Lübeckerin will mit ihrer Crew über den Atlantik rudern

Lübeck: Archiv - 20.07.2025, 14.35 Uhr: Viele Wege führen in die Karibik. Der wohl anstrengendste ist der Seeweg, wenn er ausschließlich mit Muskelkraft als Antrieb zurückgelegt wird. Für genau diese Variante hat sich das deutsch-österreichische Team „Offshoare“ mit der Lübeckerin Jana Golz entschieden.

Die vierköpfige Frauencrew nimmt diesen Winter am „World's Toughest Row“ teil. Der weltweit härteste Ruderwettbewerb führt rund 2800 Seemeilen von der Kanareninsel La Gomera nach Antigua in der Karibik. Rund 40 Teams in unterschiedlichen Konstellationen gehen an den Start. Bei der 136. Travemünder Woche stellen die vier Ruderinnen ihr Projekt im TW-Forum-Talk vor, taufen ihr Boot und drehen damit eine Runde auf der Trave.

„Ich rudere über den Atlantik. Willst du mitkommen?“ „Klar!“ So verlief das Gespräch von Clara Düntsch (26) mit Jana Stahl (31), nachdem sie sich beim Ruderanfängerkurs kennengelernt hatten. Damit war eine dritte im Bunde gefunden. Zuvor war die Idee, über den Atlantik zu rudern, durch die TV-Dokumentation „Four Mums in a Boat“ über eine Frauencrew, die im Alter von 50 Jahren am „World's Toughest Row“ teilgenommen hat, bei Jana Stahl und Jana Golz (33) entstanden. „Das machen wir auch, wenn wir mal 50 sind“, nahmen sich die beiden Janas, die sich im Studium kennengelernt hatten, vor. Kurz darauf beschlossen sie aber, dass sie das Projekt nicht auf die lange Bank schieben wollen.

Nachdem mit Clara Düntsch schon ein Trio zusammen war, stieß per Online-Aufruf die Österreicherin Christiane Kienl aus Graz dazu. Sie brachte als einzige der vier Frauen intensive Vorerfahrung im Rudern mit. In Großbritannien hat sie schon Rennen im Ruderachter bestritten. Ihre drei Mitstreiterinnen rudern allesamt erst seit 2022. Der Teamname „Offshoare“ war schnell gefunden und ist ein Wortspiel aus „offshore“, also abseits der Küste, und „oar“, dem englischen Begriff für Ruder.

Nachdem der Entschluss zur Rennteilnahme gefallen war, haben die vier Frauen viele Stunden gemeinsam in ihrem Boot verbracht und Rudererfahrung gesammelt. „Einmal im Monat haben wir uns in Travemünde zum Rudern getroffen und waren bei unterschiedlichsten Bedingungen und auch mal 52 Stunden im Stück unterwegs. 200 Stunden Training sind von den Rennveranstaltern vorgegeben. Das haben wir längst erfüllt. Außerdem haben wir uns intensiv auf Notsituationen vorbereitet mit Kursen zu den Themen Sicherheit, Überlebenstraining und Erste Hilfe auf See. Seit der offiziellen Anmeldung zum Rennen steht fünfmal die Woche Sport mit einem Mix aus Kraft und Ausdauer auf dem Programm. Außerdem unterstützt uns eine Sportpsychologin im Hinblick auf die mentale Herausforderung“, sagt Jana Golz.

Viel Ruderexpertise kann das 2021 gebaute Ozean-Ruderboot, das die Frauencrew gebraucht für rund 70.000 Euro gekauft hat, vorweisen. Das unkenter- und unsinkbare Boot hat sich im Rahmen der „World's-Toughest-Row“-Rennen sowohl auf dem Atlantik als auch dem Pazifik bewährt. Beim Pazifik-Rennen belegte eine Frauencrew damit sogar Platz drei. „Das Boot ist mit der kompletten Technik einer Segelyacht ausgestattet, wie GPS, AIS, Kurzwelle, Satellitentelefon, Starlink, Rettungsinsel, Überlebensanzügen und weiteren Sicherheitsmitteln“, erklärt Golz. Das allerwichtigste Mittel in Sicherheit auf See sei allerdings ein ganz simples: „Über Bord gehen ist keine Option. Deshalb tragen wir durchgehend einen Gurt – auch beim Schlafen – und klinken uns am Boot ein, sobald wir die Kabine verlassen.“ Zur Bootsausstattung gehören zwei kleine Schlafkabinen, ein Gaskocher, ein Wasseraufbereiter und ein Eimerklo. Der Kurs wird per Fußsteuerung gehalten.

Ansonsten werden feste Routinen den Alltag der Frauen auf See bestimmen. Tagsüber rudern sie im Zwei-Stunden-Schicht-System: zwei Stunden rudern und zwei Stunden Pause im Wechsel. Nachts tauschen sie alle drei Stunden, um etwas mehr Schlaf zu bekommen. Wichtig ist ebenso die ausreichende Nahrungszufuhr. „Wir müssen täglich jede rund 4000 Kalorien zu uns nehmen, meist über Astronautentrockennahrung. Wir werden aber auch viel Snacks essen, schließlich soll es auch Spaß machen“, so Golz.

„Wir rechnen damit, dass wir zwischen 40 und 50 Tage unterwegs sind. Unser Ziel ist es, unter 50 Tagen zu bleiben. Wir sind aber nicht im Racing Modus unterwegs, sondern wollen die Atlantiküberquerung genießen und Pausen einlegen, wenn wir Walen oder Delfinen begegnen. Grundsätzlich ist es aber das Ziel, das Boot immer in Bewegung zu halten“, erklärt die Lübeckerin. Während der Atlantiküberquerung sammelt das Team zudem mit speziellen Messgeräten Daten für die Forschung.

Rund 170.000 Euro verschlingt das Ruderprojekt des „Offshoare“-Teams. Neben privaten Mitteln helfen Spenden und Sponsoren bei der Finanzierung. Für weitere Spenden und Unterstützungen sind die Ruderinnen dankbar. Gelder, die nicht für das Projekt benötigt werden, fließen in ein Sharkproject und ein Brustkrebs-Projekt. Alle Infos und Updates zum Ruderprojekt unter: www.offshoare-rowing.de und auf Instagram @offshoare.

Wer das Team „Offshoare“ live erleben möchte, hat bei der 136. Travemünder Woche Gelegenheit dazu. Am Freitag, 25. Juli, sind die Frauen noch mal beim TW-Forum-Talk auf der König Pilsener Bühne an der Nordermole zu Gast.

Jana Golz aus Lübeck (l.) und Jana Stahl aus Berlin taufen auf der TW ihr Boot. Foto Katrin Heidemann

Jana Golz aus Lübeck (l.) und Jana Stahl aus Berlin taufen auf der TW ihr Boot. Foto Katrin Heidemann


Text-Nummer: 174054   Autor: TW/red.   vom 20.07.2025 um 14.35 Uhr

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