Verein Frauen helfen Frauen warnt vor Kürzungen beim Frauenhaus
Lübeck: Archiv - 27.09.2025, 15.06 Uhr: Der Verein Frauen helfen Frauen Lübeck setzt sich seit den 70er Jahren für Gewaltverzicht und Ächtung von Gewalt ein, um tief verwurzelte Gesellschaftsstrukturen und Verhaltensmuster zu verändern. Jetzt warnt der Verein vor den geplanten Kürzungen beim Frauenhaus.Wir veröffentlichen die Mitteilung des Vereins im Wortlaut:
(")Seit 1985 verpflichtet sich Deutschland mit der Frauenrechtskonvention CEDAW zu umfassenden Maßnahmen zur Herstellung von tatsächlicher Gleichstellung. Mit Ratifizierung der Istanbul-Konvention besteht eine Verpflichtung, ausreichend Ressourcen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt zur Verfügung zu stellen, bestmöglichen Schutz und Unterstützung von gewaltbetroffenen Personen umzusetzen.
Die Hansestadt Lübeck hat sich zu den Zielen der Istanbul-Konvention bekannt und hat mit vielen Akteurinnen den Bedarf in der Hansestadt ermittelt. Ab dem 01.01.2032 gilt der Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung durch das Gewalthilfegesetz. Zentral ist hierbei die Unterversorgung von Schutzräumen flächendeckend zu beseitigen, denn nach wie vor fehlen ca. 14.000 Frauenhausplätze mit einer einzelfallunabhängigen Finanzierung. Jedoch scheinen gesellschaftliche Ächtung und rechtliche Grundlagen nicht ausreichend, den Spardruck nicht an Frauenfacheinrichtungen weiterzugeben.
Im Autonomen Frauenhaus Lübeck stehen 47 Plätze für von Gewalt betroffene oder bedrohte Frauen, Jugendliche und Kinder zur Verfügung. Jedoch ist die Auslastung unseres Frauenhauses hoch (Stand 31.08.2025: 102,79%) und die Anzahl der abgewiesenen Frauen/Familien (Stand 31.08.2025: 208 Frauen mit 235 Kindern) erschreckend.
Die angekündigten Kürzungen bedeuten für uns als Frauenhaus Einsparungen, die direkt die Arbeit mit den Frauen, Kindern und Jugendlichen negativ beeinflussen: Die Einrichtung von Schutzwohnungen für gewaltbetroffene Frauen in der Hansestadt kann nicht Rechnung getragen werden; Stundenreduzierungen beim Personal ziehen gravierende Folgen nach sich; Externe Beratungen können nicht kurzfristig ermöglicht werden, sodass die Sicherung von Leib und Leben, die Vermittlungen von Hilfen sowie die Sicherung des eigenen Wohnraums gefährdet sind.
Folgerichtige Konsequenzen der gesetzlichen Grundlagen wären somit: ein Ausbau von Platzkapazitäten in Frauenhäusern, eine ausreichende Finanzierungsgrundlage für Frauenfacheinrichtungen und die Stärkung der Hilfelandschaft. Die Folgen von Stillstand und Kürzungen treffen Frauen, Kinder und Jugendliche verstärkt; die Folgen durch das Fehlen schneller pragmatischer Hilfe in akuten Krisen sind tiefgreifend.
Lübeckerinnen brauchen keine Ankündigungen von Kürzungen, die die Hilfelandschaft durchschüttelt. Wenn das Leid der Menschen nicht gesehen wird, die Hilfen eingeschränkt werden und damit das Signal gesetzt wird, anderes ist wichtiger, ist dies alarmierend. In der Hansestadt Lübeck gibt es ein Unterstützerinnennetzwerk, das gestärkt werden muss. Die Behauptung aufzustellen, die Forderungen der Sozialen Einrichtungen seien maßlos, zeichnet ein Bild der Politik als realitätsfern. Wir brauchen politischen Mut aller Beteiligten, konsequentes Handeln und eine starke Zivilgesellschaft, die die Frauen- und Menschenrechte verteidigt und Sozialsysteme stärkt und nicht abbaut!(")

Der Verein Frauen helfen Frauen warnt vor Kürzungen beim Frauenhaus.
Text-Nummer: 175250 Autor: Verein/red. vom 27.09.2025 um 15.06 Uhr
