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Philharmoniker-Konzert: Virtuos und humorvoll

Lübeck: Archiv - 23.10.2022, 19.01 Uhr: Wer meint, er verstände (noch) nichts von „klassischer Musik“, solte unbedingt ins 2. Sinfoniekonzert der Lübecker Philharmoniker gehen und mit Freude hören (und sehen), wie gut hier drei weithin unbekannte Bühnen- und Filmkompositionen des 20. Jahrhunderts erklingen. Das Sonntagspublkum jubelte regelrecht über die Lebendigkeit und den Humor von Weinberg, Rota und Schostakowitsch, die da lebhaft von der Bühne der MuK ins Publikum strahlen.

Mit Thomas Sanderling als Gast dirigiert ein ausgewiesener Kenner die Werke von Schostakowitsch und des Polen Mieczyslaw Weinberg (1919-1996), der in den letzten Jahrzehnten „wiederentdeckt“ wurde. Weinberg lebte ab 1942 in Moskau, die Einflüsse seines Mentors sind unüberhörbar – wie hier in der kurzen Suite Nr. 4 aus dem Ballett „Das goldene Schlüsselchen“ (1962). Da tanzen etwa Kater, Ratte und Heimchen in kurzen Szenen, die vor Witz und Fröhlichkeit sprühen und so manchem Philharmoniker die Gelegenheit zu einem Solo geben.

Nino Rota (1911-1979) kennen Filmfreunde als Hauskomponist von Federico Felini („La Strada“, „La dolce Vita“), der auch Hollywood-Blockbustern („Der Pate“) klingende Highlights bescherte. Doch er hat noch lieber Gutes für den Konzertsaal geschrieben, darunter Solokonzerte wie 1971 das Divertimento concertante für Kontrabass und Orchester. Der Melodiker Rota lässt auch das große Instrument klingende Bilder schaffen, indem er dem Solisten allen Spiel-Raum auf den Saiten gibt, ihn von feinsten Höhen bis in unergründliche Tiefen führt. Das demonstriert hier Ödön Rász, Solokontrabassist der Wiener Philharmoniker und Kontrabass-Meister, der mit erstaunlicher Beweglichkeit auch bei zwei Solo-Zugaben das Auditorium staunen und jubeln ließ.

Der junge Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) lebte 1931 in in einer Szene des Aufbruchs und schrieb die Musik für eine Revue (zu deutsch „Der bedingt Ermordete“), daraus die Gerard McBurney zusammengestellte Suite hier in Lübeck ihre deutsche Erstaufführung erlebt. Da kommt der grimmige Schostakowitsch-Humor mit Tempo und der für ihn typischen Ironie in Polka, Marsch und Walzer über die Rampe, dass mit Jazz-Einsprengseln teilweise die rhythmischen Fetzen fliegen. Die große Orchester-Besetzung – darunter fünf Schlagzeuger, zwei Saxophone und Akkordeon – stellt sich in den Dienst einer Rasanz mit vielen solistischen Extravaganzen. Es ist die Krönung des Konzerts.

Was es ebenfalls so hörenswert macht, ist seine Qualität. Ohne große Gesten am Pult läßt Thomas Sanderling erfahren, wie „authentisch“ diese Musik klingen kann. Das hat der 80jährige in den wenigen Proben den Philharmonikern vermitteln können, die zu einer Hochform auflaufen, die sich in der Perfektion des Unisono wie der vertrackten Rhythmen zeigt – und in den vielen Soli, die zumal bei den Bläsern in vollem Vertrauen in ihr Können blitzen lassen. Voran zu nennen sind Joachim Pfeiffer (Trompete), Jakob Meyers (Fagott), Waldo Ceunen (Flöte), Andreas Lipp (Klarinette), Johannes Brüggemann und das Posaunen-Trio Stephan Oerblinger, Holger Bach und Thomas Bender.

Dieses Konzert – Wiederholung am Montag, 24. Oktober, 19.30 Uhr in der MuK – macht Lust auf mehr von Lübecks Philharmonikern und neugierig auf die weitere Saison.

Das Konzert des Philharmonischen Orchesters wird am Montagabend wiederholt. Foto: Jan Philip Welchering

Das Konzert des Philharmonischen Orchesters wird am Montagabend wiederholt. Foto: Jan Philip Welchering


Text-Nummer: 154576   Autor: Güz.   vom 23.10.2022 um 19.01 Uhr

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