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Gedanken zum Buß- und Bettag

Lübeck: Am Mittwoch feiern evangelische Christen den Buß- und Bettag. Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert an die Geschichte des Tages, der bei uns kein gesetzlicher Feiertag mehr ist.

Vor 30 Jahren wäre heute ein Feiertag gewesen. Schulen, Geschäfte, Büros, alles wäre geschlossen gewesen, am Morgen hätten Gottesdienste stattgefunden. Meine Examenspredigt habe ich an diesem Tag gehalten. In einigen Bundesländern ist heute noch immer ein Feiertag – bei uns in Schleswig-Holstein ist er praktisch spurlos verschwunden. 1994 wurde er abgeschafft.

Damals wurde gesagt, dass es den Feiertag sowieso erst seit 1852 gegeben habe, er im Gegensatz zu Weihnachten oder Ostern relativ neu sei. Das stimmt aber nur teilweise, schon 1532 hat Kaiser Karl V. Angesichts des drohenden Angriffs durch Türken solch einen Buß- und Bettag ausgerufen, um Gott zu besänftigen, die Kriegsgefahr abzuwehren.

Natürlich hilft ein Buß- und Bettag wenig, wenn man von einer übermächtigen Macht angegriffen wird – obwohl, wie wir im Moment staunend feststellen, das ja nicht immer wie erwartet endet. Trotzdem wurden immer wieder solche Tage ausgerufen, bei Hungersnöten, Epidemien, Kriegen, wenn man glaubte, auf Gottes Hilfe angewiesen zu sein.

1852 wurde dann festgelegt, dass man nicht mehr nach Bedarf diesen Tag begehen wollte, sondern immer im November, am Mittwoch vor dem Toten- oder Ewigkeitssonntag. Insofern wurde 1994 doch ein uralter Feiertag abgeschafft.

Angeblicher Grund dafür war die Pflegeversicherung. Damit die Arbeitgeber sich bereit erklärten, den Arbeitgeberanteil zu übernehmen, wurde ihnen ein Tag Arbeitszeit mehr im Jahr geschenkt. Da er sowie als Putz- und Fegtag bekannt war oder zum Ausschlafen benutzt wurde, war das naheliegend.

Andererseits finde ich es – auch nach so vielen Jahren – immer noch schade, dass es diesen Feiertag nicht mehr gibt. Viel Arbeitskraft kann er uns zusätzlich auch nicht beschert haben, sonst hätte der Reformationstag nicht so problemlos eingeführt werden können.

Denn selbst wenn man keine Gottesdienste besucht hat – darüber nachzudenken, wo man etwas falsch gemacht hat, was man in seinem Leben bereut – und das dann zu ändern – das ist für jeden und jede von uns wichtig. Wenn Menschen mir erzählen, sie hätten in ihrem Leben noch nie etwas falsch gemacht, dann glaube ich das nicht, ich halte sie nur für uneinsichtig und wenig lernfähig.

Denn jeder von uns trifft falsche Entscheidungen, selbst wenn wir bemüht sind, es nicht zu tun. Im Rückblick sieht manches ganz anders aus. Dinge, die wir getan haben, weil wir sie für gut und richtig hielten, erweisen sich als Katastrophe. Berichte, die wir weitererzählt oder im Internet geteilt haben, weil wir sie interessant, bedenkenswert und wahr fanden, stellen sich als unrichtig heraus.

Unser Verhalten anderen gegenüber, das liebevoll gemeint war, hat ihnen letzten Endes geschadet. Selbst wenn wir uns bemühen, nach Gottes Geboten gut zu leben, gelingt es nicht immer, weil die Welt so ist, wie sie ist.

Da war und ist ein Tag im Jahr gut, der uns daran erinnert, dass wir nicht vollkommen sind, dass wir uns hinterfragen sollen in dem, was wir tun und sagen. Zwischen Volkstrauertag – wo ja auch an Fehler und Unglück gedacht wird – und Totensonntag hatte dieser Tag einen guten Platz.

Buß- und Bettag mag altmodisch klingen und in fast ganz Deutschland abgeschafft sein, aber darüber nachzudenken, wo man Fehler gemacht hat, und zu versuchen, diese Fehler zu verändern, das ist nicht altmodisch, das ist klug, immer modern – und von Gott gewollt.

Gottesdienste zum Buß- und Bettag am Mittwochabend

Kücknitz, Dreifaltigkeitskirche, Schlesienring 1
18.30 Uhr, Ökumenischer Gottesdienst in Kücknitz, Diakon Thomaschewski, Buß- und
Bettag

St. Andreas, Gemeindehaus, Am Müllerberg 12
18.00 Uhr, ökumenische Andacht zum Buß- und Bettag, Pastor Kai Schäfer, Diakon
Wolfgang Lenz

St. Stephanus, Dornierstraße 52, 23568 Lübeck
18.00 Uhr, Regional-Gottesdienst, Buß-und Bettag, Pastor Reinhard von Kries

Kirche Johann Hinrich Wichern, Andersenring 29
18.00 Uhr, Buß- und Bettag-Gottesdienst, Pastorin Friederike Praetorius

Laurentius, Bugenhagenkirche, Karavellenstraße 8
18.00 Uhr, Gottesdienst am Buß- und Bettag, Pastorin Anne Mareike Müller

Laurentius, Kirche St. Markus, Beim Drögenvorwerk 2-8
18.00 Uhr, Gottesdienst am Buß- und Bettag, Pastorin Elisabeth Farenholtz

St. Aegidien, Aegidienkirchhof 1-3
18.00 Uhr, Gottesdienst am Buß- und Bettag, Pastor Thorsten Jessen, mit Pastor Thorsten
Jessen

Krummesse, Adventskapelle in Kronsforde, Kronsforder Hauptstraße 37
19.00 Uhr, Gottesdienst in der Adventskapelle zu Kronsforde, Pastorin Judith Fincke, Buß- +
Bettag, mit Kirchenchor

Pastorin i.R. Ellen Naß bedauert, dass der Buß- und Bettag kein gesetzlicher Feiertag ist.

Pastorin i.R. Ellen Naß bedauert, dass der Buß- und Bettag kein gesetzlicher Feiertag ist.


Text-Nummer: 155036   Autor: red.   vom 16.11.2022 um 08.48 Uhr

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