Stolpersteine in der Mühlenstraße

Lübeck - Innenstadt: Am Mittwoch, 26. Juni 2024, werden um 16 Uhr in der Mühlenstraße 81 vier Stolpersteine für die Familie Schenk/Litwack verlegt. Umrahmt wird das Gedenken durch Musik, die sich Werner Schenk für die Verlegung gewünscht hat. Zu dieser Gedenkfeier lädt die Initiative Stolpersteine für Lübeck herzlich ein.

Damit erinnert die Initiative ›Stolpersteine für Lübeck‹ an das außergewöhnliche Schicksal der Lübecker Familie Schenk/Litwack – an ihre Entrechtung und Demütigungen, an die Verfolgung durch die Geheime Staatspolizei, an das Untertauchen eines Familienmitglieds im Marien-Krankenhaus, an Auswanderung und Rückkehr nach Lübeck und auch an die Menschen, die der Familie geholfen haben.

Werner Schenk, geboren 1932 in Lübeck und jetzt in Rochester/NY (USA) lebend, wird bei der Verlegung (online) anwesend sein.

Zum Schicksal der Familie Schenk/Litwack in Lübeck

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 hat Familie Schenk zunehmend Schwierigkeiten, in Lübeck ein ›normales Leben‹ zu führen. Alfred Schenk wird aus seiner Firma entlassen, weil seine Frau Rosa Jüdin ist. Immer wieder werden sie im Alltag schikaniert. Die Familie versucht sich in der Öffentlichkeit zurückzuhalten und nicht aufzufallen. Als Werner am Gymnasium angemeldet werden soll, wird das von Wilhelm Düwel, dem Leiter des „Lübecker Kirchen- und Judendezernats“ der Gestapo verhindert. Werner Schenk kann aber die Alte Stadt-Mittelschule am Domhof besuchen und wird hier immer wieder von seinem Lehrer Effland gedeckt und gewarnt, wenn Gefahr droht.

Ende 1942 taucht Rosa Litwack, eine Berliner Cousine von Rosa Schenk, in der Mühlenstraße 81 unter. Über zwei Monate gelingt es der Familie, Rosa Litwack bei sich zu verstecken. Am 9. März 1943 fliegt das Versteck auf. Alfred Schenk wird auf seiner Arbeitsstelle verhaftet, kommt für fast eine Woche in das KZ Sachsenhausen und wird dann unter Auflagen entlassen. Rosa Litwack wird ins Konzentrationslager Auschwitz deportiert (sie überlebt).

Familie Schenk steht nun unter besonderer Beobachtung der Gestapo. Rosa Schenk wird zu schwerer Arbeit zwangsverpflichtet, Werner kann nur unregelmäßig die Schule besuchen. Ende 1944 erkrankt Rosa Schenk schwer physisch und psychisch, Werner kann nicht betreut werden. Im Frühjahr 1945 nehmen ihn zwei Schwestern des Marien-Krankenhauses in Lübeck auf und er kann sich bis zum Kriegsende in einen Seitenraum der Kapelle verstecken.

Nach der Befreiung vom Faschismus bleiben Schenks noch einige Jahre in Lübeck. Werner kann an der Städtischen Gewerbeschule einen Hochschulabschluss machen. Am 9. Dezember 1950 wandert die Familie nach Amerika aus. Werner Schenk wird hier später Physiker und Mathematiker, arbeitet bei Forschungseinrichtungen. Alfred und Rosa Schenk können in Amerika nicht Fuß fassen. 1963 kehren sie nach Lübeck zurück. Alfred Schenk stirbt hier 1969, seine Frau Rosa 1986.

Während der Verlegung wird Dr. Gerhard Eikenbusch von der Initiative Stolpersteine für Lübeck über die Geschehnisse berichten. Werner Schenk wird – wenn möglich – an der Verlegung der Stolpersteine per Video-Verbindung teilnehmen, Robert Goldberg, ein Freund der Familie, wird eine Rede von Werner Schenk vortragen. Dr. Dominik Kuhn vom Archiv der Hansestadt Lübeck (als Vertreter der Stadt) und Propst Christoph Giering von der Katholischen Pfarrei zu den Lübecker Märtyrern werden Grußworte beitragen.

Allgemeine Informationen zum Projekt „Stolpersteine“ in Lübeck
Mit dem Kunstprojekt „Stolpersteine“ erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig an die Vertreibung, Vernichtung und Entrechtung von Menschen im Nationalsozialismus. Verlegt werden die Steine im öffentlichen Straßenraum vor den ehemaligen Wohnhäusern der Opfer. Die Betonsteine liegen plan im Boden, sodass ein Stolpern und eine Gefährdung nicht möglich sind. Finanziert werden die Steine von privaten Spendern und gehen mit der Verlegung als Schenkung in den Besitz der Hansestadt Lübeck über. Dies wurde am 28. Juni 2007 so von der Bürgerschaft beschlossen.

In Lübeck steigt mit dieser Verlegung die Zahl der Gedenksteine auf nun 242. In Deutschland gibt es bereits mehr als 90.000 Stolpersteine in über 1000 Orten. Auch in 25 weiteren Ländern wurden die Steine verlegt.

In Lübeck steigt mit dieser Verlegung die Zahl der Gedenksteine auf nun 242. Foto: Archiv/HN

In Lübeck steigt mit dieser Verlegung die Zahl der Gedenksteine auf nun 242. Foto: Archiv/HN


Text-Nummer: 166596   Autor: Veranstalter/red.   vom 23.06.2024 um 14.03 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf X (Twitter) +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.


Please enable / Bitte aktiviere JavaScript!
Veuillez activer / Por favor activa el Javascript![ ? ]