Unabhängige Volt-PARTEI: Bürgermeister befördert Abriss von Industriedenkmal

Lübeck - St. Gertrud: „Bürgermeister befördert Abriss des Industriedenkmals F-Bau im Glashüttenweg“ titelt die Fraktion „Unabhängige Volt-PARTEI“ in einer Mitteilung. „Das Verhalten des Bürgermeisters befördert den Abriss des Denkmals“, beschuldigt darin Detlev Stolzenberg (Unabhängige) den Lübecker Bürgermeister Jan Lindenau (SPD).

Wir veröffentlichen die Mitteilung der Fraktion „Unabhängige Volt-PARTEI“ im Wortlaut: („) Der Vorsitzende des Ausschusses für Kultur und Denkmalpflege, Detlev Stolzenberg (Unabhängige) bedauert die Abrissgenehmigung des seinerzeit spektakulären Industriebaus von 1934 aus der Epoche des 'Roten Bauhaus' im Glashüttenweg 33-35: "Obwohl die Denkmalschutzbehörde die Sanierungsfähigkeit bestätigt und keine unabhängige Überprüfung der wirtschaftlichen Zumutbarkeit des Erhalts erfolgt ist, wurde der Abriss im Februar genehmigt. Denkmalschutz hat in Lübeck keinen besonderen Stellenwert."

Da die Denkmalschutzbehörde den Ausschuss für Kultur und Denkmalpflege bisher nicht informierte, bat Ausschussvorsitzender Stolzenberg um Akteneinsicht. "Aus der Aktenlage ergibt sich ein Intervenieren des Bürgermeisters: Wiederholte Nachfragen zum Bearbeitungsstand beim Leiter der Denkmalpflege. Auf den Hinweis des Leiters der Denkmalschutzbehörde, dass für die Beurteilung der wirtschaftlichen Zumutbarkeit des Erhalts ein unabhängiges Gutachten zielführend sei, erwidert der Bürgermeister, wie lange das alles dauern soll und dass es langsam politisch werde. Dieser Hinweis bedeutet nichts anderes, als dass die Angelegenheit in den Augen des Bürgermeisters nicht mehr Sache des Handelns seiner Verwaltung ist, sondern vielmehr von ihm 'politisch' – also nach seinen Vorstellungen – zu entscheiden sei. Ein Monat später wurde der Abriss genehmigt, ein unabhängiges Gutachten wurde nicht eingeholt. Das Verhalten des Bürgermeisters befördert den Abriss des Denkmals."

Begründet wird das Ansinnen mit der Behauptung, dass das Neubauvorhaben ein für die Hansestadt Lübeck überragend wichtiges Ansiedlungsprojekt sei. Sollte kein Abriss erfolgen würde sich das Unternehmen im Umland ansiedeln. Gewerbesteuereinnahmen gingen Lübeck verloren. Das darf indes bezweifelt werden.

“Diese Begründung ist sachfremd und nichtzutreffend. Bei den Neubauvorstellungen handelt es sich um ein riesiges Logistikzentrum mit 60.000 m² versiegelter Fläche und einer 35.000 m² großen Halle, so groß wie sieben Fußballfelder. Es wird also im Wesentlichen sehr viel Fläche verbraucht, weshalb solch eine Ansiedlung auch nicht in eine dermaßen zentrale und integrierte, aber verkehrlich wenig leistungsfähige Lage gehört – im Gegenteil. So etwas darf, wenn überhaupt, nur in unmittelbarer Nähe einer Autobahnanschlussstelle entstehen. Das Logistikzentrum nutzt weder die direkte Lage am Hafen noch den alten Gleisanschluss am Glashüttenweg. Stattdessen findet ausschließlich ein Lastwagen-Betrieb statt. 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche soll der gesamte Schwerlastverkehr über die Einsiedelstraße, die Neue Hafenstraße, die Luisenstraße und den Glashüttenweg rollen. Verkehrsplanerischer Irrsinn.”

Frank Heidemann, der für die Unabhängigen lange Zeit im Aufsichtsrat der KWL mitgearbeitet hat, schlägt einen Standort für das Logistikzentrum an der Autobahn vor: "Auf dem aufgegebenen Kleingartengelände, direkt am Autobahnanschluss in Buntekuh, plant die KWL ein Gewerbegebiet mit 10 Hektar Fläche. Es wird höchste Zeit, dass das Gelände geräumt wird und für Betriebsansiedlungen genutzt werden kann.“ („)

„Das Verhalten des Bürgermeisters befördert den Abriss des Denkmals“, meint Detlev Stolzenberg (Unabhängige). Foto: Archiv

„Das Verhalten des Bürgermeisters befördert den Abriss des Denkmals“, meint Detlev Stolzenberg (Unabhängige). Foto: Archiv


Text-Nummer: 167015   Autor: UVP/red.   vom 09.07.2024 um 13.37 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf X (Twitter) +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.

Text kommentieren.


Kommentare zu diesem Text:

Ingo1962

schrieb am 09.07.2024 um 15.17 Uhr:
Da darf man den Anwohnern an den genannten Straßen herzlich gratulieren. Endlich kommt Leben in die Bude! :-(

Paula

schrieb am 09.07.2024 um 16.38 Uhr:
Lübecks Bürgermeister ist hier völlig fehl am Platze. Er passt als Bürgermeister besser in eine Retortenstadt.

Justin_Time

schrieb am 09.07.2024 um 16.49 Uhr:
Der Denkmalschutz hat einen viel zu hohe Stellenwert. Jede olle Mülltonne wird ja zum Denkmal. Da kann der Schuss schnell nach hinten losgehen.

MatthiasG.

schrieb am 09.07.2024 um 17.06 Uhr:
Wenn man das denn auch mit dem alten Schlachthof machen würde...

Man muss sich auch mal trennen können...

Normal

schrieb am 09.07.2024 um 17.12 Uhr:
Warum noch weiterhin Flächen mit Warenverteilzentren versiegeln wenn die Agenda der "Eliten" den gänzlichen Abriss unserer Heimat bereits eingeleitet haben. Wenn keine Firme dann keine Arbeit dann auch keine Ware mehr.
Das Kleingartengelände Buntekuh sollte zur Naturlandschaft wie bereits erfolgt bei der Humboldwiese und im Herrengarten.
Der Vorteil des politischen Abwirtschaftens ist die Hoffnung für die Natur. Niemand hat die Absicht weiterhin Firmen zu bauen.

Hannes

schrieb am 09.07.2024 um 21.01 Uhr:
Denkmalschutz? Ruine würde besser passen und der Raum in ist auch in Lübeck begrenzt. Da muss ich dem Bürgermeister , wenn auch ungern auch mal zustimmen.

Hilde Jansen

schrieb am 10.07.2024 um 00.45 Uhr:
Na ja, wenn man den Denkmalschutz als einen Feind der Wirtschaftsförderung sieht, heißt das, dass man in dem Denkmuster alter Zeiten festgerostet ist. Längst gibt es in mehreren Städten Belege, dass Wirtschaft und der Erhalt alter Gebäude sich durchaus nicht ausschließt. Schon mal was von Umnutzung gehört??? Auch kleinere Gewerbe bzw. mehrere Gewerbe in den alten Gebäuden in dem Glashüttenweg bringen Steuern ein! Und man könnte an einer Autobahnanschlussstelle immer noch eine größe Firma anssiedeln. Der Schwerlastverkehr in Karlshof u.a. durch bewohnte Straßen würde auch eine Vermischung von Wohn- und Gewerbegebiet bedeuten. Ob das juristisch anfechtbar ist? Und es würde zu einer gewaltigen Belastung der Anwohner führen. Ein einziger Schwachsinn unserer Bürgermeisters! Aber die Firmen, die in den vergangenen Jahren das Gebäude haheben verfallen lassen, es wurde von der Stadt bequem so hingenommen. Lassen wir das Gebäude einfach verkommen - so schafft man Fakten für den nächsten Kulturvandalismus. Ach ja, man könnte ja es nochmal mit dem Holstentor probieren. Kostet ja auch nur Geld, und was könnte man da für ein schickes großes Hotel hinbauen, Herr Bürgermeister...

Barny

schrieb am 10.07.2024 um 23.34 Uhr:
Genau so sollte man mit der Hubbrücke verfahren!
Abreißen und Neubau!

Bernd Feddern

schrieb am 11.07.2024 um 20.20 Uhr:
Jeder macht gern das, was er kann.
Hier der BM: Nach seinen Reklame-Fotos auf einem Bagger sollen diese nun auch beschäftigt werden. Also Abriss aller Orten! (ohne Sinn und Sachverstand)
Wie die Erfahrung mit dem BM zeigt, ist er kleinkindhaft stets bemüht, so viel kaputt zu machen, wie nur irgend möglich, möglichst unwiederbringliche Denkmäler.
Merke: Zerstörer gibt es bei der Marine, sie sollten aber nicht im Rathaus hausen.
Gut, dann also als Nächstes das Ratloshaus! Man kann dann dort ja lieber eine Betonstele hinsetzen - ist sinnvoller und billiger! Aber bitte kein Schottergarten!
Vor Allem nicht vergessen: jedes Jahr kürzen, die Dinger wachsen wie verrückt!

Please enable / Bitte aktiviere JavaScript!
Veuillez activer / Por favor activa el Javascript![ ? ]