Hochgenuss: Musical Gala im Schuppen 6

Lübeck - Innenstadt: Archiv - 30.08.2025, 11.58 Uhr: Seit über zehn Jahren findet nach Beendigung der Operettensaison eine Musical-Gala im Rahmen der Lübecker Sommeroperette statt. So auch in diesem Jahr.

"Show Time“, so heißt es seit 2018 dann sechsmal hintereinander. Produziert vom Verein „Operette in Lübeck e. V.“ singen, steppen, tanzen und spielen sich in diesem Jahr unter der Leitung von Stefan Schmitz sechs Profi-Sänger und vier Profi-Tänzer in die Herzen des Publikums – alle Sänger sind auch tänzerisch geschult. Wie viele Musicaldarsteller ist auch Stefan Schmitz sowohl als Sänger wie auch als Tänzer ausgebildet, seine Vita weist beachtliche Stationen auf.

Die Musik kommt vom Band und wird von den verschiedensten Musikern und Orchestern ausgeliehen. Dass es sich bei dieser zehnköpfigen Truppe in der Tat um versierte Profis handelt, wurde dem Premierenpublikum am gestrigen Freitag sofort deutlich. Man hatte es allerdings auch erwartet, wie die hohe Besucherzahl zeigt. Und dann breitete sich im komplett ausverkauften Schuppen 6 ein wahres Wunderzauberwerk aus, das alle Geschmäcker bediente. Denn Musical ist nicht gleich Musical, auch hier gibt es schon verschiedene Epochen und Stile.

Es gibt die sogenannte Mainstream-Musik – sie gefällt einem breiten Publikum, ist leicht zugänglich und erreicht dadurch schnell große Popularität. Im Musical sind die Mainstream-Merkmale, dass es sich bei den inhaltlichen Themen um schon hinreichend bekannte Persönlichkeiten oder Ereignisse handelt, dass keine melodischen oder rhythmischen Besonderheiten angestrebt werden, oft ist es sehr laut und extrovertiert, was so mancher Musical-Liebhaber dann bedenklich findet, weil sich dann die Werke nicht mehr voneinander unterscheiden. Doch: Über Geschmack lässt sich schwer streiten und deshalb ist es nicht verkehrt, auch Ausschnitte zwei dieser Richtungen ins Programm aufzunehmen: „Elisabeth“ und „Titanic“ - beide werden ihren Protagonisten nicht gerecht, bleiben inhaltlich an der Oberfläche, mitunter hoffnungslos kitschig, mitunter grell und klingen sich sehr ähnlich. Umso mehr wirken dann die anderen Programmpunkte.

Nach einem temperamentvollen Entrée aus „Moulin Rouge“ erklingen Ausschnitte aus „Oklahoma“, „West Side Story“ (hier gibt Natascha Hill die Maria mit wunderbarem Schmelz in der Stimme). Spätestens bei „The Sound oft the Music“ brennt die Luft. Eine ausgeklügelte Lichtregie bringt die Zuschauer zum Mitklatschen, bei „Wicked - Die Hexen von Oz“ fällt Rebecca Schweizer auf, sie verfügt über einen bestens ausgebildeten Belcanto-Sopran. In „A Chorus Line“ steppt und singt sich der quirlige Stephen Dole in die Herzen des Publikums. Im „Grease-Medley“ erfreut der tief fundierte Bariton von Konradin Furian. Auch er hat schon ein großes klassisches Programm auf Lager.

An dieser Stelle muss die Choreografin Daniela Thiele erwähnt werden. Es ist nicht das erste Mal, dass sie durch ihren Einfallsreichtum, ihre Präzision und Stilsicherheit einer Aufführung den letzten Schliff gibt.

Durchs Programm führt gewandt und fröhlich Stefan Schmitz, der immer wieder seine tänzerischen Qualitäten zeigt und in einigen Solopartien glänzt unter anderem in „Das Phantom der Oper“. Bei „Addams Family“ zeigt Melanie Gebhard ihre ausgezeichnete Bühnenpräsenz und Natascha Hill steht ihr darin in nichts nach bei der ganz vorzüglichen Interpretation zweier Songs von Tina Turner. In der „Rocky Horror Show“ macht das Publikum alles: lachen, klatschen, singen, jubeln – nur tanzen, das traut sich keiner, so sehr Stephen Dole auch einheizt. Elisabeth Schmeißer gibt mit ganz brillanter Stimmführung einen weiteren Schmachtfetzen von Andrew Lloyd Webber zum Besten („Liebe stirbt nie“) bevor die ganze Truppe zum fulminanten Finale anhebt. Aus dem Musical über Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“ reißen drei der bekanntesten Hits „Schöne Grüße aus der Hölle“, das „Ehrenwerte Haus“ und „Heute beginnt Rest Deines Lebens“ das Publikum zu letzten Begeisterungsstürmen hin.

Der ganze Abend war in jeder Hinsicht ein künstlerischer Hochgenuss. Wie kommt man zu einer solchen gebannten professionellen Power? Eigentlich ganz einfach: Alle auftretenden Künstler stecken mitten in einer großen Karriere, sind in ihren Fächern an großen Häusern engagiert. Mit „Show time“ unter der Leitung von Stefan Schmitz überbrücken sie (und eindeutig mit großem Vergnügen) die Theater-Sommerpause. Die nächsten Aufführungen sind an diesem Wochenende jeweils um 14.30 Uhr, Mittwoch, 3. September, um 19 Uhr und am 6. und 7. September, wieder jeweils um 14.30 Uhr.

Künstlerischer Hochgenuss: Die Musical-Gala begeisterte das Publikum. Foto: Veranstalter

Künstlerischer Hochgenuss: Die Musical-Gala begeisterte das Publikum. Foto: Veranstalter


Text-Nummer: 174728   Autor: Svea Regine Feldhoff   vom 30.08.2025 um 11.58 Uhr

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