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Vermieter warnen: Weniger Neubau von Sozialwohnungen

Lübeck: Am Montag tagte der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW), zu dem auch die großen Lübecker Wohnungsunternehmen gehören, in Lübeck. Der Direktor des Verbandes Andreas Breitner nutzte die Arbeitstagung, um vor hohen Nebenkosten und dem nachlassenden Bau von neuem preiswerten Wohnungen zu warnen.

"In den ersten sieben Monaten dieses Jahres hätten die deutschen Haushalte im Schnitt 850 Euro mehr für Energie ausgeben müssen als im gesamten Jahr 2021. Das Problem: die neue Heizperiode hat noch gar nicht begonnen und die eigentlichen Preiserhöhungen stehen noch ins Haus. Ich fürchte, dass die Haushalte in diesem Jahr im Durchschnitt zwischen 1.360 Euro und 3.800 Euro mehr für Energie ausgeben müssen als im vergangenen Jahr", so Breitner.

Die im VNW organisierten Wohnungsgenossenschaften und am Gemeinwohl orientierten Wohnungsgesellschaften hätten in den vergangenen zehn Jahren mehrere Milliarden Euro in die energetische Sanierung ihrer Wohnungsbestände gesteckt und dabei wiederholt die richtige Einstellung ihrer Heizungsanlagen überprüft, sagte der VNW-Direktor. „Das mindert zwar den Energieverbrauch, kann aber die exorbitant gestiegenen Heizkosten nicht ausgleichen. Also: Vorsorge ist besser als Nachsorge!“

„Derzeit liegt bei den VNW-Unternehmen die monatliche Nettokaltmiete im Durchschnitt bei 6,26 Euro pro Quadratmeter“, sagte VNW-Direktor Andreas Breitner. „Das sind lediglich sechs Cent mehr als im Jahr zuvor. Der Anstieg liegt deutlich unter der allgemeinen Inflation. Unsere Unternehmen stehen für bezahlbares Wohnen, garantieren den sozialen Frieden in den Quartieren und sind die eigentliche Mietpreisbremse.“

Soziale Vermieter fordern Energiepreisdeckel

VNW-Direktor Andreas Breitner forderte die Bundesregierung auf, umgehend einen zeitlich befristeten Energiepreisdeckel einzuführen. „Außergewöhnliche Lagen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Es ist nicht mehr nur allein der Heizkostenhammer, der die Verbraucherinnen und Verbraucher trifft. Auch die Strom-, Wasser- und Abwasserkosten steigen und steigen. Hinzu kommt eine galoppierende Inflation, die die Spareinlagen der Menschen auffrisst. Ein Energiepreisdeckel kann verhindern, dass Menschen auf Grund hoher Heiz- und Stromkosten ins wirtschaftliche Unglück stürzen.“

Das Außergewöhnliche an der aktuellen Situation seien die massive Preissteigerung und die damit verbundene Geldentwertung innerhalb so kurzer Zeit, sagte der VNW-Direktor. „Ich fürchte, dass selbst Haushalte mit moderatem Einkommen, die bislang immer ein Sparpolster aufbauen konnten, schnell in eine ausweglose Lage geraten. Von heute auf morgen pro Monat mehrere Hundert Euro mehr allein für Heizung und Strom zu bezahlen – da muss man schon suchen, wer sich das leisten kann.“

Ein Gaspreisdeckel sollte so gestaltet werden, dass er die Menschen finanziell entlaste und zugleich zu einem sparsamen Umgang mit Energie bewege, sagte Andreas Breitner. „Denkbar wäre es, auf der Grundlage der Daten der vergangenen zehn Jahre einen Durchschnittsverbrauch zu ermitteln. 80 Prozent dieses Verbrauchs sollten Haushalte zu einem günstigen Preis einkaufen können. Die Differenz zum Marktpreis bezahlt der Staat. Was über die 80 Prozent hinaus bezogen wird, muss von den Haushalten zum Marktpreis bezahlt werden.“

Keine Kündigung wegen der Energiekrise

VNW-Direktor Andreas Breitner erneute das Versprechen der sozialen Vermieter, wonach keiner Mieterin und keinem Mieter die Wohnung gekündigt werde, wenn diese unverschuldet die Rechnung über explosionsartig gestiegene Heizkosten nicht begleichen könnten. „Wir haben ein ähnliches Versprechen bereits während der Corona-Pandemie abgegeben. Und dieses Versprechen gilt auch in der Heizkostenkrise.“

Wer Probleme mit der Heizkostenabrechnung habe, solle frühzeitig das Gespräch mit seinem Vermieter suchen, sagte VNW-Direktor Andreas Breitner. „In Gesprächen auf Augenhöhe wird man gemeinsam eine gute Lösung finden.“ In diesem Zusammenhang verwies der VNW-Direktor darauf, dass er bereits früh eine deutliche Erhöhung und Ausweitung des staatlichen Wohngeldes gefordert habe. Dadurch wird verhindert, dass Menschen mit niedrigem Einkommen durch gestiegene Energiepreise in eine schwierige finanzielle Lage geraten.“

VNW-Direktor Andreas Breitner äußerte die Hoffnung, dass die von der Bundesregierung versprochenen Liquiditätshilfen rasch kommen. „Allerdings sollten die Landesregierungen in Schwerin, Kiel und Hamburg bei Hilfsprogrammen nicht nur nach Berlin schielen, sondern selbst Geld in die Hand nehmen, um Mieterinnen und Mieter sowie Vermieter finanziell zu unterstützen.“

VNW-Unternehmen fürchten Einbruch beim Wohnungsbau

Die VNW-Unternehmen investierten nach den Worten von VNW-Direktor Andreas Breitner im vergangenen Jahr 2,31 Milliarden Euro in den Neubau, die Instandhaltung und Modernisierung bezahlbaren Wohnraums. Das waren rund 300 Millionen mehr als 2020. In den drei Bundesländern wurden 3371 Wohnungen fertiggestellt – das ist ein Rückgang um 600 Wohnungen.“

Die Zahlen verdeutlichen zwei entgegengesetzt verlaufende Entwicklungen. „Massiv steigende Bau- und Grundstückspreise führen zwar zu einem höheren Niveau der Investitionen, die Zahl der fertiggestellten Wohnungen sinkt jedoch. Ich fürchte, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren verstärken wird, zumal Bau- und Grundstückspreise auch in diesem Jahr nur die Richtung nach oben kennen.“

Steigende Bau- und Grundstückskosten gefährdeten allerdings das „Geschäftsmodell“ der sozialen Vermieter: qualitativ hochwertige Wohnungen zu einem bezahlbaren Preis zu errichten und zu vermieten. „Wir erleben bereits jetzt, dass die Zahl der Anträge für den Bau von Sozialwohnungen deutlich sinkt.“

Hinzu komme der Kurswechsel bei der vom Bundeswirtschaftsministerium verantworteten KfW-Förderung. Von den geplanten rund 15 Milliarden Euro pro Jahr sollen künftig bis zu 13 Milliarden Euro in die energetische Sanierung fließen. „Da bleibt für den Neubau nicht viel übrig und unsere Unternehmen stellen sich darauf ein“, sagte VNW-Direktor Andreas Breitner.

Die Wohnungswirtschaft fordert eine zügige Einführung eines Energiepreisdeckels und warnt vor dem abnehmenden Neubau von Sozialwohnungen. Symbolbild

Die Wohnungswirtschaft fordert eine zügige Einführung eines Energiepreisdeckels und warnt vor dem abnehmenden Neubau von Sozialwohnungen. Symbolbild


Text-Nummer: 153967   Autor: VNW/red.   vom 19.09.2022 um 13.06 Uhr

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