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Halbzeit im Energiespar-Winter

Lübeck: Archiv - 21.12.2022, 08.47 Uhr: Am Mittwoch, 21. Dezember, um 22.48 Uhr, so etwa um die Zeit der Tagesthemen, ist es soweit; wir haben den kürzesten Tag des Jahres erreicht. Von morgen an wird die Tageslänge wieder kontinuierlich zunehmen. Harald Denckmann erklärt, wann es endlich wieder heller wird und gibt eine erste Prognose zum Silvester-Wetter ab.

Die Länge des kürzesten Tages bei uns hängt natürlich von der Lage der Hansestadt Lübeck im Gradnetz ab, und da liegt Lübeck leicht aufgerundet etwa auf 54 Grad nördlicher Breite. Der kürzeste Tag wird daher bei uns mit 7 Stunden, 23 Minuten und 54 Sekunden angegeben. Der Sonnenaufgang, wenn wir ihn sehen könnten, ist um 8.32 Uhr etwa in Richtung Südost und um 15.56 Uhr etwa im Südwesten geht die Sonne am Wintersonnenwendentag unter.

Aufgrund von astronomischen Gegebenheiten, die wir hier nicht vertiefen wollen, können wir seit Anfang Dezember bereits einen Sonnenuntergang vor 16 Uhr beobachten. Das ändert sich am heutigen Tage, denn bereits in der ersten Januarwoche werden wir feststellen können, dass die Vormittage zwar erst einmal dunkel bleiben, die Nachmittage aber spürbar länger werden.

An den Vormittagen wird es noch bis zum 13. Januar dauern, bis die Sonne uns wieder den Gefallen tut, vor 8.30 Uhr MEZ aufzugehen. Der Sonnenuntergang ist an dem Tage bereits wieder um 16.22 Uhr.

Erst 40 Tage nach Weihnachten, am Tag von Maria Lichtmess im Kirchenkalender, verzeichnen wir wieder einen Sonnenaufgang um 8 Uhr morgens und einen Sonnenuntergang um 17 Uhr. Dann stellt sich langsam wieder das Gefühl ein, dass es dem Frühling entgegengeht. An diesem Tag, dem 2. Februar, gibt Murmeltier Phil in Pennsylvania traditionellerweise auch seine berühmte Wetterprognose für den Rest des Winters ab. Er liegt dabei immer richtig, denn wenn er mal danebenhaut, liegt das immer am Präsidenten des Murmeltierclubs, der seine Wetterprognose falsch interpretiert hat.

Die Sonne haben wir ja am letzten Wochenende noch gesehen. Die konnte man zur wahren Mittagszeit um 12.15 Uhr MEZ im flachsten Winkel des Jahres in einer Höhe von etwa 13 Grad über dem Horizont beobachten. Das bringt natürlich wärmetechnisch nicht viel und führt uns zu der bangen Frage, wie wir den Rest des Winters überstehen, ohne unsere Gasreserven allzu sehr herunterzufahren.

Das hängt nun glücklicherweise nicht nur von der Mittagshöhe der Sonne ab, sondern vor allem von den Druckverhältnissen auf der Nordhalbkugel, die uns im Winterhalbjahr sowohl milde atlantische Luftmassen, als auch bitterkalte Festlandsluft aus dem Osten bescheren können.

Diesbezüglich stand ja der Heilige Abend lange auf der Kippe, denn eine sehr labile Luftmassengrenze hätte uns auch kalte Verhältnisse bescheren können. Das sieht jetzt aber nicht so aus, alles spricht für milde Verhältnisse unter dem Tannenbaum, wie wir auch in der vergangenen Woche bereits wagten vorherzusagen. Riskant ist die Vorhersage aber immer noch. Auch die neuesten Berechnungen für den 24. Dezember zeigen bei uns Temperaturen von +6° und höher, und unsere dänischen Nachbarn befinden sich bereits im Frostbereich mit guten Aussichten auf Schneefall um Weihnachten herum. Verursacht durch zum Teil stürmische Winde aus Südwest bleiben wir dann voraussichtlich auch zwischen den Tagen im Einflussbereich milder atlantischer Luftmassen.

Auch für die Silvesternacht werden Temperaturen im oberen einstelligen Bereich erwartet. So wie es aus heutiger Sicht aussieht, wird es also über die Feiertage das reinste Energiesparwetter geben. Es ist aber reichlich Bewegung in der Atmosphäre und die Vorhersagen sind momentan alles andere als einfach. Für unsere Bemühungen, Energie einzusparen, wäre ein solch milder Jahreswechsel natürlich ein Segen.

Ebenfalls sollten wir froh sein, dass mit der Fertigstellung des Flüssiggasterminals ein Produktionsstillstand in der gasabhängigen Industrie abgewendet werden konnte. Das ist zwar klimapolitisch nicht die reine Lehre, ermöglicht uns aber immerhin, in allen Politikfeldern handlungsfähig zu bleiben. Wer will schon innere Unruhen und instabile Verhältnisse. Schließlich gab es kürzlich erst ernsthafte Bestrebungen, das Kaiserreich bei uns wieder einzuführen. Vielleicht sollten wir uns in diesem Zusammenhang einmal daran erinnern, dass Frauen zu der Zeit noch nicht einmal wählten durften, geschweige denn gewählt werden. Es ist schon eine Überlegung wert, ob wir auf diese und weitere demokratische Errungenschaften in der heutigen Zeit wirklich wieder verzichten wollen.

Der Mittwoch ist der kürzeste Tag des Jahres. Foto: Karl Erhard Vögele

Der Mittwoch ist der kürzeste Tag des Jahres. Foto: Karl Erhard Vögele


Text-Nummer: 155747   Autor: Harald Denckmann   vom 21.12.2022 um 08.47 Uhr

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