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Beschäftigung: Experten gehen von weiterem Wachstum aus

Lübeck: Archiv - 19.12.2022, 10.30 Uhr: Seit 2010 steigt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Bezirk der Agentur für Arbeit Lübeck kontinuierlich an. Die Pandemie hatte den Wachstumstrend im letzten Jahr etwas gebremst, aber zu keinem Rückgang geführt. Mit Hilfe der Kurzarbeit wurden viele Arbeitsplätze in der Region gesichert und das eingearbeitete Personal in Unternehmen gehalten.

Zum Stand der aktuellsten Auswertung Ende März 2022 waren 165.956 Frauen und Männer zwischen Fehmarn und Lübeck beschäftigt, ein Plus von 3.820 oder 2,4 Prozent zum März 2021. Innerhalb der letzten zehn Jahre betrug der Anstieg 26.374 oder 18,9 Prozent.

Die Folgen des russischen Krieges gegen die Ukraine belasten die weltwirtschaftliche Entwicklung. Dennoch erwartet das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) keinen Einbruch des deutschen Arbeitsmarktes. Angesichts der steigenden Arbeitskräfteknappheit versuchen viele Betriebe ihre Beschäftigten auch in konjunkturellen Schwächephasen zu halten. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich trotz dämpfender Effekte weiter positiv und das IAB rechnet bei der Erwerbstätigkeit bundesweit mit einem Plus von 560.000 Personen in 2022 und einem weiteren Anstieg um 220.000 in 2023.

Doch wie sieht die regionale Entwicklung aus? „Während zentrale Daten sich rein auf statistische Werte und Indikatoren stützen, fließen in die Bewertung vor Ort regionale Erkenntnisse mit ein. Für diese Einschätzung nutzen wir die Kompetenz externer Expertinnen und Experten“, erläutert Markus Dusch, Vorsitzender der Geschäftsführung in der Agentur für Arbeit Lübeck.

Vertreter der Handwerkskammer Lübeck, Industrie- und Handelskammer zu Lübeck, Wirtschaftsförderung Lübeck, Entwicklungsgesellschaft Ostholstein mbH (EGOH), Arbeitgebervereinigung Lübeck-Schwerin e.V., Unternehmensverband Ostholstein-Plön e.V., Jobcenter sowie Arbeitsagentur Lübeck tauschten sich in einer Sitzung zu den Chancen und Risiken des regionalen Arbeitsmarktes aus.

Mit Hilfe des Arbeitsmarktmonitors, einer Netzwerkplattform der Bundesagentur für Arbeit, wurden die 20 größten Branchen einzeln unter die Lupe genommen und die Entwicklungen diskutiert.

Die stärksten Beschäftigungszuwächse werden im Bereich öffentliche Verwaltung, Erziehung und Unterricht sowie Gesundheits- und Sozialwesen erwartet. Aufgrund der Wohngeldreform sowie der Grundsteuerreform stellen Kommunen und Finanzverwaltungen verstärkt Personal ein, aber auch die Bundeswehr stockt auf. Der Ausbau offener Ganztagsschulen und Kindertagesstätten, der steigende Bedarf an Schulbegleitung, Sprachkursen sowie Betreuung Geflüchteter lässt Personalbedarfe wachsen. Die Beliebtheit der Lübecker Bucht als Wohnort und Zuzug älterer Menschen, aber auch die Alterung der Gesellschaft und wachsende Zahl an Pflegebedürftigen sorgen im Gesundheits- und Sozialwesen für einen stetigen Personalbedarf. Die Verfügbarkeit von Arbeitskräften stößt jedoch an ihre Grenzen und wurde durch die Pandemie weiter verschärft.

Die Lübecker Bucht ist ein beliebtes Reiseziel und hat während der Corona-Pandemie weiter an Beliebtheit gewonnen. Die Lockerungen der Corona-Beschränkungen führten auch zur steigenden Personalnachfrage im Hotel- und Gastgewerbe. Betriebe kämpfen jedoch verstärkt mit Personalengpässen. Während die sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit Kurzarbeit im Unternehmen gehalten werden konnten, haben sich insbesondere Minijobbende wegen fehlenden Anspruchs auf Kurzarbeitergeld oft neuorientiert. In der Branche bieten sich gute Chancen für Quereinsteigende. Außerdem werben Betriebe verstärkt Mitarbeiter und Nachwuchskräfte im Ausland an.

Mit Fachkräfteengpässen hat auch das Baugewerbe zu kämpfen. Hinzu kommen Liefer- und Materialengpässe sowie verhaltener Privathausbau aufgrund steigender Bauzinsen. Hingegen planen öffentliche Verwaltungen ihre Bauaktivitäten auszuweiten, so dass von einer leicht steigenden Beschäftigtenzahl ausgegangen wird. Zusätzliche Bedarfe werden auch im technischen und handwerklichen Bereich für die Umsetzung der Energiewende gesehen.

Eher ein Rückgang der Beschäftigung wird in den Branchen Einzelhandel, Handel und Reparatur von Kraftfahrzeugen, Finanzdienstleistungen sowie Arbeitnehmerüberlassung erwartet. Deutliche Preiserhöhungen, Unsicherheiten über mögliche Kostenbelastungen und weiter steigende Energiepreise dämpfen die Konsumlaune. Weitere Faktoren sind Ausbau des Onlinehandels, Digitalisierung von Dienstleistungen und Schließung von Filialen in der Finanzbranche oder Personalbindung über Direkteinstellungen statt über Zeitarbeitsfirmen.

Insgesamt gehen die Experten 2023 branchenübergreifend von einem Zuwachs von rund 2.100 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Lübeck und Ostholstein aus. Handlungsmöglichkeiten werden in der Aktivierung der Stillen Reserve, Integration geflüchteter Menschen, Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte und der Qualifizierung gesehen.

„Unser Arbeitsmarkt ist weiterhin stabil. Steigende Inflation, insbesondere durch hohe Energiekosten, Unsicherheiten durch den Ukrainekrieg und fortbestehende Liefer- und Materialengpässe können jedoch dämpfend wirken. Im Falle einer Gas-Mangellage und unvermeidbarer Ausfälle, könnte Kurzarbeit wieder ein entscheidendes Stabilisierungsmittel werden. Da haben unsere Kolleginnen und Kollegen bereits während der Corona-Pandemie hervorragende Arbeit geleistet“, erklärt der Agenturchef. „Fachkräftesicherung bliebt auch mit Blick auf die demografische Entwicklung zentral. Qualifizierung ist ein entscheidender Schlüssel, um diese Entwicklung abzumildern. Ob langzeitarbeitslos, geringqualifiziert, alleinerziehend oder mit Migrationshintergrund: jeder dieser Menschen hat individuelle Stärken und kann eine wertvolle Bereicherung für ein Unternehmen sein. Seien Sie offen für neue Wege. Gerne steht der Arbeitgeber-Service Ihnen als Partner rund um alle Fragen zur Nachwuchs- und Personalgewinnung sowie Qualifizierung zur Seite“, bietet Dusch Unternehmen an.

Vertreter regionaler Institutionen tauschten sich in einer Sitzung zu den Chancen und Risiken des regionalen Arbeitsmarktes aus. Foto: Arbeitsagentur

Vertreter regionaler Institutionen tauschten sich in einer Sitzung zu den Chancen und Risiken des regionalen Arbeitsmarktes aus. Foto: Arbeitsagentur


Text-Nummer: 155706   Autor: Olga Nommensen/red.   vom 19.12.2022 um 10.30 Uhr

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