32. Kammermusikfest Lübeck im Kolosseum

Lübeck: Archiv - 15.06.2024, 14.35 Uhr: Trotz bedrückender Konkurrenzveranstaltungen waren zum Eröffnungskonzert am 14. Juni des diesjährigen Kammermusikfestes erfreulich viele Musikfreunde in das Lübecker Kolosseum gekommen. Einmal mehr bewiesen wurde damit das Bedürfnis nach hochwertiger Kammermusik, wofür ja auch die verdienstvolle Konzertreihe des Philharmonischen Orchesters Lübeck sorgt.

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Nur bleiben Sorgen um das nachwachsende, jüngere Publikum, denn für Kammermusik scheinen sich nur reifere Musikfreunde zu begeistern. Auch in seiner Eröffnungsrede wies Björn Engholm auf die vielfältigen Möglichkeiten und Anforderungen einer Musikstadt wie Lübeck hin, in der das Theater, das Philharmonische Orchester und die Musikhochschule eine zentrale Rolle spielen.

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Beim ersten Konzert nun waren das Programm und die ausführenden Musiker ausgesprochen bunt und vielgestaltig. Wie immer wurden die einzelnen der vier Abschnitte durch die Moderation des 1. Vorsitzenden der Scharwenka-Gesellschaft, Jürgen Feldhoff kenntnisreich und dabei mit augenzwinkerndem Humor eingeleitet. Zunächst trat das Klavierduo Oskar mit Susanna de Secondi, Klavier und Elias Opferkuch, Klavier, auf. Dabei handelte es sich nicht zuletzt auch um eine Hommage an die verstorbene Leiterin des kleinen aber feinen Festivals Evelinde Trenkner, die stets mit Rotraud Speidel als Klavierduo aufzutreten pflegte. Das Klavierduo Oskar spielte die ersten zwei von fünf stimmungsvollen Tonbildern „Im Freien“ op. 38 von Xaver Scharwenka. Sofort erwies sich das Zusammenspiel der beiden Pianisten als perfekt. In zwei Sätzen des folgenden Divertissement à la Hongroise g-moll op. 54 von Franz Schubert, der hier Chopin vorauszuahnen scheint, fielen die melancholischen Eintrübungen besonders ins Gewicht, die attacca folgende Choralbearbeitung „Jesus bleibet meine Freude“ nahmen Susanna de Secondi und Elias Opferkuch etwas zu hurtig. In den diesen Teil abschließenden zwei der (schon original vierhändigen) Ungarischen Tänze von Johannes Brahms waren das Miteinander-Atmen und die sinnhaften Rubati hervorzuheben.

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Der folgende zweite Teil des Konzertabends war Silke Aichhorn und der Harfe gewidmet. Unter dem Titel „Lebenslänglich frohlocken – Harfe einmal anders“ stellte die Musikerin ihr Instrument vor und die besondere Rolle der Harfe als Orchesterinstrument dar. Es gehört schon einiges dazu, als Solistin mit einem der ältesten Musikinstrumente selbstständig, ohne feste Anstellung aufzutreten. In ihrer lockeren Moderation verwies sie auch auf einige der spieltechnischen Herausforderungen, wovon sich das Publikum in der Pause im direkten Gespräch überzeugen konnte. Als Musik erklang eine Collage von Harfen-Bearbeitungen von Tschaikowskys „Schwanensee“-Ballett, Smetanas „Moldau“ (eingerichtet von Hanuš Trneček), Offenbachs Barcarolle (aus den „Rheinnixen“, dann bekannt geworden aus dem Giulietta-Akt von Offenbachs „Hoffmanns Erzählungen“ und zuletzt eine von Fazil Say bearbeitete leicht verjazzte Version von Mozarts „Alla Turca“-Rondo aus der A-dur-Klaviersonate KV 331.

Eine weitere wichtige Aufgabe, die sich die Scharwenka-Gesellschaft gestellt hat, liegt in der Förderung junger Nachwuchskünstler. Dafür traten nach der Pause die beiden Musikstudenten an der Musikhochschule Lübeck Sven Stutte, Violine (Schüler von Prof. Elisabeth Weber) mit Antonios Topalidis, Klavier (Schüler von Prof. Konrad Elser) auf. Sie hatten drei der „Polnischen Nationaltänze“ op. 3 von Xaver Scharwenka erarbeitet und überwanden zunehmend Lampenfieber und Nervosität. Hier erwiesen sie sich als unbedingt entwicklungs- und förderungswürdig.

Zum Schluss erklang das gewichtigste Werk des Abends, das „Dumky“-Klaviertrio Nr. 4 op. 90. In den sechs Sätzen trat das Irida Trio auf mit Johanna Hempen, Violine, als Gast Michael Schmitz, Violoncello (für Oliver Léonard eingesprungen) und Alexander Baier, Klavier. Die teils langsamen elegischen, teils tänzerisch-schnellen Abschnitte („Dumka“) gestaltete das Trio mit Leidenschaft und Engagement, aber auch inniger Konzentration. Und dass Michael Schmitz als Gast dabei war, war nicht herauszuhören, so sehr integrierte er sich mit seinem wunderbar geraden Ton und der sicheren Intonation in das Gesamterscheinungsbild des Ensembles. Vielleicht wäre er für ein künftiges Kammermusikfest wieder zu gewinnen, dann mit eigenem Programm.

Gespannt dürfen wir sein auf den weiteren Verlauf des 32. Kammermusikfests:

Beim 2. Kammerkonzert am Samstag, 15. Juni, um 19.30 Uhr im Kolosseum wird das Luboš Ensemble mit Streichquintetten von Luigi Boccherini und Maria Bach auftreten sowie Imke Looft, Sopran mit Steffen Kubach, Bariton und Nathan Bas, Klavier, mit ihrem Programm „In Büsum gibt’s einen Keuschheitsverein“ mit Liedern, Couplets und Chansons von Ralph Benatzky, Otto Reutter, Claire Waldoff, Leo Fall, Georg Kreisler, Bodo Wartke und Reinhard Mey. Das 3. Konzert am Sonntag Abend, 16. Juni wird von der Sängerin Julia Baier Tarasova, Mezzosopran, und Annette Töpel, Klavier mit „Liedern und Arien von Natur und Liebe“ bestritten (Schumann, R. Strauss, Brahms, Philipp und Xaver Scharwenka, Michael Töpel, Moykola Lyssenko, Lehár. Am Ende erklingt dann der Foxtrott „Die Juliška aus Budapest“ aus der Operette „Maske in Blau“ von Fred Raymond. Außerdem gewährt Flautando Köln mit dem Programm „Tradition und Innovation – Blockflöte gestern und heute“ Einblicke in das Repertoire dieses Instrumentes auch abseits der Barockmusik.

Als Besonderheit sei noch auf das erste Kinder- und Familienkonzert am Sonntag-Vormittag, 16. Juni, um 11 Uhr hingewiesen, Bei freiem Eintritt präsentieren sie das etwa 45 Minuten dauernde Mini-Musical „Oceankids“. Hier geht es um die Vermüllung und die Zerstörung der Meere – dabei werden alle Kinder eingeladen, „Oceankids“ zu sein und die Zukunft unseres Planeten selbst in die Hand zu nehmen. Wieder also bestimmen Abwechslung und Buntheit das 32. Kammermusikfest.

Als Nachwuchskünstler traten am ersten Abend des Festivals Sven Stutte und Antonios Topalidis auf. Fotos: Svea Regine Feldhoff

Als Nachwuchskünstler traten am ersten Abend des Festivals Sven Stutte und Antonios Topalidis auf. Fotos: Svea Regine Feldhoff


Text-Nummer: 166513   Autor: Dieter Kroll   vom 15.06.2024 um 14.35 Uhr

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