Sergej Diaghilevs „Ballets Russes“ in Paris kurz vor dem Ersten Weltkrieg – was sich zu einem espressiven Erlebnis pur verbindet und am Sonntagvormittag gefeiert wurde.

Allerdings sind zum Auftakt eines Programms die „Jeux“ (Spiele) von Claude Debussy ein Kaltstart. Hier mußte sich das Orchester, mit vielen Aushilfen und Zubestellungen, erst fangen, ehe nach den ersten Bläser-Clustern sich die (Tennis)Spieler in Bewegung setzten. Vladar intensivierte das Legato zwischen den einzelnen Passagen und ließ den Impressionismus brausen. Hierzu trug die Horngruppe Entscheidendes bei mit ihren neuen Mitgliedern Anton Schulze (Solo) und Inaki Urquizu Ruiz.

Mit „La Tragédie de Salomé“ des Lothringers Florent Schmidt (1870-1958) folgte ausdrucksstarker Hoch-Impressionismus. Aus der Bässe Tiefe stieg Sehnsucht, erneut entwickelte das Englischhorn (Wolfgang Eickmeyer in allen drei Werken in Hochform) die Leit- und Leidlinien: Man fühlte die Spitzentänze und Pas de deux. Vladar steigerte die Dramatik, die Philharmoniker folgten mit bester Konsonanz – bis zum abrupten Fall in die Klage und dem gewaltigen Showdown in dieser ausgefeiltesten Wiedergabe im Sonntagskonzert.

Und dann der „Sacre“: Stefan Vladar dirigierte die hundert Musiker:innen durch die Fährnissen dieser Partitur, dieser Gemengelage mit starkem Bläseraufgebot: Acht (!) Hörner mit ihren Zwischenrufen im Streicher-Stampfen, wobei Johannes Wache und Clemens Wieck auch einmal zu Wagnertuben griffen, fünf Trompeten – die Dominanz war eindeutig. Strawinsky sorgte mit diesem Werk damals für einen Skandal und sorgt heute noch für eine Großanstregung für Musiker, Publikum und Dirigenten. Vladars Blicke schnellten zwischen Partitur und Orchester, um die wilden Rhythmen und Tutti-Orgien im Griff zu behalten für eine Hochspannung, die dieses furiose Werk für alle Beteiligten inclusive Publikum erzeugt. Der Kraftakt gelang.

Das Philharmonischen Orchester startete mit einem furiosen Sinfoniekonzert in die neue Saison. Foto: Jan Philip Welchering

Das Philharmonischen Orchester startete mit einem furiosen Sinfoniekonzert in die neue Saison. Foto: Jan Philip Welchering


Text-Nummer: 153833   Autor: Güz.   vom 12.09.2022 um 14.11 Uhr

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