Tage der Kammermusik: Südamerikanische Lebensfreude

Lübeck - Schlutup: Archiv - 09.09.2025, 08.43 Uhr: Der Verein Perle e.V. als Veranstalter und der Konzertausschuss St. Andreas Schlutup hatten nach 2022 erneut zu den Schlutuper Kammermusiktagen eingeladen. Vom 5. bis zum 7. September folgten viele Musikbegeisterte diesem besonderen Kulturangebot in die akustisch hervorragende Fischerkirche!

Die jungen lateinamerikanischen Musiker, die charakteristische Musik aus ihrer Heimat präsentierten, stellten die Programme der drei Konzerte unter das Gesamt-Motto: „Musik verbindet“. Professor Dr. Bernd Redmann, Präsident der Musikhochschule Lübeck, übernahm die Schirmherrschaft über die Kammermusiktage. An der hiesigen Hochschule hatte etwa die Hälfte der Ausführenden studiert; sie leben alle in Deutschland, wo sie entweder in Orchestern oder im musikpädagogischen Bereich tätig sind. Die aus Venezuela stammende Bratschistin Erika Cedeño stellte als musikalische Leiterin der Schlutuper Kammermusiktage ein 13-köpfiges Ensemble aus den Heimatländern Venezuela, Mexiko, Ecuador, Peru und Chile zusammen. In ihrem einleitenden Text des informativen und von der Grafikerin Tanja Seltmann ansprechend gestalteten Programmheftes beschreibt Erika Cedeño das Credo dieser Kammermusiktage: „Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, ein Stück jener Kultur weiterzugeben, mit der ich aufgewachsen bin – unserer Traditionen, Klänge, Farben und Rhythmen. Diese Musik erzählt von unserer Geschichte, unserer Lebensfreude, unserer Liebe zur Natur und zum Leben. Sie spiegelt auch die Vielfalt wider, die unsere Identität prägt – eine Vielfalt, die harmonisch verbunden ist und uns mit der Welt in Beziehung setzt.“

Es begann mit einem gut besuchten Kinderkonzert, welches sich – moderiert von Javier Agustín León – der vielfältigen lateinamerikanischen Musik widmete: Kleine Geschichten über Traditionen, über die vielfältige Landschaft, Folklore und ihre spezielle Rhythmik sowie Mitmach- und Bewegungsaktionen mit Bodypercussion und bunten Tüchern begeisterten die Kinder. Dabei lernten sie spielerisch die verschiedenen Instrumente kennen. Nach einem etwas weniger gut besuchten zweiten Kammerkonzert „Harmonische Landschaften“ erfreute sich das Abschlusskonzert „Farben, Rhythmus, Seele“ am 7. September eines starken Publikumszuspruchs. Alle, die gekommen waren, wurden in dem mit Pause mehr als dreistündigen, aber durchwegs kurzweiligen Konzert reich beschenkt!

Das mit viel Sensibilität zusammengestellte Programm des Abschlusskonzerts brachte neben bereichernden lateinamerikanischen Komponisten-Entdeckungen auch Klassiker wie Heitor Villa-Lobos (hinreißend dargeboten: die berühmte „Cantilena“ aus seinen „Bachianas“) und Astor Piazzolla (hervorzuheben ist seine mit Verve gespielte unvergleichliche Polyphonie-Adaption in „Fuga y Misterio“). Außerdem konnte Sergio Sánchez, Professor für Oboe der hiesigen Musikhochschule, in seinem subtil instrumentierten Werk „Despojos“ außer seiner faszinierenden Interpretationskunst auch sehr feines kompositorisches Können zeigen. In seiner Musik zu einem Text von Gonzalo Mejias sang er eine ausdrucksstarke Erinnerung an die Befreiung Südamerikas von spanischer Kolonialherrschaft durch Simon Bolívar.

Die auf alle überspringende Lebensfreude und Vitalität des Programms erfuhr abschließend einen Höhepunkt mit afrokaribischen Liedern die der Tenor Javier Agutín León, begleitet vom gesamten Ensemble, sängerisch überaus eindringlich und durch sprechende Gestik und Mimik derart verständlich vortrug, dass keine Textübersetzung notwendig war. Die Begeisterung kannte keine Grenzen: Stehender Applaus für ein Konzert auf ganz hohem interpretatorischen Niveau! Allenthalben nur strahlende Augen: bei den glücklichen Ausführenden und ebenso beim Publikum! Die Hoffnung der musikalischen Leiterin, Erika Cedeño, dass die Musik uns tatsächlich verbindet und alle Herzen erreicht, hat sich vollkommen erfüllt!

Die 4. Schlutuper Kammermusiktage werden, wie Gunhild Heidermann vom Vorstand des Vereins Perle e.V. bei ihrer Verabschiedung des Publikums ankündigte, in drei Jahren stattfinden; in einem kurzen Nebensatz ließ sie die erhebliche Organisation und Arbeit anklingen, die mit der Realisierung derartiger Kulturveranstaltungen verbunden sind. Ohnehin darf man für das ehrenamtliche Engagement all der Vielen dankbar sein, die außer der privaten Unterbringung der Ausführenden während der Probenphase diverse andere Aufgaben übernommen haben. Hinzu kommt das finanzielle Engagement folgender Förderer und Stiftungen, die die 3. Schlutuper Kammermusiktage ermöglicht haben: Café Lenschow, Verein Perle e.V., Dräger-Stiftung, Possehl-Stiftung und Gemeinnützige Sparkassenstiftung zu Lübeck.

Das temperamentvolle Ensemble der 3. Schlutuper Kammermusiktage. Foto: Luis Aleman

Das temperamentvolle Ensemble der 3. Schlutuper Kammermusiktage. Foto: Luis Aleman


Text-Nummer: 174893   Autor: Michael Töpel   vom 09.09.2025 um 08.43 Uhr

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