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3. Sinfoniekonzert: Romantik und Klimaschutz

Lübeck: Archiv - 27.11.2022, 19.46 Uhr: Die Philharmoniker der Hansestadt setzen sich als „Orchester des Wandels“ für den Klima- und Umweltschutz ein. Als Gründungsmitglied dieser Initiative von inzwischen fast vierzig deutschen Klangkörpern begreifen sie das Eindämmen des Klimawandels als Teil ihres kulturellen Auftrags. Unter diesem Zeichen steht das 3. Sinfoniekonzert in der MuK mit Werken von Toru Takemitsu, Camille Saint-Saens und Robert Schumann unter Leitung von Takahiro Nagasaki.

Hier ist vom Sonntagskonzert zu berichten, das nicht nur vom Anliegen her, sondern besonders durch die künstlerische Leistung ein besonderer Erfolg war. Lübecks Erster Kapellmeister ist ein hochsensibler Interpret, was sich in „Rain Coming“ seines Landsmanns Takemitsu noch eher in der Zeichengebung zeigte. In dieser Naturbeobachtung für Kammerorchester sind 15 Spieler zu koordinieren: Tröpfeln, Rieseln, Fließen geht durch Streicher und Bläser und via Vibrafon und Celesta. Mit Schleiftönen und Staccati zieht ein kurzer Schauer vorüber und bleibt doch weiter präsent – alles punktgenau von allen umgesetzt.

Sensationell geradezu ist die Wiedergabe von Saint-Saens' 1. Cellokonzert. Die Solistin Tanja Tezlaff entfaltet mit einem ungemein vehementen Einstieg einen Sog, den Nagasaki und das Orchester mit voller Wucht aufnehmen und in dem die erste melodische Schleife umso zärtlicher schweift. Für Tetzlaff mit großem Ton und traumhaft sicherem Griff scheint dieses Werk prädestiniert zu sein – dem Nagasaki und Orchester zu organischem Fließen und im Mittelsatz zu selten so gehörter Leichtigkeit vollauf entsprechen. Tanja Tetzlaff erzählt mit engagierter Phrasierung, bringt Synkopen in Perfektion und führt in der Zugabe (Saint-Säens' „Der Schwan“ aus „Karneval der Tiere“) dann noch allen feinen Wohllaut des Instruments vor Ohren: Was will der Kenner und Gourmet noch mehr?

Es kommt noch mehr, geht zunächst über das Musikalische hinaus ins Menschliche. Im kurzen Gespräch mit der Violinistin Franzsika Ribbentrop, die Philharmoniker-Sprecherin für „Orchester des Wandels“, erzählt Tetzlaff von ihrem Engagement als Botschafterin dieser Initiative als Folge ihrer eigenen Einstellung – und wie sie daher jüngst Bach-Suiten in der Natur aufgenommen hat für einen Film, der im neuen Jahr zu sehen sein wird.

Und es folgt noch ein Höhepunkt: Mit Schumanns 4. Sinfonie zeigt Takahiro Nagasaki, was Romantik ist und wie dieser Komponist zu klingen hat. Nichts da von Beliebigkeit, wenn man gleich das Tempo anzieht, statt sich in Schönheit oder Naturlyrik zu verlieren – und wenn man bei Übergängen nicht den Atem anhält. Hier ist alles In Fluss, weder ist die Romanze „versonnen“, sondern schlicht. Noch hat das Crescendo zum Finale Bombastisches, sondern ist ein optimistisches Arme-Ausbreiten angesichts der Schönheit der Natur. Da kommt nichts Naives, sondern daraus spricht ein Optimismus. Den erspürt Nagasaki mit seiner klaren, oft reduzierten Zeichengebung im Vertrauen auf das Können der Philharmoniker: Sie folgen seiner Arbeit mit einer ganz famosen Leistung. Das Publikum am Sonntag war begeistert – im Montagskonzert (28. November, 19.30 Uhr in der MuK) wird es wohl ebenso sein.

Die Philharmoniker wiederholen das Konzert am Montagabend. Foto: Jan Philip Welchering

Die Philharmoniker wiederholen das Konzert am Montagabend. Foto: Jan Philip Welchering


Text-Nummer: 155287   Autor: Güz.   vom 27.11.2022 um 19.46 Uhr

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