Kotbeutel unter Datenschutz
Lübeck - Travemünde: Archiv - 23.09.2025, 17.02 Uhr: Wer mit seinem Hund auf Travemündes einzigem Freilaufweg hinter dem Sportplatz spazieren geht, sollte sich besser bevorraten: Der Beutelhalter ist seit Wochen leer. Er wurde über Jahre wie üblich von einer Anwohnerin nachgefüllt, die das Ehrenamt dann aufgegeben hat. Einen Nachfolger zu finden, dürfte, nicht nur hier, schwierig werden. Die Entsorgungsbetriebe wollen Interessenten nicht verraten, welche Kotbeutelhalter unbetreut sind. Aus Datenschutzgründen.
Zweimal gemeldet, EBL wusste trotzdem von nichts
Schon seit August wird der gelbe Behälter mit der Aufschrift „Tütenspender“ und dem leicht verständlichen Logo im Rönnauer Ring nicht mehr befüllt. Auf Nachfrage erklärte das Beschwerdemanagement der Entsorgungsbetriebe jetzt, davon hätte man „mal wieder“ nichts gewusst, „da es keine Meldung dazu gab. Dem widerspricht die Anwohnerin, die eine ganz andere Geschichte zu erzählen hat: Sie hätte sich schon im August zunächst schriftlich bei den Lübecker Entsorgungsbetrieben gemeldet. Und mitgeteilt, dass sie den Behälter nicht mehr füllen werde und das Material bitte abgeholt werden solle. Doch daraufhin sei nichts passiert und sie hätte angerufen. „Dann wurde mir eine Terminabsprache zugesagt. Das hat auch nicht geklappt“, erzählt sie. Stattdessen hätten die Außendienstler dann irgendwann unangekündigt vor der Tür gestanden. Sie sei im Schlafanzug und barfuß raus und hätte den EBL-Mitarbeitern dann alles mitgegeben.
Welche Boxen unbetreut sind, ist geheim
„Im Lübecker Stadtgebiet sind über 200 Spenderboxen für Hundekotentsorgungsbeutel aufgestellt. Diese Boxen werden von Privatpersonen betreut“, heißt es auf der Internetseite der Entsorgungsbetriebe (www.entsorgung.luebeck.de). Diese ehrenamtlichen Paten werden von den EBL mit Hundekottüten beliefert, um die Boxen auffüllen zu können. Doch wer helfen möchte, die rund zwei Millionen pro Jahr verbrauchten Tüten an den Hund zu bringen, muss selbst rausfinden, wo er ehrenamtlich tätig werden darf. Die Entsorgungsbetriebe verlinken auf ihrer Seite zwar eine Karte, auf der die Standorte der Boxen markiert sein sollen. Nur welche davon unbetreut sind, wollen sie nicht verraten. „Aus Datenschutzgründen“ könnten die Boxen nicht genannt werden, heißt es auf Nachfrage. Welche personenbezogenen Informationen bei einem unbetreuten Kotbeutelhalter zu schützen sind, haben die Entsorgungsbetriebe leider nicht mitgeteilt.
Wer Pate werden möchte, zum Bespiel für den Standort Rönnauer Ring, kann sich dennoch gern dort melden. Am besten vielleicht gleich zweimal, schriftlich und telefonisch.
Lesen Sie hierzu auch unseren Bericht vom 24.09.2025

Welche Kotbeutelhalter unbetreut sind, müssen interessierte Ehrenamtler schon selbst herausfinden. Foto: Helge Normann
Text-Nummer: 175181 Autor: Helge Normann vom 23.09.2025 um 17.02 Uhr
