Travemünde: Bürger leiden unter hohen Parkgebühren
Lübeck - Travemünde: Archiv - 12.07.2025, 18.01 Uhr: Was der Tourist vielleicht noch zähneknirschend hinnimmt, weil er ja irgendwann wieder abfährt, das hat der Einheimische jeden Tag: In diesem Fall die Parkgebühren. Travemünde traf es mit 3,30 Euro pro Stunde (vorher 1,20) und zwölf Euro pro Tag (vorher vier Euro) besonders hart. Im Ortsrat beschwerte sich jetzt eine Einwohnerin über den Verlust an Lebensqualität. Der Stadtpräsident stellte eine Lösung in Aussicht.
„Normales Leben in Travemünde nicht mehr möglich“
Am Dienstag hätte sie Glück gehabt, erzählte eine Anwohnerin der etwas abseits gelegenen Ostseestraße in der Juli-Sitzung des Travemünder Ortsrates. Die Tourist-Information hätte schon um halb zehn aufgemacht und so konnte sie ihre Konzertkarte kaufen, ohne zusätzlich noch den Parkscheinautomaten zu füttern. Was inzwischen ja „richtig Geld“ koste. Ihre Frage an die Politik: Wie gestaltet sich das Leben für Menschen, wenn sie für jede Kleinigkeit des täglichen Lebens, etwa einen Friseurbesuch, so hohe Parkgebühren zahlen müssen. „Irgendwie muss ich immer ganz viel Geld dafür auf den Tisch packen“, meinte die Bürgerin. Ein normales Leben sei in Travemünde so gar nicht mehr möglich.
Stadtpräsident spricht von Anwohner-Parken
Daraufhin meldete sich Stadtpräsident Henning Schumann zu Wort und gab der Bürgerin recht. Schumann sprach von einer „Extrem-Erhöhung“, die er als Travemünder beim Einkauf und auf dem Weg ins Café auch erlebe. Dann sei man ganz schnell mit 6, 7 oder 8 Euro dabei. „Da zuckt man schon zusammen“, so Schumann. Die Lösung: „Wir brauchen in bestimmten Bereichen so etwas wie Anwohnerparken“, so der Stadtpräsident. „Meinetwegen mit einer Jahresgebühr für alle.“ In die Richtung könne es gehen, müsse es aber nicht.

„Da zuckt man schon zusammen“, meint Stadtpräsident Henning Schumann zu den Parkgebühren, die sich auch auf den Alltag der Bürger auswirken.
Bürgermeister ist verantwortlich
Zwar sei die Erhöhung notwendig, meinte Stadtpräsident Henning Schumann im Ortsrat und verwies auf die hohen Parkgebühren im Umkreis, etwa dem benachbarten Seebad Timmendorfer Strand. „Wir mussten da auch nachziehen“, meinte er. Allerdings: „Wobei der Bürgermeister das natürlich extrem gemacht hat.“ Offenbar im Alleingang: „Da hatten wir kein Mitsprachrecht von den Höhen her“, so Schumann.
„Touristen parken alles zu“
Die Frage sei in Travemünde, wie man den Parkdruck durch die Touristen aus den Wohngebieten rausbekomme. „Denn die parken uns Bewohnern ja alles zu“, meinte Stadtpräsident Henning Schumann. Das sei seit Jahren immer an einigen Wochenenden so. Damit müsse man im Seebad auch leben. „Wir sind nun mal ein wunderschöner Touristenort“.
Belastung für Geringverdiener
Eine Bürgerin verwies im Ortsrat noch darauf, dass die hohen Parkgebühren auch für Menschen mit geringem Einkommen ein Problem seien, wenn sie nach Travemünde pendeln. Stadtpräsident Henning Schumann stimmte zu und nannte als Beispiel eine Mitarbeiterin in einem Lokal, die geringfügig beschäftigt sei. Von ihren 500 Euro im Monte lasse sie dann mehr als die Hälfte an Parkgebühren da. „Das funktioniert ja vorne und hinten nicht, da brauchen wir eine Lösung“, so Schumann.
Haste mal Kleingeld?
Die Gebührenerhöhung belastet nicht nur die Portemonnaies der Autofahrer: Politiker hatten im Vorfeld der Gebührenerhöhung befürchtet, dass sich dadurch der Parkdruck auf Anwohnerstraßen erhöhen werde. Ob dieser Effekt eintritt, wird sich jetzt in der Hauptsaison zeigen. Zudem wurde das Pferd ein wenig von hinten aufgezäumt: Viele Automaten sind noch gar nicht für Kreditkartenzahlungen gerüstet. Es hat jedoch in Zeiten rückgängigen Bargeld-Umlaufs kaum jemand so viel Silbergeld dabei. Das führt bereits jetzt dazu, dass beispielsweise in den Geschäften am Fährplatz vermehrt nach Wechselgeld gefragt wird, um die veralteten Automaten mit Münzgeld zu füttern.

Ali Alam verfolgte mit Interesse die Parkausweis-Diskussion.
Einer hat es schon immer gewusst
Im Publikum der Sitzung saß auch Ali Alam aus Travemünde und zeigte sich erfreut: Er hatte bereits im Jahre 2019 eine Park-Plakette für Travemünde gefordert, um das Seebad vor dem Verkehrs-Kollaps zu retten. Ein entsprechender Antrag ging damals nicht durch, aber Alam verfolgt die Idee bis heute, brachte sie zuletzt bei der „Travemünder Runde“ ein. Da sprach man sich beim Treffen im Juni dafür aus. Und verwies auch auf das Beispiel Heiligenhafen, wo jeder Anwohner einen Jahres-Parkausweise für 30 Euro kaufen könne.

Höhere Parkgebühren, geringere Lebensqualität? Laut Stadtpräsident ist ein Anwohnerparken für Travemünde als Lösung im Gespräch. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 173906 Autor: Helge Normann vom 12.07.2025 um 18.01 Uhr
