Stresstest für den Hauptbahnhof: Lübeck kritisiert Bahn
Lübeck: Archiv - 22.07.2025, 12.10 Uhr: Mit dem Bau des Fehmarnbelttunnels wird der Eisenbahnverkehr stark zunehmen. Die Bahn hat deshalb mit einem Stresstest die Leistungsfähigkeit des Lübecker Hauptbahnhofes getestet. Die Stadt kritisiert das Ergebnis. Nach ihrer Ansicht wird sich im Regionalbereich der Schienenverkehr deutlich verschlechtern.Die "Eisenbahnbetriebswissenschaftliche Untersuchung" kommt zu dem Schluss, die geplante Infrastruktur sei ausreichend dimensioniert. Diese Bewertung steht jedoch aus Sicht der Hansestadt im klaren Widerspruch zu den tatsächlichen Verkehrsbedarfen: Die EBWU basiert zwar formal auf dem sogenannten Deutschlandtakt (D-Takt) – dem bundesweit abgestimmten Zielangebot des Schienenverkehrs –, berücksichtige dessen Inhalte jedoch nicht vollständig.
"Letztlich wurde das Zugprogramm des D-Takts reduziert und modifiziert, um rechnerisch auf ein noch stabiles Betriebsergebnis zu kommen", so die Stadtverwaltung. "Unter anderem soll die zur Zeit noch durchgehende Regionalexpress-Linie (RE) Kiel – Lübeck – Büchen – Lüneburg im Lübecker Hbf gebrochen werden. In der Relation Kiel – Lübeck sollen künftig zwei RE pro Stunde verkehren, der feinerschließende Regionalverkehr ab Lübeck, der auch kleinere Halte bedient – das heißt die künftige Regio-S-Bahn in Richtung Malente Nord – wurde jedoch kurzerhand gestrichen. Aus Sicht der Hansestadt Lübeck steht diese Streichung auch im deutlichen Widerspruch zu den verkehrs- und strukturpolitischen Zielen des Landes Schleswig-Holstein."
„Die EBWU simuliert einen für den Stresstest optimierten Fahrplan, indem sie geplante und erforderliche Zugverbindungen einfach nicht berücksichtigt – zulasten der Qualität des zukünftigen Zugverkehrs in Lübeck und der Region“, kritisiert Lübecks Bausenatorin Joanna Hagen.
Weitere methodische Vereinfachungen wie künstlich lange Standzeiten für den ICE Hamburg–Kopenhagen (bis zu 10 Minuten im Lübecker Hbf) oder großzügige Pufferzeiten für den Güterverkehr (bis zu 50 Minuten) verzerren nach Ansichten der Stadt das Bild zusätzlich.
Trotz dieser bereits reduzierten Annahmen weist die EBWU noch auf betriebliche Wartezeiten hin, die deutlich über dem DB-Schwellenwert für einen „erheblichen Engpass“ liegen – insbesondere im Abschnitt Lübeck – Bad Schwartau und im Südkopf des Lübecker Hauptbahnhofs. Hier treten dann immer noch systematische Blockierungen auf.
„Dass ein europaweit bedeutsames Projekt wie die Fehmarnbelt-Hinterlandanbindung ohne voll leistungsfähigen Knoten Lübeck geplant wird, ist nicht hinnehmbar“, erklärt Bürgermeister Jan Lindenau. „Der Stresstest legt offen, dass der Schienenknoten Lübeck den zukünftigen Anforderungen nicht gewachsen ist.“
Die Hansestadt Lübeck fordert daher schon seit Langem eine ganzheitliche Betrachtung des Knotens im Zuge der FFBQ-Hinterlandanbindung. Dies umfasst:
- den vollständigen drei- bis viergleisigen Ausbau im Abschnitt Lübeck – Bad Schwartau,
- kreuzungsfreie Ein- und Ausfädelungen in Richtung Travemünde, Büchen und Bad Kleinen
- sowie die verbindliche Berücksichtigung aller D-Takt-Elemente im künftigen Betriebsprogramm.
"Nur mit einer infrastrukturell realistischen Planung kann das Ziel einer nachhaltigen Verkehrsverlagerung auf die Schiene erreicht werden", meint die Verwaltung.

Die Stadt erwartet eine erhebliche Verschlechterung im Nahverkehr, wenn die Gleise in Lübeck nicht ausgebaut werden. Foto: HN/Archiv
Text-Nummer: 174087 Autor: Presseamt Lübeck/red. vom 22.07.2025 um 12.10 Uhr
