Fähre im Schwarzbuch der Steuerzahler
Lübeck - Travemünde: Archiv - 30.09.2025, 11.50 Uhr: Am Dienstag hat der Verein "Bund der Steuerzahler" sein aktuelles Schwarzbuch mit Fällen von Verschwendung von Steuergeldern veröffentlicht. Lübeck ist in diesem Jahr nur mit einem Fall dabei: Die Hybridfähre "Welt ahoi!"."Die Stadt Lübeck gewährte einen Zuschuss von fünf Millionen Euro. Die insgesamt für 5,1 Millionen Euro gebaute Fähre wurde am 27. November 2023 in Travemünde übergeben und abgenommen, doch insgesamt konnte das Schiff bislang nur an drei Tagen im Regelbetrieb eingesetzt werden", so der Bund der Steuerzahler in seinem Schwarzbuch. "Bei Redaktionsschluss stritt man sich noch mit dem Hersteller über die Fertigstellung und Gewährleistungsansprüche." Fünf Prozent vom Kaufpreis seien bis zu einer Einigung einbehalten.
"Für eine neue Fähre, die nicht eingesetzt werden kann, dürfen die Steuerzahler kein Geld bezahlen!", fordert Rainer Kersten vom Steuerzahlerbund Schleswig-Holstein. Für fünf Millionen Euro hätte man auch eine Mensa für 500 Schüler bauen können.
Zuletzt hatte die FDP-Fraktion in der Bürgerschaft eine Rückforderung des Geldes gefordert. "Jeder Autokäufer, der ein Montagsauto erworben hat, das nur in der Werkstatt steht, wäre schon fünfmal vom Vertrag zurückgetreten", so der FDP-Fraktionschef Thorsten Fürter im Juli.
Die Stadtwerke Lübeck Mobil GmbH nimmt zu dem Schwarzbucheintrag wie folgt Stellung:
(")Die Erreichung der von der Bürgerschaft verabschiedeten Klimaziele für Lübeck erfordert eine konsequente Umstellung von CO₂-intensiven auf CO₂-reduzierte Antriebstechnologien im öffentlichen Personennahverkehr. Während bei Bussen bereits erprobte Elektromotoren zum Einsatz kommen, haben wir mit den ersten Überlegungen zu alternativen Antriebskonzepten bei den Fähren im Jahr 2021 technisches Neuland betreten.
Die „Welt ahoi!“ verfügt über einen Elektroantrieb mit Batterien als Stromspeicher sowie einen Dieselgenerator, der zur Aufladung der Batterien während des Fährbetriebs dient. Dieser Antrieb ermöglicht in seiner technischen Funktionsweise erstmalig den Übergang zu einem emissionsfreien Fährbetrieb über die Trave. In der Schifffahrt gibt es zu diesem Antriebskonzept keine langjährigen Erfahrungen, weshalb mögliche Herausforderungen und ausgiebige Testphasen von Anfang an zeitlich eingeplant wurden.
Derzeit werden weiterhin Testfahrten inklusive Personen- und Fahrzeugbeförderungen durchgeführt, um die „Welt ahoi!“ schnellstmöglich für den regulären Betrieb bereitzustellen. Aufgrund technischer Unwägbarkeiten lässt sich aktuell dennoch kein verlässlicher Termin für den dauerhaften Fährbetrieb nennen.
Die Anschaffung der „Welt ahoi!“ stellt keine Steuerverschwendung dar, sondern ist eine gezielte Investition in die Mobilitätswende, um eine große Menge CO₂ einzusparen. Sollten die Gewährleistungsarbeiten nicht zur Inbetriebnahme führen, bleibt noch die Möglichkeit rechtlicher Mittel.
Der reguläre Fährbetrieb ist derzeit durch die Schiffe „Travemünde“ und „Pötenitz“ gewährleistet und wird durch die "Welt ahoi!" ergänzt.(")

Der Bund der Steuerzahler kritisiert, dass die Stadt fünf Millionen Euro für eine Fähre ausgegeben hat, die bisher nicht im Einsatz ist. Foto: Karl Erhard Vögele/Archiv
Text-Nummer: 175288 Autor: VG vom 30.09.2025 um 11.50 Uhr
