Abgeordneter vor Ort: Apotheken in Not

Lübeck: Der Lübecker Bundestagsabgeordnete Tim Klüssendorf (SPD) befindet sich im Dauerlauf durch etliche Apotheken, die sich jetzt in ihrer Not auch an die Volksvertreter in Berlin wenden. Hier in Lübeck hatte ihn Apotheker Rudi Alisch aus der Mühlenstraße in seinen modernen Betrieb geladen, um dem Abgeordneten einmal direkt vor Ort die hochkomplexe Problematik zu erläutern, der die Apotheken im täglichen Betrieb ausgesetzt sind.

Eingefunden zu diesem Termin hatte sich auch Hans-Günter Lund, der Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Apothekerverbandes, der im fernen Nordfriesland eine Apotheke mit ländlich geprägtem Klientel betreibt. Ob nun Stadt oder Land, für alle Betriebe wird es unter den derzeitigen Rahmenbedingungen immer schwerer, die Versorgung der Bevölkerung auf einem hohen fachlichen Niveau aufrechtzuerhalten. Es wurde im Gespräch deutlich, dass der Beruf des Apothekers weit mehr ist, als Schachteln mit Medikamenten über den Verkaufstresen zu reichen.

Hans-Günter Lund hob insbesondere das vertrauensvolle Gespräch über Wirkungen und Nebenwirkungen hervor, das dem Patienten ein sicheres Gefühl beim Leben mit notwendiger Medikation gibt. Die Probleme, die dann hervorgehoben werden, ähneln denen in vielen anderen Branchen. Komplizierte und hochkomplexe Verfahrensabläufe, die von den Betroffen oftmals überhaupt nicht mehr durchschaut und vernünftig bewältigt werden können, überbordende Bürokratie und unzureichende Vergütung von Leistungen. Rudi Alisch rechnete vor, dass bei bestimmten komplexen Leistungen der Nettogewinn weit unter den Anfahrtskosten eines Handwerkers liegt. Der allseits vorherrschende Fachkräftemangel ist ein weiteres Problem. Ein Drittel der jungen Apotheker ist männlich, gegenüber zwei Drittel Apothekerinnen, bei denen Familie und Beruf in höherem Maße miteinander zu vereinbaren sind. Wenn es nun in der kommenden Reform die "Apotheke light" geben wird, in der klassische Pharmazeutinnen gar nicht mehr beschäftigt werden müssen, sieht die Branche eine Erosion von Fachkräften vor sich, da viele Apotheken sich angestellte Apothekerinnen dann nicht mehr leisten können. Tim Klüssendorf hörte sich in diesem Zusammenhang aufmerksam die Ausführungen der in der Mühlenstraße angestellten Apothekerin Anne Schmieder an.

Viele Apotheken verfügen daher nicht mehr über die Mittel, den immer komplexer werdenden Vorschriften weiter zu genügen und geben daher aufgrund ökonomischer Zwänge einfach auf. Hans-Günter Lund berichtete, dass allein im vergangenen Jahr 27 Apotheken in Schleswig-Holstein ihre Lizenz zurückgegeben haben. "In diesem Jahr sind es bisher zehn, und ich weiß von weiteren fünf bei denen die Entscheidung kurz bevorsteht", gab er leicht verbittert zu Protokoll.

Es muss also etwas passieren und von der Politik erhofft man sich Lösungen. Tim Klüssendorf wird daher in Berlin erst einmal das Gespräch mit den entsprechenden Referenten im Ministerium suchen, denn das anstehende Gesetz befindet sich noch in der parlamentarischen Abstimmung. Das da etwas schief läuft hat er selbstverständlich bemerkt.

Wie eingangs gesagt, er befindet sich apothekentechnisch im Dauerlauf. Direkt nach dem Termin in der Mühlenstraße holte er sich in der Moltke-Apotheke bei Apotheker Wolf Menken weitere Eindrücke von der kriselnden Apothekenlandschaft ab, die er dann bei nächster Gelegenheit in Berlin vortragen wird.

Im Original-Ton hören Sie ein Interview von Harald Denckmann mit Hans-Günter Lund, Rudi Alisch und dem Bundestagsabgeordneten Tim Klüssendorf.

Fachlich beraten von Hans-Günter Lund, Rudi Alisch und seinen Apothekerinnnen bekam Tim Klüssendorf seine verschriebene Salbe. Foto, O-Ton: Harald Denckmann

Fachlich beraten von Hans-Günter Lund, Rudi Alisch und seinen Apothekerinnnen bekam Tim Klüssendorf seine verschriebene Salbe. Foto, O-Ton: Harald Denckmann


Hier hören Sie den Originalton:

Text-Nummer: 167048   Autor: Harald Denckmann   vom 10.07.2024 um 15.34 Uhr

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