Gedanken zum Erntedank

Lübeck: Archiv - 30.09.2023, 08.32 Uhr: Am Sonntag wird das Erntedankfest gefeiert. Für Pastorin i.R. Ellen Naß ist das ein guter Anlass, über unseren Konsum nachzudenken. Bei allen Problemen ging es uns noch nie so gut wie heute.

Wenn man die Werbeprospekte von Supermärkten oder Discountern sieht, egal ob auf Papier oder online, dann sind sie voll von Begriffen wie „regional, saisonal, bio“oder ähnlichem. Das scheint im Moment wichtig zu sein, scheint Kunden zum Kauf zu bewegen, neben dem Preis natürlich.

Was das alles bedeutet ist dabei nicht einmal unbedingt klar. Es gibt EU-Bio, es gibt die Bioanbauverbände mit wesentlich strengeren Regeln, es gibt auch einfach so Bio. Regional kann heißen aus dem näheren Umkreis, oder auch aus Deutschland – während ich Produkte aus Bayern oder Baden-Württemberg vielleicht gerne esse, aber aus der Region sind sie nicht. Dass Erdbeeren zu Weihnachten nicht saisonal sind, das wissen wir alle, aber vieles ist auch da sehr viel länger erhältlich als früher.

Zusätzlich haben wir noch viele Angebote, die gar nichts davon sind. Oft wissen wir es noch nicht einmal. Die meist gegessenen Tomaten und der am meisten gegessene Knoblauch bei uns kommen aus China – versteckt in Dosen und Fertiggerichten.

Andererseits, wenn ich im Fernsehen sehe, wie Fernsehköche stolz ein Sellerie- oder Steckrübenschnitzel als regional und saisonal braten, muss ich immer an meine Großeltern und Eltern denken. Die hätten das nie angerührt. Der Grund dafür war, dass sie es in der Hungerzeit nach dem 1. und auch nach dem 2. Weltkrieg so viel gegessen hatten, weil es das einzige war, was es gab. Danach mochten sie es nicht mehr, und die Erinnerungen, die es weckte, waren auch nicht schön.

Das zeigt allerdings, warum wir Grund haben, uns über unsere heutigen Lebensumstände zu freuen. Denn wir sind nicht mehr nur auf Steckrüben und Sellerie angewiesen, um satt zu werden und uns gesund zu ernähren. Wir nehmen das als selbstverständlich, beschweren uns eher, wenn mal irgend etwas schwer oder gar nicht zu bekommen ist oder wir es uns gerade nicht leisten können. Dabei ging es uns noch nie so gut wie heute.

Das Erntedankfest morgen ist ein guter Anlass, sich einmal wieder daran zu erinnern, wie gut es uns im Grunde genommen geht. „Alle gute Gaben, alles, was wir haben, kommt, oh Gott, von dir, wir danken dir dafür.“, so lautet ein altes Tischgebet. Heute werden nur noch in wenigen Familien Tischgebete gesprochen, und doch fasst es wunderbar zusammen, dass alles, wirklich alles, was uns an Gutem zukommt, von Gott stammt.

Dazu gehören dann eben nicht nur die Steckrübe und der Sellerie, sondern auch Avocado und Banane. Andererseits erinnert uns dieses Tischgebet daran, dass eben nicht alles unseres ist, dass wir damit tun und lassen können, was wir wollen, konsumieren können, wie es uns gefällt.

Denn Gaben – Geschenke – stehen einem ja nicht zu, kann man sich nicht einfach nehmen. Gott schenkt uns, was wir haben, einfach weil Er es will. Damit nimmt Er uns aber auch in die Verantwortung. Wir sollen mit dem, was Er uns schenkt, verantwortungsvoll umgehen. Wir sollen dieses Geschenk nicht nur selbst nutzen und verbrauchen, sondern verantwortlich teilen – mit Menschen, denen es jetzt nicht so gut geht wie uns und mit denen in der Zukunft, die auch leben wollen.

Wir sollten uns nicht auf die bunten Versprechungen der Werbung verlassen, sondern auf Gott, dass Er uns beschenkt, dass er uns befähigt, aus Dankbarkeit gute und richtige Entscheidungen zu treffen. Erst einmal aber wollen wir morgen Erntedankfest feiern, weil Gottes gute Gaben uns Leben ermöglichen.

Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert das Erntedankfest.

Pastorin i.R. Ellen Naß erinnert das Erntedankfest.


Text-Nummer: 161511   Autor: red.   vom 30.09.2023 um 08.32 Uhr

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