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Jugendliche kochen für Menschen ohne Obdach

Lübeck - Innenstadt: Das Projekt „Menschen ohne Obdach“ (kurz: MOO) sorgt seit 2006 dafür, dass Obdach- und Wohnungslose einmal wöchentlich eine warme Mahlzeit und einen Raum für Begegnung haben. Eine modernisierte Küche bringt neue Motivation für die kommende kalte Jahreszeit.

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Immer montags findet von 17 bis 19 Uhr in der Zentralen Beratungsstelle der Vorwerker Diakonie (Wahmstraße 60) der „Montagstreff“ statt. Er bietet eine Möglichkeit für Menschen ohne Obdach, frisch Zubereitetes zu essen und sich dabei mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen auszutauschen. Bei „Menschen ohne Obdach“ handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt der Vorwerker Diakonie und der Kirchengemeinde in St. Jürgen. Es finanziert sich durch die Kollekte der Kirchengemeinde sowie Spenden von Privatpersonen und Unternehmen. Durch die Unterstützung des Wohnungsunternehmens Vonovia gibt es nun eine neue Küche, in der die 17 ehrenamtlichen Jugendlichen jede Woche zusammenkommen, um für die Besucher zu kochen.

Das Angebot wird momentan jede Woche von rund 30 Bedürftigen wahrgenommen, mehr werden es oft gegen Monatsende. Udo Blankenstein, Diakon der Kirchengemeinde in St. Jürgen, rechnet zusätzlich mit einer höheren Nachfrage in den kommenden Monaten: „Wir befürchten eine Lawine an Menschen, die in den Wintermonaten über uns hereinbricht.“ Steigende Preise und die Energiekrise sorgten dafür, dass mittlerweile nicht nur Obdach- und Wohnungslose das Angebot nutzen, sondern auch andere Bedürftige. Trotzdem seien alle Freiwilligen motiviert, diese neue Herausforderung zu meistern.

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Engagierten sich für die neue Küche: René Bornmann (Vorwerker Diakonie), Julia Fuchs (Vonovia), Udo Blankenstein (Kirchengemeinde St. Jürgen)

„Es ist ein wertvolles Projekt, von dem alle Seiten profitieren. Obdachlosen Menschen wird geholfen und die Jugendlichen lernen so viele Dinge, die einem in der Schule heutzutage gar nicht mehr beigebracht werden“, sagte Blankenstein. Nirgendwo sonst könne man lernen zu kochen, Gemeinschaft erleben und gleichzeitig wertvolle menschliche Begegnungen haben. „Weite Teile unserer Gesellschaft vergessen, dass hinter Obdachlosigkeit oft emotionale Geschichten stehen. Es ist schön zu beobachten, wie die Begegnungen mit diesen Menschen einen Bewusstseinswandel bei den Jugendlichen auslösen.“ Mit zusätzlicher Aufklärungsarbeit sowie Projekten in Schulen und Kitas erreiche die Kirchengemeinde St. Jürgen über das MOO-Projekt hinaus weitere Kinder und Jugendliche.

„Natürlich spielt auch Drogenabhängigkeit in der Einrichtung und bei unserem Projekt eine Rolle, das lässt sich nicht leugnen.“ So würde aus der Nähe, aber trotzdem in einem geschützten Rahmen, authentische Drogenpräventionsarbeit geleistet: „Tatsächlich haben die Jugendlichen mittlerweile schon einen ganz guten Blick dafür, welche Substanz ein Besucher konsumiert hat und wie man mit ihm am besten umgeht“, so Blankenstein.

Auch René Bornmann, Leiter der Zentralen Beratungsstelle der Vorwerker Diakonie, ist von dem Konzept überzeugt: „Für viele Menschen sind diese zwei Stunden eine Art Anker in ihrem Leben. Wir wollen, dass sich hier jeder sofort wohlfühlt und dass sich niemand schämen muss.“ Mit seiner Arbeit in der Beratungsstelle hilft er Menschen, von der Straße wieder zurück in ein stabiles Leben zu finden. Wichtig seien dabei kurze Wege und Geduld: „Das MOO-Projekt ist für viele der erste Schritt, Hilfe anzunehmen. Mit eigenem Jobcenter und eigener Sozialsicherung haben wir jede Möglichkeit, denen zu helfen, die diese Hilfe in Anspruch nehmen wollen.“

Interessierte Jugendliche, die Lust haben, beim Projekt „Menschen ohne Obdach“ mitzuwirken, können sich per Mail an blankenstein@st-juergen.de wenden.

Die Jugendlichen sind montags um 17 Uhr bereit für die Essensausgabe. Fotos: Lisa Gerlach

Die Jugendlichen sind montags um 17 Uhr bereit für die Essensausgabe. Fotos: Lisa Gerlach


Text-Nummer: 153840   Autor: Lisa Gerlach   vom 12.09.2022 um 20.39 Uhr

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