Ärzte informieren über Betrug und Enkeltrick
Lübeck: Archiv - 18.08.2025, 17.00 Uhr: Immer wieder werden besonders ältere Menschen mit betrügerischen Anrufen um ihr Hab und Gut gebracht. Das Problem: Senioren sind selten im Internet unterwegs. Warnungen erreichen sie oft nicht. Jetzt helfen die Arztpraxen in Lübeck. Gemeinsam mit der Polizei und der Opferhilfsorganisation Weißer Ring informieren sie über die Tricks der Betrüger.
Hautärztin Yvonne Frambach war sofort überzeugt, als der Weiße Ring ihr eine neue Initiative gegen Betrug an alten Menschen vortrug. "In meine Praxis kommen viele ältere Patienten, die Hautbehandlungen wegen zu hoher lebenslanger Sonneneinstrahlung benötigen." Und genau diese Altersgruppe wird auch immer wieder von Betrügern angesteuert, die ihnen auf vielfältige Weise versuchen, ihre lebenslang angesparten Rücklagen abzunehmen.

Bereits im Wartezimmer der Hautärztin werden die Patienten jetzt durch Informationsmaterial auf die bekanntesten Betrugsmaschen hingewiesen. Das geht vom berühmten Enkeltrick, in dem eine Notlage eines Verwandten vorgetäuscht wird, über betrügerische Diebstahlswarnungen in denen die Betrüger die Wertsachen abholen, um sie vermeintlich gegen Einbruch zu sichern, bis zu Anlagenbetrug, bei dem Superzinsen für windige Anlagenmodelle aufgeschwatzt werden. Wer den Betrügern sein Geld oder Schmuck oder Gold aushändigt, sieht die Wertsachen in der Regel nicht wieder.
Besonders lobend erwähnt wurde von den Fachleuten der neue Terminzettel der Praxis, der über den Weißen Ring und die Präventionsstelle der Polizei bezogen werden kann. Auf dem Block wird der nächste Untersuchungstermin für Patient oder Patientin notiert, den man sich am besten in die Nähe seines Telefons legen kann. "Achtung, Betrüger am Telefon" ist dort groß und deutlich zu lesen, und besonders ältere Menschen werden auf diese Weise immer wieder daran erinnert, dass vom Telefon auch Gefahren drohen können.
Auch Holger Dabelstein vom Weißen Ring Ostholstein wies noch einmal auf eine neue Broschüre seiner Organisation hin, die einen Notfallzettel mit klaren Hinweisen auf das Verhalten bei Schockanrufen oder Betrugsversuchen am Telefon enthält. Die Fachleute weisen immer wieder darauf hin, dass man sich nicht auf lange Gespräche mit unbekannten Anrufern einlassen sollte. Die Betrüger sind so geschult, dass sie es schaffen, geschockte Bürger zu Handlungen zu überreden, die sie bei nüchternem Verstand niemals begangen hätten.

Der Weiße Ring und die Präventionsstelle der Polizei werden daher zeitnah verstärkt Praxen gezielt ansprechen, sich an der Aufklärungsaktion zu beteiligen. Ärzte, die sich gern an der Aktion beteiligen möchten und Informationsmaterial auslegen wollen, können aber auch gern auf den üblichen Wegen Kontakt zu Polizei und Weißem Ring aufnehmen. Die Präventionsstelle der Polizeidirektion Lübeck ist unter 0451/131-1400 zu erreichen, der Weiße Ring Lübeck über die Mobilnummer 0151/55164811.
Im Original-Ton hören Sie Interviews von Harald Denckmann mit Hautärztin Dr. Yvonne Frambach, Silke Ziemann von der Präventionsstelle der Lübecker Polizei HL, der Leiterin des Weißen Rings in Lübeck, Birgit Stamer, Elke Ahlerich vom Weißen Ring Ostholstein, dem Leiter des Weißen Rings in Ostholstein Holger Dabelstein und Torsten Koop, Sicherheitsberater für Senioren bei der Polizei.

Ärzte, Weißer Ring und Polizei arbeiten bei der Verbreitung der Warnungen vor Betrügern zusammen. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann
Hier hören Sie den Originalton:
Text-Nummer: 174542 Autor: Harald Denckmann vom 18.08.2025 um 17.00 Uhr
