Zwei Tafeln des Maria-Magdalenen-Retabels wieder in Lübeck
Lübeck - Innenstadt: Archiv - 31.07.2025, 15.35 Uhr: Zwei bisher verschollen geglaubte Tafeln des Maria-Magdalenen-Retabels kehren durch einen Ankauf nach über 200 Jahren an ihren angestammten Platz zurück. Mit dieser Erwerbung erweitert das St. Annen-Museum seine Sammlung zugleich um zwei besonders bedeutende Malereien aus dem Œuvre Erhart Altdorfers.Dank der großzügigen Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Possehl-Stiftung, der Friedrich Bluhme und Else Jepsen-Stiftung sowie des Vereins der Freunde der Museen für Kunst- und Kulturgeschichte der Hansestadt Lübeck und einiger engagierter privater Spender ist die einmalige Chance der Rückführung der beiden Tafeln, die einstmals den linken Außenflügel des Retabels bildeten, ermöglicht worden.
Das Maria-Magdalenen-Retabel zählt zu den Hauptwerken spätgotischer Kunst in Lübeck. Es wurde im Jahr 1519 von den Schneidergesellen für die Lübecker Burgkirche in Auftrag gegeben und vereint qualitätsvolle Schnitzkunst mit fein ausgeführten Tafelmalereien. Die jetzt angekauften Tafeln schildern in sehr bewegten und durchdacht komponierten Szenen zwei Episoden des Lebens der Maria Magdalena: ihre Ankunft in Marseille und die Bekehrung eines Fürstenpaars.
Das Maria-Magdalenen-Retabel gilt als eines der kostbarsten und qualitätsvollsten Objekte des St. Annen-Museums. Es erzählt ausführlich die Legende der Stadtheiligen. Als Quelle für die Darstellungen ist das Lübecker Passional von 1492 zu nennen, also die spätere niederdeutsche Fassung der berühmten Sammlung von Heiligengeschichten, die Legenda aurea. Dabei werden unterschiedliche biblische Begebenheiten, in denen eine Maria Magdalena eine Rolle spielt, zu einer Legende miteinander verwoben. Maria Magdalena gilt als Lübecks Stadtpatronin, weil die Hansestadt an ihrem Patronatstag, dem 22. Juli 1227, in der Schlacht von Bornhöved siegte und sich damit von der dänischen Vorherrschaft befreien konnte.
Zwei weitere dieser Tafeln befinden sich seit 1941 im Allen Memorial Art Museum in Oberlin, Ohio (USA).

Die beiden Tafeln sind jetzt wieder im St.-Annen-Museum ausgestellt.
Text-Nummer: 174268 Autor: Museen/red. vom 31.07.2025 um 15.35 Uhr
