SHMF-Eröffnung positiv mit Mozart und Mahler

Lübeck: Das 39. Schleswig-Holstein Musik Festival hat „Venedig“ zum Motto: Es erklingt Musik, die mit der Lagunenstadt verbunden ist. Erwartungsfroh, wie die Millionen von Besucher jedes Jahr nach Venedig aufbrechen, kommen nun die Besucher ins ausverkaufte SHMF-Eröffnungskonzert – und verlassen es voller Freude: In der Lübecker MuK spielt traditionell das NDR-Elbphilharmonie-Orchester und stimmt das Publikum positiv darauf ein.

Schon das Vorkonzert wurde genossen. Die Atmosphäre (und Kleidung der Besucher) war festlich wie lange nicht. Ein Gondoliere stakte Paare auf seiner rollenden Gondola durch die Rotunde und sang Canzonen, ein Doge und seine Gattin grüßten huldvoll in die Runde. Auf jedem Tisch lag eine Zitrone, offenbar so saftig wie das Programm des Abends mit einem Klavierkonzert von Mozart, der Venedig kannte, und der 5. Sinfonie von Mahler, daraus das Adagietto das weltweit bekannt wurde als Leitmotiv in der Verfilmung von Thomas Manns „Tod in Venedig“.

Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 503 entstand 1785 und verrät die Nähe zu seiner Oper „Le Nozze di Figaro“. Solist Emanuel Ax und NDR-Chefdirigent Alan Gilbert trafen diese Unbeschwertheit mit ernstem Unterton so gut, dass es sich bis in die letzten und höchsten MuK-Reihen mitteilte. Das Allegro maestoso eröffnen Streicher und Holzbläser in feinem Dialog, der überleitet zu Läufen und Girlanden, denen Ax' Anschlagskultur alter Schule eine wunderbare Leichtigkeit verlieh. Und zärtlicher kann man das Andante mit selbstausgeführter Kadenz nicht spielen. Auch im übermütigen Finalsatz korrespondierten Pianist und Orchester ideal: Ersterer phrasierte ganz fein, der Zweite ließ ihn mit aller Zuneigung umfangen. Als Zugabe ließ Emanuel Ax liedzartes Schubert-Liszt-Ständchen verklingen.

Mahlers Kraftakt seiner 5. Sinfonie cis-Moll fordert Dirigent, Orchester und Auditorium über 75 Minuten heraus. Alan Gilbert erwies sich einmal mehr als engagierter Lenker dieser großen Seelendynamik. Ein Kraftakt ist schon der einleitende „Trauermarsch“ mit herrischen Blechbläsern (die im Vorkonzert gelegentlich „in Schieflage“ gerieten) und sehnsuchtsvollen Streichern (die zu Superform aufliefen). Mit ausholenden Gesten war Gilbert stets den vielen Taktwechseln „voraus“, ließ gelegentlich das Tempo schleifen. Stürmisch bewegt überfiel der 2. Satz das gebannte Publikum, das die Finalanläufe bestaunte. Das beschwingte Scherzo zauberte ein Lächeln auf die Gesichter der mitgehenden Streicher, und immer wieder bestachen Hornsolo und -gruppe durch Qualität. Das Adagietto fern jeglicher Sentimentalität, das Rondo-Finale mit den wohligen Abschweifungen dazwischen: Mahler – hier insgesamt „von außen“ genommen – kam wieder beim Publikum an, das mit Applaus nicht sparte.

Solist Emanuel Ax und NDR-Chefdirigent Alan Gilbert überzeugten das Publikum im Vorkonzert. Foto: Felix König

Solist Emanuel Ax und NDR-Chefdirigent Alan Gilbert überzeugten das Publikum im Vorkonzert. Foto: Felix König


Text-Nummer: 166975   Autor: Güz.   vom 07.07.2024 um 17.38 Uhr

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