Hochklassige Kammermusik im Kolosseum

Lübeck: Archiv - 27.05.2023, 13.55 Uhr: Die renommierte Scharwenka-Gesellschaft in Lübeck macht sich auf zu neuen Ufern. Bis zu ihrem Tod war die Gründerin der Gesellschaft, die Klavierprofessorin Evelinde Trenkner für die Gesellschaft und das damit verbundene Kammermusikfestival mit ganzem Herzen engagiert. Höhepunkt des Jahres waren dabei immer die Tage um Himmelfahrt, an denen das Scharwenka-Festival traditionellerweise stattfand. Immer um 19.30 Uhr im Kolosseum, oder wie es im Prospekt stets angekündigt ist, "um 7 ½ sehr präcise."

Nach dem Tod der Gründerin wusste man in der Gesellschaft lange nicht, wie es weitergehen könnte. Vor allem wollte man das sachkundige und wertschätzende Publikum, das sich im Laufe der Jahre herausgebildet hatte, nicht verlieren.

Jetzt scheint sich aber eine Lösung abzuzeichnen, die dem Lübecker Publikum das beliebte Festival auch in den kommenden Jahren weiterhin sichert. Jürgen Feldhoff hat die Entwicklung des Festivals seit Jahren journalistisch begleitet und war auch aktives Mitglied der Xaver und Philipp Scharwenka-Gesellschaft in Lübeck. In schwierigen Zeiten hat er sich jetzt bereiterklärt, den Vorsitz der Gesellschaft zu übernehmen und das Kammermusikfestival in neue Zeiten zu führen. Er stellte sich an die Spitze einer Gruppe aus Hochschulprofessoren, Musikern und anderen Menschen, denen die Kammermusik am Herzen liegt. Sie trafen sich, entwickelten ein Konzept, und das Projekt „Wir retten das Kammermusikfest“ nahm Fahrt auf.

Wie nicht anders zu erwarten, fühlte sich die Arbeitsgemeinschaft dem Namen der Gesellschaft und der Tradition verpflichtet. Die Musik der Kaiserzeit unter besonderer Berücksichtigung der Scharwenka Brüder soll weiterhin gepflegt werden. Darüber hinaus soll das Genre Kammermusik allerdings vom Barock bis zur Gegenwartsmusik in seiner Gesamtheit abgebildet werden. Die Heranführung von Jugendlichen an die Kammermusik mit Hilfe der musikpädagogischen Abteilung der Hochschule, sowie die Förderung musikalischer Talente soll in Zukunft einen besonderen Schwerpunkt bilden. In diesem Zusammenhang will man auch Hauskonzerte wieder beleben, in denen der Nachwuchs in angenehmem Rahmen die Möglichkeit erhält, sich einem freudig gestimmten Hörerkreis zu präsentieren.

Das diesjährige Festival findet jetzt vom 2. bis zum 4. Juni im Lübecker Kolosseum statt. Auf ihren neu gestalteten Internetseiten gibt die Gesellschaft einen Übersicht über das diesjährige Programmangebot.

Es zeigt einen vielfältigen Überblick über die Entwicklung der Kammermusik – so präsentiert das temperamentvolle Klavierduo Susanna De Secondi/Elias Opferkuch Werke von Bach, Mozart und Strawinsky, das JAC-Trio führt uns von Mozart zu Rachmaninoff und einem zeitgenössischen Werk des Lübecker Komponisten Michael Töpel und schließt mit Brahms.

Juliane Sandberger (Mezzosopran) und Viktor Soos (Klavier) widmen sich unter dem Motto „Meine Liebe ist grün“ romantischer Liebeslyrik, in Töne gesetzt von Brahms, Hugo Wolf, Franz Liszt und Xaver Scharwenka. Das Morgenstern Trio bewegt sich zwischen den für Klaviertrio arrangierten „Planeten“ von Gustav Holst (UA 1918) und den als Kompositionsauftrag brandaktuell vergebenen thematischen Neukompositionen (UA 2022 und 2023). Das Streichquartett „Die Nixen“ entführt die Hörer in den schillerndsten Klangfarben durch einen Ozean voller Musik, stilsicher geht es durch verschiedenste Genres. Ebenso wie die Nixen moderieren ClariNoir ihr Programm selbst, ebenso ist es vor allem geprägt durch „Crossover“, dieses ungewöhnliche Ensemble sieht sich als Brückenbauer zwischen Klassik, Neuer Musik und Weltmusik.

Die sachkundige und launige Präsentation übernimmt der neue Vorsitzende der Gesellschaft selbst. Dabei wird Jürgen Feldhoff sich sicher an den schwungvollen Moderationen von Hermann Boie orientieren, aber natürlich auch ganz eigene Akzente setzen. Dem engagierten Vorbereitungskreis des Festivals ist zu wünschen, dass die Lübecker Kammermusikfreunde das Angebot auch wahrnehmen. Schließlich kann das Festival nur Bestand haben, wenn das Publikum den Einsatz auch würdigt. Und wie bereits erwähnt, Beginn ist immer um 7 ½ - sehr präcise.

Über kammermusikfest-luebeck.de kommt man zur Kartenbestellung. Karten sind ebenfalls erhältlich an den üblichen Vorverkaufsstellen.

Im Original-Ton hören Sie ein Gespräch von Harald Denckmann mit dem neuen Vorsitzenden der Scharwenka-Gesellschaft Jürgen Feldhoff.

Die Tradition wird fortgesetzt: Das erste Scharwenka-Festival fand im Jahr 1989 statt. Foto: Archiv, O-Ton: Harald Denckmann

Die Tradition wird fortgesetzt: Das erste Scharwenka-Festival fand im Jahr 1989 statt. Foto: Archiv, O-Ton: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 158938   Autor: Harald Denckmann   vom 27.05.2023 um 13.55 Uhr

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