Sommer-Kampagne für den Erhalt der Bäderbahn
Ostholstein: Archiv - 20.08.2025, 17.17 Uhr: Der Landesverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD Nord), der Fahrgastverband Pro Bahn in Schleswig-Holstein und in Hamburg sowie die Allianz gegen die feste Fehmarnbeltquerung verleihen ihrer gemeinsamen Forderung für einen Weiterbetrieb der Bäderbahn (RB85) nach 2030 mit einer gemeinsamen Kampagne Nachdruck.Adressat der Forderung ist die Landesregierung Schleswig-Holstein, die für die Bestellung von Nahverkehr zuständig ist, und die Deutsche Bahn, die die infrastrukturellen Voraussetzungen für einen sinnvollen Weiterbetrieb anpassen muss. Ergänzend zur Neubautrasse zur festen Fehmarnbeltquerung.
In der Region zwischen Neustadt in Holstein und Bad Schwartau gibt es an vielen Orten Sammelstellen für Postkarten, auf denen Einheimische, Urlaubende und Kurgäste angeben können, warum für sie persönlich der Erhalt der Bäderbahn wichtig ist. Eine Online-Petition bei Campact unterstützt das regionale Engagement: www.baederbahn-2030.de. Eine Petition, die bereits in nur zehn Tagen über 5.000 Unterstützer gewonnen hat.
„Die Planungen der Vorhabenträger fokussieren den Personenfernverkehr sowie Güterverkehre“, so Stefan Barkleit vom Fahrgastverband Pro Bahn. „Durch den verengten Blick auf die Verbindung der Metropolregionen Hamburg und Kopenhagen gerät leider der kleinräumige Schienenverkehr unter die Räder – und das ist nicht im Interesse der Region Ostholstein."
Stefan Karstens vom VCD Nord ergänzt: „Mit dieser Kampagne wird die Region ihre Stimme erheben und ein deutliches Signal an die Landesregierung in Kiel senden, dass es die Bäderbahn auch in Zukunft geben muss!"
Die Initiatoren laden Gewerbetreibende, Vereine, Institutionen und die Politik vor Ort ein, sich der Kampagne anzuschließen.
Die Bäderbahn RB 85
Laut Verkehrsverbund nah.SH wurde die RB 85 im Jahr 2023 von mehr als 1,4 Millionen Fahrgästen genutzt. Tendenz steigend. Damit ist die Bäderbahn eine der meistgenutzten Regionalbahnstrecken in Schleswig-Holstein. „Für die Menschen in Timmendorfer Strand, Scharbeutz, Haffkrug, Sierksdorf und Neustadt ist die bestehende Bahnstrecke die schnellste Verbindung zwischen den Orten sowie in die nahe Großstadt Lübeck – eine wichtige Pendelstrecke“, so die Initiatoren in einer Mitteilung. „Ein relevanter Faktor im Sinne der Verkehrswende. Insbesondere für das Ziel des Landes SH, bis 2040 klimaneutral zu sein“.
Die Schienenanbindung zum Ostseetunnel
Mit Fertigstellung der Neu- und Ausbaustrecke zur FFBQ sollen auf der Bestandstrasse der Bäderbahn keine Züge mehr verkehren. Die bestehenden Bahnhöfe in Scharbeutz und dem Ortsteil Haffkrug würden nicht mehr bedient. Es entstünden Neubauten entlang der Neubautrasse, die parallel zur Autobahn A1 verläuft. Auch in der Gemeinde Timmendorfer Strand soll der ortsnahe Bahnhof entfallen und werde durch einen gemeinsamen Bahnhofsneubau mit der Gemeinde Ratekau ersetzt. Die Erreichbarkeit dieser Haltepunkte soll durch Busverkehre, Schienenersatzverkehre oder das eigene Auto möglich sein. „Das wird aufgrund des hohen Fahrgastaufkommens und des schon jetzt, gerade in der Ferienzeit, deutlich überlasteten Straßennetzes nicht funktionieren“, so die Initiatoren.
Chancen nutzen, bessere Lösungen finden?
Die ursprüngliche Fertigstellung der gesamten Schienenhinterlandanbindung war für 2029 geplant. Jetzt wurde bekannt, dass sich allein die Fertigstellung der Fehmarnsundquerung (FSQ) mindestens bis 2032 verzögert. „Diese Verzögerung hat den großen Vorteil, dass sich Vorhabenträgerin DB und das Land Schleswig-Holstein mehr Zeit nehmen können, um bessere Lösungen für alle Beteiligten - und Betroffenen - zu finden“, resümiert Bodo Gehrke von der Allianz gegen eine feste Fehmarnbeltquerung. Und das bitte in direkter Abstimmung mit den Gemeinden, deren Bürgern und der regionalen Wirtschaft. Im Juli hatten mehrere Bürgermeister der Region im Wirtschaftsausschuss des Landes eindringlich appelliert, neue Lösungen mit Akzeptanz in den Orten zu finden. Denn es gibt bessere Lösungen. Eine Verschwenkung der bestehenden Trasse (Bäderbahn) im Bereich Breitenkamp (Gronenberg) hin zur neuen Trasse ohne Weichenverbindung, um eine Trennung von Güter- und Personenverkehr zu gewährleisten. Inklusive der nördlichen Anbindung an den Abzweig Richtung Neustadt. Damit würde verhindert, dass in Haffkrug und Scharbeutz je zwei Bahnhöfe in geringer Entfernung zu den bestehenden entstünden. Entsprechende Stellungnahmen haben alle an der Sommer-Kampagne beteiligten Verbände im Zuge des laufenden Planfeststellungsverfahrens PFA 1.2 abgegeben.
Eine Bahnstrecke ohne Züge?
Die Trasse der Bäderbahn bleibt auf jeden Fall erhalten – auch wenn sie nicht genutzt wird. „Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist es widersinnig, eine Bahnstrecke betriebsbereit zu halten – aber keine Züge verkehren zu lassen“, so die Initiative. „Gleichzeitig würde der Weiterbetrieb der Bäderbahn für regionalen ÖPNV die Neubautrasse entlasten und leistungsfähiger für Fern- und Güterzüge machen. Das bedeutet auch, dass weniger Güterverkehre auf der Neubaustrecke in die Nacht verlagert werden müssen.“
Fazit: Verbindungen in der Region stärken
Im Interesse der Verkehrswende und erforderlicher Klimaneutralität plant die Stadt Lübeck eine Regio-S-Bahn, idealerweise über die bestehende Trasse der Bäderbahn. Für diese Planung sind Erhalt und Betrieb der Bäderbahn zwingend. Eine schnelle Schienenvernetzung der Metropolen macht nur Sinn, wenn auch die Region mitgedacht wird.

Die Bäderbahn sei auch eine wichtige Pendelstrecke in die Großstadt Lübeck, argumentieren die Initiatoren. Foto: Archiv/HN
Text-Nummer: 174568 Autor: Initiative/red. vom 20.08.2025 um 17.17 Uhr
