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NDR: Gilbert zelebrierte Mahler

Lübeck: Gustav Mahlers fünfsätzige 7. Sinfonie ist selten zu hören – der Meister variiert sich selbst in ihr zu sehr. Dass diese gut achtzig Minuten allerdings ein Festmahl für Gourmets dieser Spätromantik sind, dafür sorgten die NDR-Elbphilharmoniker und ihr Chefdirigent Alan Gilbert: Sehr groß besetzt, vor allem in den Bläsern und im Schlagzeug, sowie erweitert um Gitarre und Mandoline, strömten Mahlers Klangwelten durch die MuK.

Volle Aufmerksamkeit heischte schon der Beginn mit den Rufen des Tenorhorns (Joachim Preu): Nichts ist hier einfach zu spielen, weder die gebrochenen Harmonien noch die permanenten Takt- und somit Stimmungswechsel, die von drei ebenso in Hoch-Form strahlenden Trompeten überleiten in Holzbläser-Verklärung und Harfen-Kaskaden zur dichtgewebten Emotionalität der Streicher. Gilbert koordinierte immer wieder die Aufschwünge – so entstand das Allegro risoluto auch vor dem (inneren) Auge wie ein orientalischer Teppich mit unendlich vielen Farben und Mustern.

Der 2. und 4. Satz sind „Nachtmusik“ betitelt, jedoch keineswegs Albträume, sondern Mahlers schweifende, positive Visionen. Die erste beginnt mit einem Hornruf (die souveräne Claudia Strenkert bekam bald noch mehr zu tun). Immer weiter ging die Wanderung durch die Sommernacht, rasteten die Holzbläser am Bächlein, gab Gilbert mit ruhiger Geste plötzlich den Blick auf einen morgendliche Wiese frei. Und immer wieder ließ er das Orchester schreiten: Mit diesem Rhythmus sammelt Mahler seine Gedanken und vermittelt dem Hörer etwas vom Immer-schon-Dagewesenen – um ihn und sich in den Zweifel zu stürzen, ob es den auch so bleiben wird... Was er dann im 4. Satz (Andante amoroso) mit kammermusikalischen Passagen zärtlich (Gitarre und Mandoline) und fast wohligen Streicher-Wellen beschwört.

Dazwischen das gespenstische Scherzo, in dem die Pauke (Stephan Curlis) das Suchen des Orchesters begleitet: Gilbert wies bei den permanenten Taktwechseln den Streichern immer wieder den Weg in die Hoffnung. Die strahlte im Rondo dann in jeden Winkel des großen MuK-Saals: Mit höchster Aufmerksamkeit und bester Mahler-Konsonanz in allen Gruppen ging es ins Finale, gelegentlich eilig, dann wieder verweilend – so positiv zum finalen Umarmen der ganzen Welt. Alan Gilbert und Orchester zelebrierten Mahler mit einer Akkuratesse, die das (leider nicht eben zahlreiche) Publikum mit großem Beifall belohnte.

Die NDR-Elbphilharmoniker bekamen in der MuK viel Beifall.

Die NDR-Elbphilharmoniker bekamen in der MuK viel Beifall.


Text-Nummer: 154698   Autor: Güz.   vom 29.10.2022 um 17.16 Uhr

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