Gedenktafel für die Flüchtlinge der Exodus

Lübeck - Kücknitz: Archiv - 10.09.2025, 14.27 Uhr: Am 08.09.2025 wurde in Kücknitz durch die Exodus-Gruppe eine Gedenktafel für das Lager „Am Stau“ enthüllt. Darüber berichtet der Gemeinnützige Verein Kücknitz (GMVK) in einer Mitteilung. Die Tafel befindet sich bei der Bushaltestelle Herrentunnel „Am Stau“ auf der Herreninsel, dort soll im Jahre 1947 ungefähr der Lagereingang gewesen sein.

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Der Bericht des GMVK: („) Am 7. September 1947 kamen 4.500 jüdische Überlebende des Schiffes Exodus in Hamburg an. Die britische Mandatsregierung Palästinas hatte ihnen in Haifa mit Gewalt den Zugang zum Hafen verwehrt und sie zurück nach Europa geschickt. Vom 8. September 1947 bis zum 5. November 1947 internieren die Briten 4.319 jüdische Flüchtlinge, die versucht hatten, nach Palästina einzuwandern, in den Lagern Pöppendorf in Waldhusen und im Lager „Am Stau“ auf der Herreninsel, im Rahmen der „Operation Oasis“.

2019 bekam Ebenezer-Deutschland, vertreten durch Hinrich Kaasmann, Kontakt zu einer
Besuchsgruppe von Überlebenden und Enkeln der Exodus-Flüchtlinge, die zum 72. Jahrestag der Ereignisse um das Flüchtlingsschiff Exodus (1947) nach Hamburg, Lübeck und Emden gekommen waren. Hieraus entwickelten sich persönliche Kontakte auch in Israel.

Itzak Rozmann (Sohn des Repräsentanten der Exodus-Flüchtlinge) plante zum 78. Jahrestag einen erneuten Besuch mit einer ca. 30-köpfigen Gruppe in Norddeutschland, der auch der Bürgermeister von Haifa, Yona Jahaw, angehört, sowie Dov Kaplan als Zeitzeuge. Er war mit 9 Jahren als Lagerinsasse mit seinen Eltern in Kücknitz interniert gewesen. Neben einem erneuten Besuch in Waldhusen am ehemaligen Standort des Pöppendorfer Lagers, war die Enthüllung einer Gedenktafel am ehemaligen Standort des Lagers „Am Stau“ auf der Lübecker Herreninsel, ein wesentlicher Besuchszweck.

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Die Enthüllung der Gedenktafel erfolgte leider ohne einen ebenbürtigen Vertreter der Stadt, adäquat zum Bürgermeister von Haifa, der Lübecker Bürgermeister ließ aus Termingründen eine Teilnahme absagen, nur der Stadtpräsident Henning Schumann übermittelte aus seinem Urlaub Grüße und bedauerte, nicht dabei sein zu können.

Das Lager Pöppendorf wurde noch bis Mitte 1950 als Durchgangslager für deutsche Flüchtlinge und Vertriebene genutzt, bevor es aufgelöst wurde. Es sind hier bis zu einer Million Flüchtlinge registriert, aufgenommen und weitergeführt worden. Kurz danach werden die Nissenhütten abgebaut; das Gelände wird wieder aufgeforstet und bald schon erinnert nichts mehr an die Ereignisse der Nachkriegszeit.

Die Geflüchteten der Exodus mussten dort fast drei Monate ausharren, bis die Briten sie nach Palästina ausreisen ließen. Ein Teil der Flüchtlinge ist in Lübeck sesshaft geworden. Es wurde im Stadtteil Lübeck-Kücknitz im Wesentlichen für sie, die Siedlung „Roter Hahn“ in dem Ortsteil Dummersdorf, gebaut.

Am 14. Mai 1948 wurde der Staat Israel gegründet, das britische Mandat über Palästina war Geschichte.

Diese Orte müssen als Erinnerungsorte auch in der Erinnerungskultur der Hansestadt durch Nennung und angemessene Ausgestaltung entsprechend ihrer Bedeutung, gewürdigt werden. In Waldhusen bietet sich die Errichtung eines Informationspunktes an, wie vom GMVK seit Längerem geplant und gefordert. („)

Am 08.09.2025 wurde in Kücknitz durch die Exodus Gruppe eine Gedenktafel für das Lager „Am Stau“ enthüllt. Fotos: GMVK

Am 08.09.2025 wurde in Kücknitz durch die Exodus Gruppe eine Gedenktafel für das Lager „Am Stau“ enthüllt. Fotos: GMVK


Text-Nummer: 174933   Autor: GMVK/red.   vom 10.09.2025 um 14.27 Uhr

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