Ausstellung: 30 Jahre Straßenmagazin HEMPELS
Lübeck - Innenstadt: Archiv - 11.09.2025, 15.48 Uhr: Seit 30 Jahren gibt es jetzt HEMPELS, das Straßenmagazin für Schleswig-Holstein. Zur Feier dieses runden Geburtstages tourt eine Fotoausstellung durch das Bundesland: Unter dem Titel „Menschen wie wir“ zeigt sie Aufnahmen des HEMPELS-Fotografen Holger Förster. Aktuell macht sie in der Lübecker St. Marien-Kirche Station.Im Rahmen dieser Ausstellung fand am Mittwoch, 10. September 2025, vor Ort ein gemeinsamer Abend mit der Diakonie Nord Nord Ost statt. „Wir sind seit der Gründung des Magazins eng verbunden und seit 2008 feste Kooperationspartner“, sagt Lutz Regenberg, Geschäftsbereichsleiter bei der Diakonie Nord Nord Ost und gleichzeitig Vorstandsmitglied bei HEMPELS. „Der Verkauf des Magazins in Lübeck wird von unserer Beratungsstelle für Menschen in Not in der Wahmstraße organisiert.“
Um die Menschen, die in der Beratungsstelle begleitet werden und teilweise HEMPELS in Lübeck und Umgebung verkaufen, ging es dann auch an diesem Abend. Lutz Regenberg sprach mit Mitarbeitenden und einem Klienten der Diakonie Nord Nord Ost über ihre Erfahrungen und Eindrücke. „Die Zahl der Wohnungslosen steigt in Lübeck immer weiter an“, sagte Friedemann Ulrich, Geschäftsbereichsleiter der Sozialen Hilfen. „Und wir kennen aktuell 30 bis 40 Personen, die tatsächlich auf der Straße leben – also nicht bei Freunden oder in einer Notunterkunft untergekommen sind. Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher sein.“ Hintergrund sei insbesondere, dass es zu wenig bezahlbaren Wohnraum gibt und Menschen, die wohnungslos, arbeitslos oder suchtmittelabhängig sind, auf dem Wohnungsmarkt gar keine Chance haben.
Hotte, der selbst wohnungslos war, meinte dazu: „Das bedingt sich dann auch gegenseitig – man findet keine Wohnung ohne Job und keinen Job ohne Wohnung. Man ist wirklich ganz unten.“ Wichtig sei, die betroffenen Menschen im Blick zu haben, sagte Wiebke Heesch vom Streetwork-Café Mühle 77 der Diakonie Nord Nord Ost. „Niemand ist davor gefeit, durch Schicksalsschläge auch in soziale Not zu geraten. Wir sind mit den wohnungslosen Menschen im Austausch, aber auch die Gesellschaft sollte sie sehen und beim Vorbeigehen einfach mal anlächeln oder fragen, ob sie etwas benötigen.“ Das bestätigte Hotte: „Es geht dabei gar nicht um Geld – oft braucht man auf der Straße einfach einen heißen Tee, Pflaster oder eine Rolle Toilettenpapier.“
Den Verkauf des Straßenmagazins HEMPELS bezeichneten alle Beteiligten als große Chance für Menschen in sozialer Not. Einmal monatlich holen die Verkaufenden die Zeitschriften in der Beratungsstelle der Diakonie Nord Nord Ost ab, verkaufen sie zum Beispiel vor Geschäften oder Supermärkten und dürfen die Hälfte des Erlöses behalten. „Das schafft Verbindungen zwischen Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen“, sagte Geschäftsbereichsleiter Friedemann Ulrich. „Und man gibt nicht auf, man arbeitet und tut etwas“, ergänzte Hotte.
Die HEMPELS-Fotoausstellung „Menschen wie wir“ läuft noch bis zum 30. September 2025 während der Öffnungszeiten der Kirche St. Marien in Lübeck. Anschließend wird sie noch in Husum und in Flensburg zu sehen sein.

Die Ausstellung wurde am Mittwochabend mit einer Podiumsdiskussion eröffnet. Foto: Diakonie NNO
Text-Nummer: 174962 Autor: Diakonie NNO vom 11.09.2025 um 15.48 Uhr
