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Traveschiff: Fast 2 Millionen Euro für die Bergung

Lübeck: Archiv - 26.09.2022, 21.31 Uhr: In einer Sondersitzung des Ausschusses für Kultur und Denkmalschutz am Montag stand der Fund des Schiffwracks in der Trave erneut im Mittelpunkt. Geladen waren Experten aus dem Bereich Unterwasserarchäologie, um einen Bericht zum aktuellen Forschungsstand zu präsentieren. Wem das Wrack allerdings gehört und wer eventuelle Bergungskosten trägt, ist bisher unklar.

Kultursenatorin Monika Frank gab zu Beginn einen Zwischenbericht: „Die Verwaltung hat nun ihren gesetzlichen Auftrag erfüllt, indem zur Kenntnis genommen wurde, dass es diesen Fund gab und indem das Wrack als denkmalschützerisch wertvoll anerkannt wurde“. Nun gebe es verschiedene Möglichkeiten, mit dem Fund zu verfahren. Eine Ausstellung in einem Museum sei zu diesem Zeitpunkt noch keine Priorität in der Diskussion.

Als Experten waren unter anderem Prof. Dr. Ulrich Müller sowie Dr. Fritz Jürgens aus dem Bereich Archäologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel digital zugeschaltet. In einer Präsentation stellten sie Details zum bisherigen Vorgehen und zu potenziellen Aussichten für das Schiff vor.

Die wissenschaftliche Betrachtung des Wracks habe letzten Herbst begonnen und sei zunächst auf Kosten der Universität vorgenommen worden. Es habe in einer Spanne von zwei Tagen mehrere Tauchgänge mit einer Gesamtdauer von fast acht Stunden gegeben. Dort hätten die Taucher aus Kiel und Göttingen zahlreiche Fotos und Videos mit unterschiedlicher Technik gemacht, welche später zur Erstellung von Computermodellen und eines Übersichtsplans des Schiffes gedient hätten.

Besonders sei, dass die Ladung des Schiffes, mittlerweile verhärteter und damit ungefährlicher Branntkalk, noch erkennbar sei. „Für die Ostsee mit ihrem hohen Salzgehalt ist bei diesem Schiff tatsächlich eine relativ gute Erhaltung sichtbar“, sagte Dr. Fritz Jürgens. Die Mutmaßung, dass es ein altes Hanseschiff sei, habe man allerdings revidieren müssen. Es handele sich mit großer Wahrscheinlichkeit um ein Schiff niederländischer Bauart (wahrscheinlich eine Galliot) aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, was man unter anderem anhand von Holzproben herausgefunden habe.

Der Grund des Untergangs sei nicht abschließend geklärt, die Forschenden vermuteten allerdings keinen Brand oder Kentern im herkömmlichen Sinne. Die Lage des Schiffes deute darauf hin, dass eine Untiefe in einer Kurve unweit vom Fundort die Ursache sein könnte.

Das Schiff sei akut gefährdet; es bestünde eine Zersetzungsgefahr durch den Schiffsbohrwurm und Seepocken. Außerdem deuteten Baggerspuren und ein Miesmuschelbefall auf Erosion als neues Problem der letzten Jahre hin. Darum bestünde auch dringender Handlungsbedarf von Seiten der Wissenschaftler. Dr. Ralf Bleile, Archäologe mit Erfahrung im Bereich Unterwasserarchäologie, formulierte einen eindringlichen Appell: „Je länger man wartet, desto weniger ist vom Schiff übrig. Monat für Monat geht Substanz verloren.“

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt äußerte dem entgegengesetzt deutlich, dass unter dem Sicherheitsaspekt für die tägliche Schifffahrt kein Handlungsbedarf bestünde, da das gesunkene Schiff kein Hindernis darstelle. Die Anforderung sei eine Mindesttiefe von 9,5 Metern, das Wrack liege allerdings in 11 Metern Tiefe. Selbst an seiner höchsten Stelle sei es noch unterhalb der gesetzlichen Grenze, weshalb keine finanziellen Mittel vom Schifffahrtsamt in Frage kämen.

Die Experten stellten im Wesentlichen zwei Optionen im weiteren Prozess vor: eine Konservierung unter Wasser am Fundort oder eine Bergung. Am Ende käme allerdings nur die Bergung in Frage, denn die „in situ Konservierung“, eine Überdeckung durch eine Folie und Kies, sei keine dauerhafte Lösung und stelle eine Gefährdung für die Schifffahrt dar. Die Bergung sei zwar unumgänglich, wegen der Lage des Schiffes aber auch aufwendig, da die Fahrrinne nicht über längere Zeit gesperrt werden könne. Eine gängige Methode der Schiffsbergung sei eine Plattform über dem Wrack, bei der die Teile Stück für Stück an die Oberfläche befördert würden.

Kostenmäßig läge die Bergung allein schätzungsweise bei 1,5 bis 2 Millionen Euro. Die anschließende Konservierung sei allerdings noch einmal sehr kostenintensiv, je nach Verfahren, für das man sich entscheidet. Wer diese Kosten trägt, sei abhängig davon, wem das Wrack gehört. Sowohl die Stadt als auch der Bund kämen dabei in Frage. Der Bereich Recht der Verwaltung arbeite daran, diese Frage zu klären, sagte Senatorin Monika Frank. Ergebnisse seien im November zu erwarten.

Am Montag gab es in einer Sondersitzung des Kulturausschusses einen Sachstand zur Bergung des entdeckten Wracks.

Am Montag gab es in einer Sondersitzung des Kulturausschusses einen Sachstand zur Bergung des entdeckten Wracks.


Text-Nummer: 154102   Autor: Lisa Gerlach   vom 26.09.2022 um 21.31 Uhr

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