Gewerkschaft: Auch im Norden schlechte Arbeitsbedingungen im Handel
Schleswig-Holstein: Archiv - 16.09.2025, 14.41 Uhr: Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat bundesweit rund 12.000 Beschäftigte im Einzelhandel sowie im Groß- und Außenhandel zu ihren Arbeitsbedingungen befragt. In Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein haben sich fast 1000 Kollegen an der Befragung beteiligt. Dabei herrscht offenbar große Unzufriedenheit mit dem Lohn.Die Resultate sind auch im Norden alarmierend: 83 Prozent der Beschäftigten im Handel in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein halten ihren Lohn angesichts ihrer Arbeitsleistung für wenig oder gar nicht angemessen. Für 53 Prozent der Befragten reicht der Monatslohn nur gerade so aus. Bei 18 Prozent reicht er gar nicht aus. 65 Prozent der Handelsbeschäftigten im Norden glauben auch, dass ihre Rente später zum Leben nicht reichen wird. Neben schlechten Löhnen beklagen die Beschäftigten vor allem auch die hohe Arbeitsbelastung: 64 Prozent der Befragten geben an, durch die Arbeit gesundheitlich in hohem und sehr hohem Maße belastet zu sein. 64 Prozent würden den Job am liebsten wechseln. Und 79 Prozent der Teilnehmenden können sich wegen der hohen Belastungen nicht vorstellen, ihren Job ohne Einschränkungen bis zur Rente durchzuhalten.
„Gerade diese Branche, die ja für die Versorgung der Bevölkerung mit Gütern des täglichen Bedarfs verantwortlich ist, muss durch gute Arbeitsbedingungen gekennzeichnet sein, um die Versorgung dauerhaft abzusichern. Viele Beschäftigte kehren dem Handel schon jetzt den Rücken, weil sie die Arbeitsbedingungen nicht mehr ertragen“, kommentiert das für den Handel zuständige ver.di-Bundesvorstandsmitglied, Silke Zimmer die Ergebnisse. Bert Stach, Landesbezirksfachbereichsleiter Handel im Norden, ergänzt: „Die Ergebnisse der Befragung sind erschütternd und machen deutlich, dass es einen krassen Handlungsbedarf gibt, um die Arbeit im Handel attraktiv zu gestalten.“
Weitere Belastungen kommen hinzu: Bei 61 Prozent der Beschäftigten in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein spielt die Digitalisierung eine große und sehr große Rolle. Die Belastungen seien dadurch größer geworden, statt die Beschäftigten zu entlasten, klagen 46 Prozent der Befragten. 43 Prozent klagen darüber hinaus auch über herablassende Behandlung, davon 53 Prozent durch Kundinnen und Kunden und 43 Prozent durch Vorgesetzte. „Die Befragung macht die Notwendigkeit deutlich, die Einkommens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern, und genau dafür setzt sich ver.di immer wieder ein: mit Forderungen für bessere Entlohnung in den Tarifrunden und nach tarifvertraglichen Regelungen für mehr gute Arbeit“, stellt Bert Stach fest.
Die Befragung wurde von ver.di in Zusammenarbeit mit dem „uzbonn – Gesellschaft für empirische Sozialforschung und Evaluation“ sowie dem Beratungsinstitut für Betriebs- und Personalräte „TBS NRW“ von Ende April bis Ende Juni 2025 online durchgeführt. Von den 11.732 Teilnehmenden arbeiten 80 Prozent im Einzelhandel und 20 Prozent im Groß- und Außenhandel. Über 63 Prozent arbeiten im Verkauf, danach folgen Logistik (15 Prozent), Büro und Vertrieb (14 Prozent) und 8 Prozent in einem anderen Bereich.
Link zur Befragung (bundesweite Zahlen): handel.verdi.de.

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) hat bundesweit rund 12.000 Beschäftigte im Einzelhandel sowie im Groß- und Außenhandel zu ihren Arbeitsbedingungen befragt. Foto: Archiv
Text-Nummer: 175039 Autor: ver.di/red. vom 16.09.2025 um 14.41 Uhr
