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Erinnerungskultur: Stadt soll neue Planstellen schaffen

Lübeck: In seiner letzten Sitzung hat der Kulturausschuss der Lübecker Bürgerschaft ein Konzept und einen dazu von der Verwaltung vorgelegten Beschlussvorschlag zur Neu-Aufstellung der Erinnerungskultur in Lübeck beraten und diskutiert. Das Ergebnis: Der Kulturausschuss empfiehlt der Bürgerschaft geschlossen (bei einer Enthaltung) die Einrichtung einer Stabsstelle "Erinnerungskultur" im Fachbereich Bildung und Kultur.

Grundlage für die Empfehlung sei das Konzept für eine zeitgemäße Weiterentwicklung der Erinnerungskultur in Lübeck "Lübeck erinnert – um Demokratie zu leben", das die Hansestadt gemeinsam mit dem Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL) und mit finanzieller Unterstützung durch die Bluhme-Jebsen-Stiftung, die Bürgerstiftung Schleswig-Holsteinische Gedenkstätten und die Dietrich-Szameit-Stiftung im vergangenen Jahr in Auftrag gegeben hatte. Diese Studie wurde von der Politikwissenschaftlerin und Kuratorin Frau Dr. Claudia Fröhlich aus Berlin durchgeführt und benennt Stärken und Potenziale, aber auch Herausforderungen und Schwächen der in Lübeck bereits verankerten Erinnerungsarbeit an die Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts.

Die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus hat in Lübeck einen festen Platz. Neben den beiden Gedenkstätten an die "Lübecker Märtyrer" sei dabei zum Beispiel auf die seit 1991 jährlich stattfindende "Zeit des Erinnerns – für die Zukunft", mehr als 220 verlegte Stolpersteine, zahlreiche Gedenkorte, Gedenktafeln (zuletzt für die Opfer der sog. Euthanasie) und Ausstellungen (zum Beispiel zu Zwangsarbeiter im Industriemuseum Geschichtswerkstatt Herrenwyk, zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in der Synagoge oder zur Zeit des Kalten Krieges und der deutschen Teilung in der Grenzdokumentationsstätte Lübeck-Schlutup) verwiesen. Aber viele für die Hansestadt Lübeck prägende Ereignisse, familiärer Widerstand oder Täter-Orte der Geschichte des Nationalsozialismus werden nicht erinnert. Nicht zuletzt werde auch das Thema der Kolonialgeschichte und den in Lübeck zahlreich vorhandenen Spuren zu berücksichtigen sein.
Ein erster Schritt sei aktuell in der gemeinsamen Ausstellung von Völkerkundesammlung und Geschichtswerkstatt in Herrenwyk gemacht worden.

Erinnerung und Gedenken werden in Lübeck vor allem von ehrenamtlichen Initiativen und Vereinen, den Kirchen, Stiftungen, Lehrer und Schüler getragen und gestaltet. Es wird bislang vor allem ideell von der Stadt unterstützt und nur punktuell finanziell gefördert. Erinnerungskultur in Lübeck sei abhängig von einzelnen Personen und vielfach mit einer Generation verbunden, die altersbedingt bald nicht mehr so aktiv sein könne. Sie sei zudem wenig koordiniert, mögliche Synergieeffekte würden nicht genutzt, Initiativen und Projekte würden nicht nachhaltig betrieben, entwickelte Ideen nicht gesichert und angestoßene Projekte würden nicht dauerhaft realisiert werden.

Das Grundlagenkonzept soll Perspektiven für eine ab 2023 ins Werk zu setzende Neuausrichtung der Erinnerungskultur in Lübeck mit dem Ziel der Demokratiestärkung bieten. Diesen Weg hätten andere Städte bereits beschritten. Das Gedenken soll "ausgehend vom Bestehenden und unter Nutzung von Beispielen guter Praxis andernorts gegenwartsbezogen und zukunftsorientiert" gestaltet werden. Dabei habe das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus auch weiterhin einen hohen Stellenwert. Aber auch Lübecks Geschichte als Schauplatz der innerdeutschen Teilung sowie des Kalten Krieges, die Kolonialgeschichte sowie demokratiefeindliche Ereignisse in der jüngeren Geschichte sollen stärker vermittelbar werden.

Als erster Schritt soll die Einrichtung einer Stelle für einen Wissenschaftler im Fachbereich Kultur und Bildung gewährleistet werden. Hierüber sollen die erinnerungskulturellen Initiativen in der Stadt gebündelt, vernetzt und koordiniert werden. Zudem sollen neue Formate des Gedenkens und der Zugänge zur Erinnerung, neue Akteure und neue Zielgruppen unterstützt werden. Bestandteil des Konzepts sind auch die Einwerbung von Drittmitteln ab 2024 und digitale Vermittlungsstrategien. Auch soll ein offener Vermittlungsort in zentraler Erreichbarkeit und Nähe zu Gedenkorten, zivilgesellschaftlichen Akteuren, Politik, Kultur- und Bildungsinstitutionen eingerichtet werden.

Konzept und Beschlussvorschlage können hier einsehen werden: www.luebeck.de/.

Auch das Thema der Kolonialgeschichte soll zukünftig mehr berücksichtigt werden. Symbolbild.

Auch das Thema der Kolonialgeschichte soll zukünftig mehr berücksichtigt werden. Symbolbild.


Text-Nummer: 153844   Autor: Stadtarchiv/Red.   vom 13.09.2022 um 09.45 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

bernd cordes

schrieb am 13.09.2022 um 14.02 Uhr:
Die Stadt schwimmt im Geld - also raus damit !!!