Mehr Beachtung für den Ehrenfriedhof

Lübeck - St. Gertrud: Archiv - 30.08.2025, 17.29 Uhr: Seit dem Jahr 1915 befindet sich am Sandberg der Lübecker Ehrenfriedhof. Außerhalb der wenigen offiziellen Anlässe findet er kaum Beachtung. Jetzt werden zumindest ein Pflegeplan erstellt und alle Daten online gestellt.

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Eine breite Mehrheit in der Bürgerschaft aus Grünen, CDU, SPD und FDP hatte das Thema im November vergangenen Jahres auf die Tagesordnung gebracht. Sie forderten unter anderem, das Ehrenmal „Helm ab zum Gebet“ des Künstlers Richard Emil Kuöhl auf dem Ehrenfriedhof zu sanieren. Die Verwaltung hat das Denkmal prüfen lassen. "Auch wenn das Denkmal innen marode sein möge, stehe das Denkmal fest", so das Ergebnis. Probleme bereite die umlaufende Mauer, die einsturzgefährdet sei. Sie muss dringend saniert oder abgerissen werden.

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Eine klare Ablehnung der Verwaltung gibt es für den politischen Wunsch, "eine einzelne, personenbezogene Prüfung, ob auf dem Ehrenfriedhof Persönlichkeiten oder Künstler geehrt werden, die in kolonialen Strukturen oder im 3. Reich eine Position innehatten oder aus anderen Gründen kritisch eingeordnet werden müssen". Das wäre aufwendig. Bei 1614 Gräbern seien die Namen bekannt und müssten überprüft werden. Bei weiteren 268 Grabmalen sind die Namen und Lebensdaten nicht vollständig bekannt. Den Aufwand schätzt die Verwaltung auf über 300.000 Euro. Das stehe im Missverhältnis zu den eingeschränkten finanziellen Möglichkeiten der Hansestadt Lübeck.

Aktuell wird ein Pflegeplan für den Ehrenfriedhof erarbeitet. Außerdem werden alle Denkmale erfasst. Nach Abschluss der Arbeiten, ist es vorgesehen, die Daten öffentlich zur Verfügung zu stellen.

Auf dem Gelände am Sandberg erinnern rund 1900 Grabstätten und Ehrenmale an die Soldaten und Zivilisten, die den beiden Weltkriegen zum Opfer fielen – darunter das "Grab des unbekannten Soldaten" und die Gräber derjenigen, die in der Bombennacht Palmarum 1942 starben.

Die Grundidee des städtischen Ehrenfriedhofs am Sandberg stammt von Harry Maasz. Er war von 1912 bis 1922 Leiter des Lübecker Gartenbauamts und bezeichnete sich selbst gerne als Gartenbaukünstler. Harry Maasz wurde am 29. August 1946 auf dem Ehrenfriedhof beerdigt. Es war die letzte Bestattung auf dem Gelände.

Auf dem Ehrenfriedhof werden alle Denkmale erfasst und die Daten öffentlich gemacht. Fotos: JW/Archiv

Auf dem Ehrenfriedhof werden alle Denkmale erfasst und die Daten öffentlich gemacht. Fotos: JW/Archiv


Text-Nummer: 174729   Autor: VG   vom 30.08.2025 um 17.29 Uhr

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