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Gott ist Liebe

Lübeck: Pastorin i.R. Ellen Naß widmet ihre Gedanken dem politischen Engagement von Christen. Besonders in den USA versuchen Gläubige an Einfluss zu gewinnen. Aber vertreten diese Menschen wirklich christliche Werte?

In den USA waren in der letzten Woche Wahlen. Normalerweise bemühe ich mich, mich nicht zu politischen Themen zu äußern – ich finde, Christen haben genauso ein Recht darauf, sich eine eigene Meinung zu bilden wie alle anderen Menschen auch. Die Zeiten, in denen es klar war, was man als Christ zu wählen hatte, sind bei uns vorbei. Allerdings sollte man sich dabei immer fragen, ob die Ziele und das Verhalten einer Partei mit dem, was einem am christlichen Glauben wichtig ist, übereinstimmt.

In den USA haben weite Teile der konservativeren Christen ganz klar politisch Stellung bezogen, mischen sich häufig – trotz offizieller Trennung von Staat und Kirche – in vielem ein. Da Parteien ihre Stimmen haben wollen, richten sie sich auch nach dem, was gewünscht wird.

Mit 17 habe ein einige Monate in den USA in einer solchen Familie gelebt. Wer zu ihrer Kirche gehören wollte, musste sich verpflichten, nicht zu rauchen und keinen Alkohol zu trinken. Der Ehemann hat sich kurz danach von seiner Frau getrennt. Sie ist ihr Leben lang keine neue Beziehung eingegangen, Ehe war nach ihrem Glauben unauflöslich. Warum solche Christen ausgerechnet Trump unterstützten, der die 3. Ehefrau hat plus unzählige Geliebte, raucht und trinkt, bleibt ihr Geheimnis.

Christen beten vor Abtreibungskliniken, um die Frauen und die Ärzte und Ärztinnen zu beschämen. Mir wurde von einem Arzt in einer Frühschwangerschaft nahegelegt, eines meiner Kinder abzutreiben – seit über 30 Jahren freue ich mich, dass ich es nicht getan habe. Trotzdem kann ich verstehen, wenn Frauen diesen Weg gehen, weil die Umstände anders sind als bei mir damals – wenn das Wissen um Gottes Hilfe, ein sie unterstützender Partner fehlt, ein gesichertes Einkommen, wenn das Kind durch Gewalt entstanden ist. Auf diese Weise zu beten ist meiner Meinung Missbrauch von Gebet.

Was daran christlich sein soll, Menschen in Not und ihre Helferinnen zu bedrängen und zu beschimpfen, verstehe ich nicht. Da sollte man sich lieber für bessere medizinische Versorgung, bessere soziale Verhältnisse, mehr Unterstützung für bedürftige Familien einsetzen, Krankenversicherung, das wäre meiner Meinung mit Jesu Lehren eher zu vereinbaren.

Jesus hat auch gesagt: Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen. Deshalb verstehe ich nicht, wie man in den USA ein gläubiger Christ sein kann und gleichzeitig für den freien Waffenverkauf. Natürlich kann es ein Recht auf Notwehr geben, dass man sich verteidigt – aber das gibt es überall, ohne dass so viele Menschen eine Waffe bei sich tragen.

Für mich steht der christliche Glaube für Liebe. „Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm“, so steht es im 1. Johannesbrief 4,16b. Gott liebt uns, hat uns Seine Liebe in Jesus gezeigt, erlebbar und erfahrbar gemacht. So wie Gott uns liebt, sollen wir andere Menschen lieben und gut behandeln. Das ist die Messlatte, die wir anlegen sollen an das, was wir denken und tun.

An diese Worte des Neuen Testaments sollten wir uns halten, uns bemühen, danach zu leben – nicht nur danach wählen zu gehen, sondern an jedem Tag in unserem Leben. Das ist nicht immer einfach, und kann für Christen und Christinnen unterschiedliche Konsequenzen haben und Lebensgestaltungen haben.

Dabei gibt es Regeln – die 10 Gebote zum Beispiel: Niemanden bedrängen oder bedrohen, niemandem schaden, nicht lügen (auch wenn man es dann Fake News nennt). Es gibt sicherlich nicht die eine christliche Lösung und nicht die eine christliche Partei, jeder und jede von uns muss sich in Verantwortung vor Gott selbst entscheiden. Das kann ganz unterschiedlich ausfallen, aber immer sollten wir fragen, was und wie viel von Gottes Liebe und Seinen Geboten umgesetzt wird.

Pastorin i.R. Ellen Naß beschäftigten christliche Werte in der Politik.

Pastorin i.R. Ellen Naß beschäftigten christliche Werte in der Politik.


Text-Nummer: 154954   Autor: red.   vom 12.11.2022 um 08.50 Uhr

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