Kaum Frauen in Top-Positionen bei städtischen Unternehmen

Lübeck: Archiv - 17.07.2023, 16.35 Uhr: Nur eine von fünf Top-Positionen im Management öffentlicher Unternehmen (21,5 Prozent ) wurde im April 2023 bundesweit von einer Frau bekleidet. Die Hansestadt Lübeck steht im Vergleich der 69 Städte mit acht Prozent abgeschlagen auf Platz 58, berichtet das Frauenbüro.

Das ist das Ergebnis der „FIT“-Studie („Frauen in Top-Management-Organen öffentlicher Unternehmen“) der Universität Friedrichshafen, die im Juli 2023 veröffentlicht wurde. Landesweit lieg nur Norderstedt mit 23,5 Prozent Frauen oberhalb des bundesweiten Schnitts. Kiel (19 Prozent), Neumünster (elf Prozent) und Flensburg (acht Prozent) landeten auf mittleren oder hinteren Rängen. Schleswig-Holstein mit 14,1 Prozent im Ländervergleich auf dem viertletzten Platz.

"Dabei hatte die Hansestadt Lübeck schon 2014 Grundsätze guter Unternehmens- und Beteiligungsführung, den sogenannten „Public Corporate Governance Kodex“ (PCGK), beschlossen, welche auch erste Regelungen zur Frauenförderung enthielten", so das Frauenbüro.

"Die Studie zeigt, dass es im Hinblick auf die Top-Management-Positionen in Lübeck noch deutlich Luft nach oben gibt. Gerade hier sollten wir nicht länger auf die Expertise der Frauen verzichten", so Elke Sasse, Gleichstellungsbeauftragte der Hansestadt Lübeck. "Neben den Geschäftsführungen sollten auch die kommunalen Aufsichtsräte mit kritischem Blick die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben in den Blick nehmen", so ihre Forderung.

69 Städte wurden in der Studie darauf untersucht, wie viele Männer und Frauen in der Geschäftsführung, Geschäftsleitung bzw. im Vorstand waren. Seit 2018 hat sich demnach kaum etwas verändert. Beim Wechsel von Positionen kamen bundesweit zu 78 Prozent wieder Männer auf die Top-Positionen.

"Wir brauchen auch für kommunale Gesellschaften aktive Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils in den Chefetagen. Frauen sollten dort selbstverständlich sein. Die Studie empfiehlt z.B. konkretere Regelungen in den ‚Public Corporate Governance Kodex‘ mitaufzunehmen, aber auch die langfristige Planung der Besetzung entsprechender Stellen", sagt Petra Schmittner, Mitarbeiterin im Lübecker Frauenbüro.

Seit 2016 schreibt die schleswig-holsteinische Gemeindeordnung in §1a vor, dass auch die kommunalen Gesellschaften über innerbetriebliche Gleichstellungsmaßnahmen gegenüber dem Innenministerium zu berichten haben. In Lübeck gab es im Jahr 2020 den ersten Bericht, für 2024 steht eine Fortschreibung, das heißt der zweite Bericht an.

Hintergrund

Im März 2015 wurde das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“ verabschiedet. Dieses sieht für börsennotierte und paritätisch-mitbestimmte Unternehmen eine 30 prozentige Frauenquote in Aufsichtsgremien vor. Die meisten öffentlichen Unternehmen sind allerdings nicht börsennotiert und firmieren in der Rechtsform einer GmbH, weshalb die Vorschriften des Gesetzes und des Aktiengesetzes für sie bislang in den meisten Fällen nicht verpflichtend sind. In der Hansestadt Lübeck gilt das Gesetz allerdings für die Stadtwerke Lübeck und die Lübecker Hafengesellschaft – wegen der paritätisch-mitbestimmten Unternehmen.

Der Frauen-Anteil bei Top-Positionen in städtischen Unternehmen liegt in Lübeck nur bei acht Prozent.

Der Frauen-Anteil bei Top-Positionen in städtischen Unternehmen liegt in Lübeck nur bei acht Prozent.


Text-Nummer: 160073   Autor: Frauenbüro/red.   vom 17.07.2023 um 16.35 Uhr

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