Stammzellen-Spendenaktion: 10 Jahre später

Lübeck: Vor zehn Jahren erschütterte die Geschichte der Lübecker Familie um die 32-jährige Diana und ihre Tochter Johanna die Region: Beide litten an Blutkrebs und benötigten dringend eine Stammzellspende, um zu überleben. Aber was ist eigentlich aus der Familie geworden? Wie viele der 3.000 Menschen, die sich damals bei der Registrierungsaktion registriert haben, wurden zu Stammzellspendern? Wem haben sie geholfen?

Eine Geschichte, die eine ganze Stadt sensibilisierte

Vor einem Jahrzehnt mobilisierte die Geschichte von Diana und Johanna eine Welle der Hilfsbereitschaft in Lübeck. Freunde, Familie und die Neuapostolische Kirche organisierten gemeinsam mit der DKMS eine Registrierungsaktion, die viele Menschen zur Registrierung als Stammzellspender bewegte. Diese Aktion brachte vielen Patienten weltweit Hoffnung und Heilung: Von den über 3.000 Menschen, die sich damals registrierten, gingen bereits 36 Matches hervor, die anderen Menschen das Leben gerettet haben. Leider verstarb Diana trotz aller Bemühungen. Johanna kämpft nach wie vor mit den Langzeitfolgen der Krebstherapie. Während es ihr psychisch besser geht, leidet sie weiterhin unter körperlichen Schmerzen. Die Therapie hat den Krebs besiegt, aber ihre Lebensqualität ist stark eingeschränkt.

Ein Jahrzehnt der Hilfe und Hoffnung

Eine Dekade mag wie eine lange Zeit erscheinen, aber für Simon und Anica ist die Registrierungsaktion für die Lübecker Familie immer noch ganz präsent, vor allem der Moment, in dem beschlossen wurde aktiv zu werden und die Aktion zu initiieren. Vor kurzem durchstöberten sie alte E-Mails, die sie an die Organisationszeit ihrer Registrierungsaktion für die DKMS erinnerten. "Es war unglaublich zu sehen, wie viel Arbeit und Unterstützung dahintersteckte. Da bekommen wir heute noch Gänsehaut", bemerkten sie. Doch die Erinnerungen daran lassen sie bis heute nicht los. Die Motivation für ihre Aktion kam aus einer Art Hilflosigkeit, erzählt Anica. Nach der Diagnose von Diana und Johanna saßen sie abends zusammen und beschlossen, dass Beten allein nicht ausreichen würde. So begannen sie zu recherchieren und stießen auf die DKMS. Schnell war der Kontakt hergestellt, und ihr Engagement nahm Fahrt auf. "Die Hilflosigkeit wandelte sich in Aktionismus um, und wir konnten viele Menschen in unserer Kirchengemeinde dazu bewegen, sich anzuschließen", fügt Simon hinzu. Die Aktion selbst war ein Kraftakt, besonders für Anica, die damals in der 28. Schwangerschaftswoche war. "Nach der Aktion war ich total platt. Ich bin dann ziemlich schnell nach Hause mit unseren, damals noch kleinen Mädels.

„Ich habe dann schon direkt angefangen Emails zu beantworten, wie jeden Tag, seitdem wir mit der Planung begonnen hatten. Natürlich habe ich auch direkt mit Diana und Fabian, ihrem Mann, telefoniert, die das Ganze begeistert aus der Ferne verfolgt haben. An dem Tag gab es unglaublich tolles Feedback. Wir haben erst nach und nach realisiert, was da wirklich geschehen ist", erinnert sie sich. "Es war ein unvergessliches Ereignis, das uns erst nach und nach bewusst wurde."

Trotz der Herausforderungen empfehlen sie jedem, sich zu registrieren oder eine eigene Aktion auf die Beine zu stellen. "Es ist das Einfachste auf der Welt und kann Großes bewirken", betont Anica. Simon stimmt zu: "Aber es ist wichtig, ein starkes Team zu haben, auf das man sich verlassen kann. Es bedeutet viel Arbeit, Nerven und Zeit - aber es ist jede Anstrengung wert." Ihre Dankbarkeit gilt nicht nur den vielen Helfern, sondern auch der DKMS und ihrer Kirchengemeinde. "Ohne ihre Unterstützung hätten wir das nicht geschafft. Sie haben das gesamte Gebäude und alles was dazu gehört sowie viele Kontakte bereitgestellt", erklären sie. Zehn Jahre später blicken sie zurück auf eine Aktion, die nicht nur 36 neue Chancen auf Leben schuf, sondern auch ihr Leben veränderte. "Es war eine Reise voller Hoffnung und Solidarität", schließen sie ab.

Lebensrettende Entscheidung: Annika Witten teilt ihre Geschichte

Eine inspirierende Geschichte, die aus dieser Aktion hervorging, ist die von Annika Witten aus Lübeck. Sie ist eine wahre Heldin des Alltags. Die heute 31-Jährige registrierte sich vor zehn Jahren und hat dabei eine tiefgreifende Erfahrung gemacht, die sie mit anderen teilen möchte. Für Annika gab es keinen spezifischen Anlass, sich in die DKMS aufnehmen zu lassen – sie kannte die betreffende Familie nicht. "Es war eher so, dass sich unkompliziert die Gelegenheit geboten hat", erklärt sie. Der Brief von der DKMS, dass sie als Spenderin in Frage komme, war für sie die beste Motivation, sich tiefer mit dem Thema Blutkrebs und hämato-onkologische Krankheitsbilder, die sie nur Monate zuvor im Medizinstudium kennenlernte, auseinanderzusetzen. Die heutige Ärztin erinnert sich: „Ich kam abends aus der Uni, zog den Brief aus dem Briefkasten und habe ihn direkt geöffnet. Mit etwas Herzklopfen, wie es nun weitergeht, habe ich gleich am nächsten Morgen meinen Ansprechpartner von der DKMS angerufen. Darüber, ob ich bereit bin, Stammzellen zu spenden, musste ich aber keine Sekunde nachdenken. Dann habe ich das erste Mal als Erwachsene auch konsequent meinen Fahrradhelm getragen, um mich und damit die wertvolle Lebensspende zu schützen.“ Die Stammzellen wurden aus dem Blut entnommen. Um diese zu mobilisieren, nahm die Lübeckerin über einige Tage ein Medikament ein. Dieses ließ sie etwas erschöpft fühlen, hinderte sie aber nicht daran, normal ihren Alltag zu bestreiten. „Einen Tag vor der Spende habe ich sogar noch eine Klausur geschrieben“, konstatiert die Hobbyschwimmerin, die während der Spende Serien geschaut hat.

Die Bedeutung dieser Spende

Annika erfuhr später, dass ihre Stammzellen einem 57-jährigen Mann in den USA geholfen haben. "Weil mein Vater im gleichen Alter war, hat mich das sehr berührt", sagt sie und erhielt einige Monate nach der Spende die erfreuliche Nachricht, dass der medizinische Verlauf des Patienten so zufriedenstellend war, dass er aus der Klinik entlassen werden konnte. Trotzdem bekam sie etwa ein Jahr später die traurige Information, dass der Patient gestorben ist. "Das hat mich mehr getroffen, als ich erwartet hätte. Ich hoffe, dass die Stammzellspende ihm und seiner Familie Hoffnung gegeben und möglichst viel gemeinsame Zeit geschenkt hat – vielleicht noch einen Geburtstag, einen schönen Sommer. Deshalb möchte ich jeden dazu aufrufen, sich mit dem Thema zu beschäftigen und sich zu registrieren. Ihr könnt im besten Fall ein ganzes Leben schenken und in dem Fall Mut, Hoffnung und gemeinsame Zeit“, lautet Annikas Appell an die Öffentlichkeit. "Es ist etwas Kleines und kann so Großes bewirken", betont sie.

Die Hauptinitiatoren der Stammzellen-Spendenaktion. Foto: DKMS

Die Hauptinitiatoren der Stammzellen-Spendenaktion. Foto: DKMS


Text-Nummer: 166568   Autor: DKMS/red.   vom 18.06.2024 um 12.49 Uhr

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