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Ein Abend zu Ruinen in St. Petri

Lübeck: Archiv - 25.09.2022, 12.31 Uhr: Am Donnerstag, 29. September 2022, um 20 Uhr, Einlass ab 19.30 Uhr, lädt St. Petri unter dem Titel "Petri Heil" zu einer installativen Performance und einem Konzert "zu einer ruinösen Geschichte" ein. Dabei geht es um die Ruinen nach dem 2. Weltkrieg.

Der bildende Künstler Christoph Dettmeier wird gemeinsam mit dem walisischen Musiker Richard James die St.Petri-Kirche als Ort und Raum zur audiovisuellen Betrachtung der Lübecker und gesamtdeutschen Stimmung nach 1945 nutzen und dabei den Begriff „Ruine“ als Schablone verwenden. Das etwa 90 minütige Format vereint Elemente von Performance, Konzert und Installation. Die Ruine gilt als Bild für Veränderung zwischen einer noch anwesenden Vergangenheit und spekulativer Zukunft. Das Motiv der Ruine kann also sowohl für ein Scheitern als auch ein Versprechen stehen.

Dettmeier und James werden ihre künstlerischen Reflexionen dazu sichtbar und hörbar machen und so eine Verbindung von dokumentierter Geschichte und mythologischer Verklärung zur Gegenwart und zukünftigen Perspektiven suchen.

Christoph Dettmeiers in der Aspis der Kirche aus verschiedenen Dia- und Videoprojektionen inszenierte Bildkollage wird Richard James live vertonen. Die Kompositionen werden neben klassischen und atonalen Elementen die deutsche Krautrockmusik thematisieren. Christoph Dettmeiers Interventionen wiederum werden neben vorgetragenen Ausflügen in die allegorischen und historischen Bezüge zum Ruinenbegriff auch musikalische Momente beinhalten. Hier wird der Schlager gesucht, der parallel zur meist instrumentalen Musik des Kraut, die deutsche Sprache als Singsprache über den Akzent exotischer Interpreten wie Adamo oder Daliah Lavi wieder salonfähig gemacht hat. Beide Musikgenres können trotz ihrer Widersprüchlichkeit als Ausbruch aus dem von der NS Vergangenheit massiv belasteten deutschen Verhältnis zur Musik verstanden werden, aus Ruinen auferstanden...

Das für den Abend zusammengetragene Dia-Archiv setzt sich aus Konvoluten privater Diasammlungen aus Lübeck, BRD und DDR zusammen. Des Weiteren bestimmen die schichtartig angelegten Projektionen Dettmeiers seine in Lübeck und an anderen adäquaten Orten abgelichteten S/W Dias, ausbelichtete digitalen Dateien z.B. zum Kalten Krieg und Videoloops, die elementare Naturereignisse visualisieren. Die Arbeiten des Multimedia Künstlers Christoph Dettmeier waren im Rahmen seiner Einzelausstellung “Darkstar” zum Thema „100jähriges Endes des 1.Weltkrieges und 100jähriges Gründungsjubiläum der Overbeck-Gesellschaft“ bereits 2018 in der St.Petri Kirche zu sehen.

Richard James‘ Indie/Psychedelic Folk Band „Gorky’s Zygotic Muncis“ wurde von John Peel gefördert und war bis 2006 europaweit auf Tour. Seitdem hat er neben diversen Soloprojekten auch Soundtracks für Filme und Serien geschrieben. Seine musikalische Vielfalt reicht von experimentellen Improvisationen und Field Recordings bis zu klassischen Orchesterkompositionen, wie das von der BBC 2017 beauftragte Stück für das BBC National Orchestra of Wales.

Bei aller Tiefe des Themas soll das Narrativ des Abends auch persönliche und humorvolle Momente ermöglichen. Die ruinösen Betrachtungen aus Bild und Ton versprechen informative und assoziative Vielfalt, die in Brüchen und Unschärfen, in Fragment und Widerspruch und Profanem den erhabenen Moment sucht und nicht in künstlerischer Deutungshoheit.

Karten für zehn Euro, ermäßigt sieben Euro sind im Vorverkauf und an der Abendkasse erhältlich.

Christoph Dettmeier thematisiert die Stimmung der Deutschen nach 1945. Foto: Veranstalter

Christoph Dettmeier thematisiert die Stimmung der Deutschen nach 1945. Foto: Veranstalter


Text-Nummer: 154074   Autor: Veranstalter   vom 25.09.2022 um 12.31 Uhr

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