Lübeck plant Taxi-Shuttle in der nördlichen Altstadt

Lübeck - Innenstadt: Nach aktuellen Planungen soll die angekündigte Vollsperrung der oberen Beckergrube Anfang September beginnen. Die Straße wird eineinhalb Jahre umgestaltet. Da der Busverkehr aus Richtung Norden dann über die Wahmstraße umgeleitet werden muss, möchte die Stadt einen Taxi-Shuttle vom Gustav-Radbruch-Platz in die nördliche Altstadt einrichten.

Die Stadt hat verschiedene Möglichkeiten untersucht, wie die nördliche Altstadt weiterhin mit dem Bus erreichbar bleiben kann. Die naheliegendste Lösung wäre eine Fahrt durch die Fischergrube. Am 23. Januar hat ein Gelenkbus testweise diese Strecke befahren. Es gab keine Probleme. Allerdings sind die Abwasserkanäle in diesem Bereich marode. Es drohen Schäden und Sperrungen. Die Stadt verzichtet auch mit Rücksicht auf die Anwohner auf diese Linienführung.

Um zumindest eine Anbindung zu schaffen, wurde geprüft, ob die Linie 500, die Lübeck über Ratekau mit Timmendorfer Strand verbindet, einen Umweg über die Marienbrücke und die Straße "An der Untertrave" nehmen kann. Dazu finden aktuell Verhandlungen mit dem Kreis Ostholstein statt, der die Linie 500 beauftragt hat. Eine Realisierung wäre frühestens zum Fahrplanwechsel im Dezember möglich.

Realistisch ist nur eine Möglichkeit: Die Stadt beauftragt Taxifahrer, Fahrgäste vom Gustav-Radbruch-Platz in die Große Burgstraße und die Breite Straße zu fahren. Das kostet rund 650 Euro pro Tag, für die gesamte Bauzeit in der Beckergrube also rund 350.000 Euro.

Über die Umsetzung entscheidet der Hauptausschuss am 16. Juli. Die vollständige Vorlage ist unter www.luebeck.de einsehbar.

Statt Linienbussen möchte die Stadt für die Dauer der Sperrung der Beckergrube Taxen einsetzen. Foto: Archiv

Statt Linienbussen möchte die Stadt für die Dauer der Sperrung der Beckergrube Taxen einsetzen. Foto: Archiv


Text-Nummer: 166976   Autor: VG   vom 07.07.2024 um 18.00 Uhr

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Kommentare zu diesem Text:

Dirk Schulz

schrieb am 08.07.2024 um 07.45 Uhr:
Traurig, dass die Stadt an Ihrer Planung nichts verändern will und trotz Haushaltswarnungen so ein Projekt genauso wie den Radschnellweg trotzdem durchprügelt ohne Rücksicht auf Verluste... bezeichnend für die Arroganz und den Starsinn der Planer... Was da wohl noch alles in der Schublade liegt und in den Köpfen rumgeistert ??? Transparenz und Offenheit und Diskussionsfähigkeit gleich NULL...

Warum kann man keinen Kleinbus mieten/kaufen (dann hat man wenigstens mal einen) und den um den Koberg fahren lassen... der kann ja als Ringlinie die Große Burgstraße bedienen bis Radbruch-Platz, die anderen Linien fahren eben über die Untertrave... es ist doch klar, dass das kein Gelenkbus schafft...

Hans Hansen

schrieb am 08.07.2024 um 08.54 Uhr:
Ein Lehrstück für Neoliberalismus. Wir sparen hier ein bisschen und dort ein bisschen und am Ende haben wir einen Schaden der uns ein Vielfaches vom dem gekostet hätte, was notwendig gewesen wäre um die Infrastruktur einfach nur zu erhalten wie sie ist.

Die Hubbrücke wurde vom Bund kaputt gespart, die restlichen Brücken, Straßen und Abwasser von der Stadt. Ganz zu schweigen vom lächerlichen Bus-Angebot.

Und jetzt soll der massive Personenverkehr aus der Nordachse mal eben mit ein paar Taxis geregelt werden? Das ist ein schlechter Witz oder? Und warum beschließt man überhaupt eine Vollsperrung und macht sich DANN über die infrastrukturellen Konsequenzen Gedanken? Sollte das nicht in einem Zuge geschehen?

gernotM

schrieb am 08.07.2024 um 09.12 Uhr:
Was für ein Wahnsinn, diese Umgestaltungs-Phantasien...!
Schon immer war die Beckergrube seit Ende des zweiten WK keine besonders populäre Straße, und das wird auch so bleiben - bei dieser kunterbunten Nachkriegsbebauung...
Uninteressant und lieblos. Daran ändert auch das Theater nichts, und auch nicht abstruse, märchenhafte Umgestaltungsprojekte...!
Diese vielen (Steuer!)-Gelder sollten besser für andere Projekte
verwendet werden, derer es in
Lübeck viele gäbe !
Es wird Zeit für eine "Umgestaltung" unseres Stadtparlamentes !

Blitzbirne

schrieb am 08.07.2024 um 09.17 Uhr:
Nein, auf gar keinen Fall steige ich in ein Taxi. Man sieht ja, wie die fahren. Wenn ich irgendwann mal suizidgefährdet bin, dann vielleicht. Und wenn ich 10km zu Fuß laufen muss.

J. Gerwien

schrieb am 08.07.2024 um 09.43 Uhr:
Taxi-Shuttle erst ab 8, damit die Schüler es nicht nutzen, und nur vom Burgtor aus - Untertrave und Schüsselbuden anbinden - Fehlanzeige. Ob da nun die 500 fährt oder nicht - das ist keine brauchbare Anbindung, und ich glaube auch nicht, dass der Kreis OH sich das antut.

Stattdessen zumindest eine Linie über Falkenstraße-Kanalstraße-Untertrave (evtl. noch mit einem Schlenker über Schüsselbuden auf dem Weg zum ZOB) zu leiten, ist für SWLmobil offenbar undenkbar. Schade, dass Lösungen finden in Lübeck so schwer ist.

Martin

schrieb am 08.07.2024 um 09.49 Uhr:
Die angesprochenen Kleinbusse könnten auch durch die Fischergrube fahren. Durch die Kupferschmiedestrasse, Fünfhausen und Schüsselbuden. Taktzeiten je nach Nachfrage. So eine Kleinbuslösung dürfte aus Travemünde bekannt sein. Vielleicht fährt man mit so einem Bus mal die Strecke ab.
Alternativ könnte ich mir auch eine Strecke vom Gustav-Radbruch-Platz über den Koberg und durch die Engelsgrube, über die Drehbrücke und die Willy-Brandt-Allee vorstellen, dann wäre die nördliche Altstadt weiterhin angebunden. Kleinbusse wie in Travemünde dürften auch den Untergrund der Straßen nicht zu stark belasten.

Koglin

schrieb am 08.07.2024 um 09.59 Uhr:
"Die Stadt beauftragt Taxifahrer, Fahrgäste vom Gustav-Radbruch-Platz in die Große Burgstraße und die Breite Straße ..."
- bis Gr. Burgstraße = 150 m
- bis Breite Straße = 500 m
Für die Mini-Entfernungen ein Taxi zu nehmen, käme wohl niemandem in den Sinn - mit Ausnahme der Stadt ...
Evtl. gehbeeinträchtigte u./.o. ältere Mitbürger mögen sich von dieser Überlegung bitte nicht angesprochen fühlen.

Autofahrer

schrieb am 08.07.2024 um 10.27 Uhr:
Absoluter Irrsinn, die Straßen sind zum befahren da, das Geld sollte mal lieber in Parkraum im Zentrum investiert werden, und zwar in kostenlosen.

J. Gerwien

schrieb am 08.07.2024 um 10.42 Uhr:
@Martin: der Kleinbus dort ist ein interessanter Ansatz. Leider passt dieser gar nicht in das Denkkonstrukt der SWLmobil, weil man laut Beschlussvorlage "keine personellen Kapazitäten" für sowas hat. Und wenn es alles teurer wird, weil man was anmietet, muss man EU-weit ausschreiben, was bekanntermaßen bis September nicht klappt. Lübeck hat diese Baustelle sehenden Auges schon jetzt versemmelt, weil man seine Hausaufgaben nicht rechtzeitig gemacht hat. Denn: SWLmobil ist nur ausführendes Organ, was gefahren wird und wo, muss die Stadt an entsprechender Stelle beschließen und veranlassen.

Wenn man sich aber bis zum Schluss nicht kümmert und das ein bisschen aussitzt, kommt dann so ein Mist bei raus. Der Midibus, der damals den Koberg-Shuttle schon mal gemacht hat, den gibts nicht mehr, in Travemünde gibt es noch genau einen Kleinbus (der aber auch gerne mal durch nen großen ersetzt werden muss). Verlässlicher Betrieb wäre so definitiv auch nicht gewährleistet. Hätte man sich halt früher mal ne Platte machen müssen.

Justin_Time

schrieb am 08.07.2024 um 11.10 Uhr:
Ich ziehe im Herbst nach Bad Schwartau, da interessiert mich diese total irre Situation nur perifär. In HL ist es nicht mehr auszuhalten. Nur noch Irre!

Hans-Georg Kloetzen

schrieb am 08.07.2024 um 11.59 Uhr:
Da sind sie wieder, die "Fachleute", die alles besser wissen. Statt erstmal abzuwarten, ob das Projekt überhaupt realisiert wird, und wenn ja, ob es angenommen wird, wird erstmal alles wieder niedergemacht. Das ist typisch lübsches Kleinbürgertum.

Holsteiner Jung

schrieb am 08.07.2024 um 12.05 Uhr:
Busse (keine Gelenkwagen ) bis zum Koberg fahren lassen, dort wenden wäre doch möglich, für PKW Fischer oder Engelsgrube abwärts öffnen lassen !

Martin

schrieb am 08.07.2024 um 12.17 Uhr:
Ohne Konzept, ohne Sinn und Verstand, ohne öffentlichen Nutzen, ohne Rücksicht auf Verluste.

Wann hört dieser Unsinn endlich auf? Diese Verwaltung ist von einer jämmerlichen Inkompetenz, dass es alarmierend ist.

Und die Menschen wählen weiter schön stumpf Grün. Das kannste keinem mehr erklären.

Oliver

schrieb am 08.07.2024 um 12.47 Uhr:
@Martin:

Liegt vielleicht daran, dass der Stadt und der Bürgerschaft sich lieber um die stille Mehrheit kümmert, statt um die 5-10 Leute, die sich immer wieder über die selben Dinge im HL-Live Kommentarbereich beschweren.


@Autofahrer:

Klar, mehr Parkplätze in der Innenstadt, damit man bei den ganzen SUVs in den engen Straßen garnicht mehr vorbeikommt und kostenlos damit dann alles von Nicht-Anwohnern zugeparkt ist. Du hast echt Sorgen....
Und selbst mit Anwohnerausweispflicht ist die Innenstadt schon viel zu sehr verstopft mit Stehfahrzeugen. Fahr halt Bus, es gibt kein Anrecht aufs Autofahren.

Andreas

schrieb am 08.07.2024 um 13.38 Uhr:
In Travemünde fährt doch die Bimmelbahn für Touristen. Die kann man doch sicher für die Wintermonate in Lübeck einsetzen ;-)

Autofreund

schrieb am 08.07.2024 um 14.18 Uhr:
Den Klimanotstand ausrufen, Klimaneutral werden wollen aber kilometerlange Umwege für den KfZ-Verkehr schaffen...
Typisch für verlogene, grüne Doppelmoral.

Autofahrer

schrieb am 08.07.2024 um 15.11 Uhr:
# Oliver, Sie sind da aber falsch gewickelt, natürlich gibt es ein Recht auf Auto fahren, freie Fahrt für freie Bürger. SUV Parkplätze braucht es sehr wohl dringend, und das natürlich kostenlos. Ich besitze solche Fahrzeuge und habe wegen der Größe ständig Probleme einen angemessen Parkplatz zu finden. Das muß aufhören.

Manfred Vandersee

schrieb am 08.07.2024 um 16.45 Uhr:
Die Verkehrsinfrastruktur verfällt in Lübeck oder wird durch Immobilitätspolitik aus niederen Beweggründen verschlechtert, aber für Prestigeobjekte, die außer einer Minderheit kaum jemand will, wird viel hart erarbeitetes Geld sinnlos verschleudert.

Justin_Time

schrieb am 08.07.2024 um 16.49 Uhr:
@Autofahrer
SUV - also ein Geländefahrzeug in der Altstadt! Finde den Fehler!

Wer sich solch ein Fahrzeug zulegt, MUSS doch wissen, welche Probleme es mit sich bringt.

Ganz einfach: SUV aufs Land, PKW in die Stadt.

Wer das noch nicht begriffen hat, da gibt es wohl keine Hoffnung mehr...

Lübecker

schrieb am 08.07.2024 um 18.16 Uhr:
J. Gerwien Diese Streckenführung über die Falkenstraße,Kanalstraße und Untertrave ist nicht möglich, wegen der maroden Hüxtertorbrücke und der damit verbunden Gewichtsbeschränkung (12T) bzw. eingeschränkter Fahrbahnbreite.
Der Stadtverkehr führt nur das Angebot aus, was von der Stadt beauftragt wurde.

Die Idee mit dem Taxi ist einfach nur Teuer und größtenteils unsinnig.

Ein über 12 Tonnen schweren Bus, über den Koberg zuschicken ist doch der Wahnsinn.
Da wird mehr kaputt gefahren, als das es nützt. Man bedenke die Anwohner und das Kopfsteinpflaster und die evtl. alte Kanalisation.

J.Gerwien

schrieb am 08.07.2024 um 20.06 Uhr:
@Lübecker: komisch, dass der Open-Air Bus da stündlich rüber darf - der liegt auch über 12t. Und bei der Rehderbrücke steht das gleiche Schild 12t mit der Ausnahme „Linienverkehr frei“. Da ist sicher Handlungsspielraum, man muss nur wollen. Und was andere hier meinen: nein, ein 12m-Bus fährt am Koberg nicht mal eben um den Pudding, weil der Platz nicht da ist.

Da wäre statt nicht existenter Kleinbusse dort doch wenigstens eine Linie, die Hansemuseum und Untertrave anbindet, besser als nix.

Aber stattdessen so eine Achselzucken-Aktion, weil man die rechtzeitige Planung der Alternativen verpennt hat und sich jetzt ganz spontan drauf vorbereiten muss. Der ÖPNV Auftraggeber Hansestadt Lübeck sieht hier grad ein bisschen sehr alt aus.

Oliver

schrieb am 09.07.2024 um 09.27 Uhr:
@Autofahrer:

Falsch, es gibt kein Anrecht aufs Autofahren. Würde theoretisch von einem Tag auf den anderen die komplette Innenstadt autofrei werden, also keine Parkplätze mehr, nur noch Fußgängerzonen und Fahrradstraßen, dann hättest du selbst als Anwohner sofern keine Zufahrt für Autos besteht, kein Anrecht drauf Auto zu fahren.
Du kannst gerne nen Führerschein machen und auch das Auto außerhalb der autofreien Zone parken und da genüßlich jeden Tag hinlaufen oder mit dem Bus/Rad hinpendeln, aber niemand hat das Anrecht vor der Haustür parken zu können. Gibt es keine Parkplätze und gibt es keine baulichen Abstellflächen wie Parkhäuser oder Tiefgaragen, hast du auch als Anwohner Pech gehabt und musst dich dementsprechend anpassen.

Die Niederlande sind ein gutes Beispiel dafür, wo Autos weitestgehend aus den Städten verbannt worden sind. Und dort überleben die Anwohner auch alle und vor allem kannst du dich da frei als Fußgänger oder Radfahrer bewegen ohne laufend auf Autos aufpassen zu müssen um nicht umgenietet zu werden.

Carrie

schrieb am 10.07.2024 um 05.51 Uhr:
Mich würde wirklich sehr interessieren, wie die Stadt Lübeck ihren Haushalt plant, sodass es für solche Ideen (Taxi-Shuttle) sowohl ein Budget, als dann auch noch Zuspruch gibt.

Allen kommen doch grundsätzliche Fragen in den Sinn, wie:

1. Wie viele Menschen sind davon betroffen? (Alle Anwohner, nur körperlich eingeschränkte)
2. Welche Distanzen sind zurück zu legen?
3. Welcher Zeitraum ist angesetzt? (Tage, Monate, Jahre) - soll / ist
4. Welche Transportmittel kommen in Frage hinsichtlich Anzahl und Kapazität? (Limo-Service, Rickscha, Kleinbusse, Taxi, Bimmelbahn)
5. Lohnt es sich eine Stelle zu schaffen?
6. Gibt es feste Abfahrzeiten, Ziele, Zwischenstops?
7. Welche finanziellen Mittel stehen überhaupt zur Verfügung oder werden zusätzlich geschaffen?
8. Gibt es Ausschreibungen?
9. Werden Angebote von Anbietern eingeholt, analysiert und verglichen?
10. Kann sich ggf. auch eine Nachbarschaftshilfe organisieren?

Sind nach Klärung all dieser Fragen Taxis wirklich die effizienteste und ressourcenschonenste Alternative?

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