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Trauern um die alte Zeit und sich auf das Neue freuen

Lübeck: Pastorin i.R. Ellen Naß geht in ihren Gedanken zum Wochenende auf die Trauer um die britische Königin ein, die scheinbar immer da war. Aber alles ist vergänglich, so Ellen Naß in ihren Betrachtungen.

Vor über einer Woche ist Königin Elisabeth II gestorben. Die Trauerfeierlichkeiten dauern noch an. Millionen von Menschen wollen sich von ihr verabschieden, stehen teilweise stundenlang in einer Schlange – draußen! - um ihren Sarg zu sehen.

Wir waren jedes Jahr lange Wochen im Urlaub in Großbritannien, ich besitze eine Winkekönigin, einen königlichen Corgi als Christbaumschmuck, viele Erinnerungen, auch an sie. Ein Sofakissen ist die Kopie einer Stickerei, die im Holyroodpalast zu besichtigen ist. Ich war bestürzt, als ich las, dass ihr Zustand besorgniserregend ist, als sie dann kaum einen Tag später verstorben ist.

Sie war immer da, deshalb sind wir wohl, auch als Deutsche, so von ihrem Tod betroffen. Seit 70 Jahren Königin – da können sich auch Menschen, die älter sind als 70, kaum an eine Zeit erinnern, in der es sie nicht gab, weil sie zu der Zeit noch Kinder waren.

Als sie Königin wurde, war der 2. Weltkrieg gerade vorbei, als junge Frau hatte sie noch gedient. In Großbritannien waren Lebensmittel noch rationiert, und auch in Deutschland war es knapp. Kaum jemand hatte einen Fernseher oder ein Telefon, Frauen blieben nach der Hochzeit selbstverständlich zu Hause – nicht erst nach dem 1. Kind – und brauchten die Genehmigung ihres Ehemannes, um berufstätig zu sein.

Sie hat einen der verhassten Deutschen geheiratet, es war wohl die große Liebe, hat vier Kinder bekommen, vieles richtig, aber auch, was in den Nachrufen gerne vergessen wird, einiges falsch gemacht. Warum Charles nicht gleich seine große Liebe heiraten durfte sondern Diana, habe ich zum Beispiel nie verstanden.

Aber sie war da. Sie hat den Eintritt GBs in die EU überstanden und den Brexit. Sie hat beim Besuch der Trumps geduldig gewartet. Computer, Internet, alles hat sie miterlebt.

Ich glaube, die Trauer ist auch deshalb so groß, weil mit ihr ein Stück Gegenwart, Verlässlichkeit, gegangen ist. Sehr vieles hat sich in den 70 Jahren ihrer Regierungszeit geändert, sie ist geblieben. Die Welt ohne sie ist einfach eine andere, auch wenn sie bei uns das tägliche Leben konkret wenig beeinflusste. Ihr Tod erinnert uns daran, dass alles in dieser Welt vergänglich ist, selbst die Dinge und Menschen, die uns unvergänglich erscheinen.

Das Gefühl hat es schon immer gegeben, wir Menschen neigen wohl dazu zu glauben, dass Dinge unverändert bleiben. Bei Beerdigungen ist es mir immer wieder begegnet, dass Angehörige erstaunt waren, wie viele Veränderungen der oder die Verstorbene erlebt hat.

In Psalm 90, einem uralten Gebet aus dem Alten Testament, heißt es: Herr Gott, du bist unsere Zuflucht für und für. Ehe denn die Berge wurden und die Erde und die Welt geschaffen wurden, bist du, Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Die Geborgenheit und Sicherheit über alle Zeiten hinweg, so sagt es der Psalm, kann uns nur Gott geben. Alles auf dieser Erde ist vergänglich, so ewig es uns erscheinen mag: Königin Elisabeth, unsere Weltordnung, die Berge, der Himmel. Daran denken wir oft nicht, deshalb erschüttert es uns so, wenn eine dieser Gewissheiten zu Ende geht.

So können wir um Königin Elisabeth trauern und um die Zeit, die zu Ende gegangen ist, können uns aber auch auf Neues freuen, was kommen wird – weil wir wissen: Über alle Zeiten hinweg ist Gott bei uns, egal, was ist.

Für Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert an die verstorbene britische Königin.

Für Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert an die verstorbene britische Königin.


Text-Nummer: 153930   Autor: red.   vom 17.09.2022 um 08.55 Uhr

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