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Die Zeiten sind böse

Lübeck: Archiv - 15.10.2022, 08.59 Uhr: Am Sonntag steht in den Predigten in den evangelischen Kirchen ein Satz im Mittelpunkt: "Die Tage sind böse." Pastorin i.R. Ellen Naß stellt ihn auch in ihre Gedanken zum Wochenende.

Im Moment beschäftigt uns vieles, und eigentlich ist nichts davon gut. Corona scheint doch noch nicht ganz ausgestanden, Russlands Krieg in der Ukraine eskaliert immer weiter. Unsere Versorgungsleitungen werden angegriffen, die Gaspipelines, bei der Bahn die Verbindungen. Immer neue Gerüchte machen die Runde, werden immer dann doch von einigen aufgegriffen und geglaubt, so dass auch oft genug im privaten Umfeld Zwietracht und Streit gesät wird. Außerdem war da noch der heiße Sommer, der den Klimawandel erlebbar machte. Da kann man schon mutlos werden, sich fragen, wie und ob es weitergeht.

Im Predigttext für den Sonntag kommt ein Satz vor, der gerade in der Zeitung geschrieben worden sein könnte, so gut passt er zu all diesen Katastrophen: „Die Tage sind böse“. Ich finde, besser kann man unsere Situation nicht zusammenfassen.

Das Erstaunliche daran ist, dass dieser Satz im Brief an die Epheser (Eph 5, 16) steht, also vor fast 2000 Jahren geschrieben wurde. Damit klingt er schon fast wieder tröstlich, denn offensichtlich sind wir nicht die ersten, denen es schlecht geht, es war schon immer so. Für „kleine Leute“ war das Leben im römischen Reich nicht schön, davon hören wir nur im Geschichtsunterricht wenig.

Die Tage sind böse – die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. Da erleben wir die unterschiedlichsten Möglichkeiten. Eine Möglichkeit ist es, einfach so zu tun, als wäre gar nichts los, weiterleben wie bisher. Eine andere ist es, aufzubegehren, Schuldige zu suchen – die gibt es ja teilweise auch wirklich, nur können wir Kriegsführende im Ausland schlecht zur Verantwortung ziehen. In der Bibel wird an anderer Stelle noch eine andere Möglichkeit genannt, auch das tun einige: „Lasst uns essen und trinken, denn morgen sind wir tot“. Man soll versuchen, das Leben zu genießen, weil sowieso alles umsonst ist und es auf gar nichts mehr ankommt.

Im Epheserbrief wird anderes Verhalten gefordert. Wir sollen uns nicht mit Drogen betäuben – voll mit Wein saufen, so wird es genannt - und wenn man bedenkt, dass unser Abendmahl am Anfang eine richtige Mahlzeit war, dann kann man ahnen, dass es manchmal vielleicht aus dem Ruder geriet.

Wir sollen nicht unverständig sein, sondern weise, die Zeit nützen, die wir haben, uns untereinander stärken und helfen. Wir sollen alles tun, damit das Leben, damit die Zeiten besser und nicht noch schlechter werden, auch, wenn es uns vielleicht einschränkt, wenn wir nicht unbedingt genau das tun können, was wir wollen, sollen wir, um der anderen Menschen willen, Gottes Willen tun.

Vor allem sollen wir – trotz der schweren Zeiten – Gott dankbar sein für das, was wir haben, so wird es im Predigttext gefordert. Wir sollen singen und danken. Das ist, wenn es einem schlecht geht, viel verlangt. Aber wir alle kennen Menschen, die das nicht tun – und die dadurch alles noch viel schlimmer machen.

In bösen Zeiten mutig bleiben, optimistisch, dankbar, das kann die Zeiten nicht verändern, aber kann sie für uns alle erträglicher machen, nicht ganz so beängstigend. Singen soll ja sowieso – egal, was wir singen – die Stimmung aufhellen. Wenn wir Gott Dank singen, Ihm dankbar sind, dann erfahren wir dadurch auch, dass nicht nur wir nicht allein sind und finstere Mächte oder Machthaber unser Leben bestimmen, sondern dass auch Gott da ist, der sich um uns kümmert und uns hilft.

Die Tage sind böse - so viele gute Tage wie wir in den letzten 75 Jahren haben wohl nicht viele Menschen im Laufe der Geschichte erlebt. Wir können vertrauen, dass die bösen Tage vorübergehen werden, dass wir geborgen sind in Gottes Hand – und dass wir zu ihrem Ende beitragen können durch das, was wir tun.

Pastorin i.R. Ellen Naß beschäftigt sich mit der Frage, wie man böse Tage erträglicher gestalten kann.

Pastorin i.R. Ellen Naß beschäftigt sich mit der Frage, wie man böse Tage erträglicher gestalten kann.


Text-Nummer: 154438   Autor: red.   vom 15.10.2022 um 08.59 Uhr

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