Stadtverwaltung benötigt noch mehr Personal
Lübeck: Archiv: Politiker reden gerne vom Abbau der Bürokratie, aber die Realität bewegt sich in eine andere Richtung. Auch im kommenden Jahr wird es bei der Stadt deutlich mehr Stellen geben, unter anderem für die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben des "Registermodernisierungsgesetzes".
Seit über zehn Jahren wächst die Verwaltung in Lübeck im Schnitt um über 100 Vollzeitstellen pro Jahr. Der Bürger merkt davon wenig. Der Bereich "Soziale Sicherung" kann seine Aufgaben nicht mehr erfüllen (wir berichteten) und bis auf die Stadtteilbüros gab es keine Verbesserungen im Service. Von einer Digitalisierung ist wenig zu spüren, außer dass Bürger inzwischen einige Anträge online stellen können.
Im kommenden Jahr wächst die Zahl der Stellen von derzeit 4367,217 Vollzeitstellen um weitere 83,579 Planstellen auf 4450,8. So bekommt die "Soziale Sicherung" drei neue Vollzeitstellen, allerdings für die Sachbearbeitung, sondern "unter anderem für die Unterstützung der Bereichsleitung". Für den Zivilschutz und das Krisenmanagement bei der Feuerwehr sind sechs neue Stellen vorgesehen.
Nicht immer ist die Bürokratie an den steigenden Kosten schuld. Gute Nachrichten gibt es für die Gebäudereiniger der Stadt. Ihre Stellen werden neu bewertet und zum 1. November höher eingruppiert. Ein Grund ist das "sich stark verändernde Nutzungsverhalten“ in öffentlichen Gebäuden wie Schulen, "insbesondere der Vandalismus." Die Stadt rechnet mit Mehrausgaben von knapp 850.000 Euro.
Eine Hoffnung gibt es, den städtischen Haushalt in den Griff zu bekommen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass in den kommenden Jahren 60 Prozent der Verwaltungstätigkeit automatisiert werden können. Aus der Politik gibt es bisher keine Einsparvorschläge für den Haushalt 2026, der am 6. November in der Bürgerschaft beschlossen werden soll. Bisher ist ein Defizit von 162.430.900 Euro geplant.
Im kommenden Jahr wächst die Zahl der Stellen von derzeit 4367,217 Vollzeitstellen um weitere 83,579 Planstellen auf 4450,8. So bekommt die "Soziale Sicherung" drei neue Vollzeitstellen, allerdings für die Sachbearbeitung, sondern "unter anderem für die Unterstützung der Bereichsleitung". Für den Zivilschutz und das Krisenmanagement bei der Feuerwehr sind sechs neue Stellen vorgesehen.
Nicht immer ist die Bürokratie an den steigenden Kosten schuld. Gute Nachrichten gibt es für die Gebäudereiniger der Stadt. Ihre Stellen werden neu bewertet und zum 1. November höher eingruppiert. Ein Grund ist das "sich stark verändernde Nutzungsverhalten“ in öffentlichen Gebäuden wie Schulen, "insbesondere der Vandalismus." Die Stadt rechnet mit Mehrausgaben von knapp 850.000 Euro.
Eine Hoffnung gibt es, den städtischen Haushalt in den Griff zu bekommen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass in den kommenden Jahren 60 Prozent der Verwaltungstätigkeit automatisiert werden können. Aus der Politik gibt es bisher keine Einsparvorschläge für den Haushalt 2026, der am 6. November in der Bürgerschaft beschlossen werden soll. Bisher ist ein Defizit von 162.430.900 Euro geplant.
Kommentare zu diesem Text (17):
Waldemar Wagner
schrieb am 15.10.2025 19.07 Uhr:
Mit einer dunkelgrün/dunkelrot unterwanderten Verwaltung wird der Zirkus immer so weitergehen.
Kaum ein Bereich der städtischen Verwaltung kann wirklich seine Aufgaben erfüllen.
Wenn der Bürgermeister als Chef der Verwaltung nur „Hoffnung“ aufzubieten hat, ist das bezeichnend!
Dass durch automatisierte Verwaltung etwas besser wird, ist völliger Blödsinn.
Das Problem dabei ist, dass Mitarbeiter, die durch automatisierte Verwaltung nicht mehr gebraucht werden, trotzdem angestellt bleiben.
Bisher wurden die Mitarbeiter, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen waren, zwar durch andere ersetzt, aber trotzdem nicht entlassen.
In einer voll durchsozialisierten, öffentlich finanzierten Arbeitswelt ist das nun mal so.
Zunehmenden Vandalismus gibt es, wenn einfache Menschen unzufrieden sind!
Ändern wird sich erst dann etwas, wenn die Menschen wieder vernünftig wählen und dieser ganze ach so soziale Blödsinn ein Ende hat.
Aber selbst dann wird es Jahrzehnte dauern, die Lübecker Verwaltung von diesem Geschwür zu befreien.
andre klar
schrieb am 15.10.2025 19.09 Uhr:
Wo so viele Leute krankfeiern wie in Lübecks Verwaltung (35,2 "krankheitsbedingte" Fehltage im Schnitt pro Person in 2024) braucht's natürlich immer mehr Personal...
der einzig wahre Dissident
schrieb am 15.10.2025 21.31 Uhr:
der unproduktive Wasserkopf soll also noch mehr aufgebläht werden ???
Kaliber45@yahoo.com
Justin_Time
schrieb am 15.10.2025 21.59 Uhr:
Jetzt muss ich mich aber wundern!
Wird nicht bei fast jeder Gelegenheit rumgetönt, wie digital Lübeck doch sei? Das bedeutet, effizientes arbeiten, Vereinfachung, Automatisierung.
Wohl doch nur heiße Luft!
Chris
schrieb am 16.10.2025 6.03 Uhr:
Interessantes Framing: Bei einem privaten Arbeitgeber hieße die Überschrift sicher "XYZ schafft so und so viele neue Arbeitsplätze".
Außerdem dürfte bei einer wachsenden Stadt ein höherer Personalbedarf üblich sein.
Beate Kruse
schrieb am 16.10.2025 7.06 Uhr:
Von einem Bürokratieabbau sind wir leider Lichtjahre entfernt, genau das Gegenteil passiert in Deutschland und deshalb werden auch ständig neue Stellen benötigt. Lübeck ist da keine Ausnahme, das geht allen Städten so und der Hauptschuldige ist die EU mit ihren ständig neuen Vorschriften und Verordnungen. Früher gab es Eigenverantwortung, heute darf man nicht mal mehr eine Glühbirne auswechseln ohne eine Schulung dafür zu haben. Für jede eigentlich selbstverständliche Lächerlichkeit wird ein Beauftragter benötigt. Wenn die Bürokratie abgebaut würde, hätten wir in Deutschland übrigens auch kein Arbeitskräftemangel.
JonnyPiper
schrieb am 16.10.2025 8.12 Uhr:
Eine Hoffnung gibt es, den städtischen Haushalt in den Griff zu bekommen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass in den kommenden Jahren 60 Prozent der Verwaltungstätigkeit automatisiert werden können.
Und das hätte dann zur Folge, dass erheblich weniger Personal erforderlich ist, um die Verwaltungsaufgaben zu erledigen. Das ist begrüßenswert, weil es dann zu erheblichen Einsparungen bei den Personalkosten kommen würde. Es werden also finanzielle Mittel frei, um zum Beispiel Schulen zu sanieren. Nun ja, träumen muss erlaubt sein!
Lothar F.
schrieb am 16.10.2025 9.10 Uhr:
Lübeck ist schon lange pleite. Da werden Gelder für eine untaugliche Priwallfähre verschleudert. Da wird das Schlachthof Areal nicht genutzt für einen neuen Supemarkt und Sozialwohnungen. Wettbewerbsverzerrung pur. Armes Lübeck
FlensMan
schrieb am 16.10.2025 9.31 Uhr:
Weniger Bürokratie? Das ich nicht lache!
Gerade erleben wir, wie Arme gegen Ärmste ausgespielt werden und im Zuge dessen massive Sanktionen bei Bürgergeld eingeführt werden sollen. Ratet mal, wie denn die Sanktionen überwacht, nachgeführt und verwaltet werden sollen? Richtig: Durch nehr Bürokratie.
Wisst ihr noch, wie Ex-Arbeitsminister Heil angetreten ist, um das Bürgergeld sanktionsfreier zu machen, um Bürokratie abbauen zu können?
Aber zurück zum Thema: Automatisierung heißt Digitalisierung. Wie weit ist denn Lübeck hier vorangekommen in den letzten Jahren? Wie sieht's denn aus mit der "Smart City Dialog" Offensive?
Wolfgang Lexow
schrieb am 16.10.2025 10.21 Uhr:
@Chris
der kleine Unterschied..in der privaten Wirtschaft muss das Geld erst verdient werden, damit neue Arbeitsplätze geschaffen werden können.
Hans Hansen
schrieb am 16.10.2025 10.43 Uhr:
"Unterstützung der Leitung" zeigt deutlich das Problem.
In den unteren Etagen herrscht ein absolut alarmierender Personalmangel. Einfachste Anträge werden nicht bearbeitet. Es gibt Menschen die auf der Straße landen, weil Anträge nicht bearbeitet werden. Und das in 2025.
Gleichzeitig wird der Wasserkopf in den höchsten Etagen aufgeblasen. Die Chefetagen konstruieren sich riesige Stäbe die ihnen alles abnehmen. Man muss nur zum Bürgermeister schauen. Da geht es schon los.
"Bürokratieabbau" ist ein Kampfbegriff der neoliberalen Rechten geworden. Arbeitnehmerrechte und Verbraucherschutz sollen abgebaut werden. Personal soll flexibel gestrichen werden können. Aber bitte nicht oben sondern nur ganz unten. Dort wo wirklich noch gearbeitet wird.
K.Lukai
schrieb am 16.10.2025 12.27 Uhr:
.... da fehlt noch die Stelle für den Bürgermeister, die darf auch gerne neu besetzt werden....
Der Krankenstand ergibt sich aus Überarbeitung auch mit durchaus belastenden Kundenverkehr. Da würde ich (so) auch nicht arbeiten wollen, bzw. wäre sicherlich auch zu 30% nicht arbeitsfähig.
Hier stellt sich aber eher die Frage, wie man die Kundenverkehr von vornherein besser lenken kann, und ob man für "Spezialkunden" nicht entsprechend auch "Spezialmitarbeiter" einstellt. Damit Anliegen von normalen Bürger auch normal bearbeitet werden können.
Es ist ja schon beschreibend, wenn die Bürgerämter Security haben müssen. Hier stellt sich die Frage, warum Personen die dort Ärger machen, nicht direkt einen neuen Termin in 8 Wochen bekommen, incl. einer freien Übernachtung in einer Arrestzelle um wieder zur Besinnung zu kommen. Bei Wiederholung kann gerne beides verlängert werden, incl. Kürzung eines eventuellen Bürgergeldes. Einfach weil man in staatlichen Institutionen mit öffentlichen Zugang nicht rumrandaliert.
Bei allen anderen Dingen, wie Digitalisierung: Nein, das benötigt nicht weniger Personal. Es benötigt anderes Personal, bzw. neu geschultes Personal. Das kostet zwischendurch mehr, und insgesamt nie weniger als vorher. Kann der Bürgermeister nicht wissen, der hat sowas noch nie begleitet.
Powow
schrieb am 16.10.2025 12.39 Uhr:
Hm, regelmäßiges gemecker, dass die Verwaltung nicht schnell genug arbeitet, aber neue Leute einstellen, damit es endlich schneller geht dürfen die irgendwie auch nicht. Die meisten "argumente" schlagen sich selber..
@waldi: alles ideologischer Quark.
@andre: Krankenstand hängt mit der Arbeitsbelastung zusammen.
@kaliber: doziert über unproduktive wasserköpfe. Genau mein Humor.
Salzi
schrieb am 16.10.2025 12.41 Uhr:
Das Ordnungsamt sollte personel gerne aufgestockt werden. Es wird seinen Aufgaben aus meiner Sicht nicht mehr ausreichend gerecht.
Gerade heute stehen z. B. auf dem Fahrradweg der Schwartauer Allee 48 PKW!!
Privatanzeigen verlaufen hier wie gewohnt im Sande. Radfahrer und die Sicherheit der Radfahrer sind in Lübeck ziemlich egal. Hauptsache es wird wie wild geparkt und Beschwerden wird nicht nachgegangen.
Jane M.
schrieb am 16.10.2025 13.01 Uhr:
Hoffnung klingt gut. Aber einzelne Umsetzungen der Digitalisierung hat in der Stadtverwaltung zum Teil Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte gedauert.
Auch jetzt gibt es immer wieder Rückschritte aus diversen Gründen.
Während umliegende Verwaltungen ihren Mitarbeitern, sofern möglich, festes Homeoffice anbieten, steht dieser Punkt in HL immer noch auf wackligen Beinen (aufgrund der nicht vorhandenen Digitalisierung im internen Arbeitsleben der Verwaltung). Oft wird es den Mitarbeitern inzwischen wieder gestrichen. Nicht einzelnen Personen wegen Fehlverhalten, sondern ganzen Teams weil HL die Digitalisierung nicht auf die Reihe bekommt.
Das ist bei den aktuell eh schon prekären Verhältnissen was die Personal(nach)besetzen betrifft, fatal. Denn wo bewerbe ich mich eher? Da wo ich 50% aufwärts Homeoffice haben kann, oder wo es gar nicht erst möglich ist, oder weg genommen wird? Dann muss man sich auch nicht wundern, wenn selbst die bestehende Belegschaft nach und nach das Weite sucht. Zumal wenn der Arbeitgeber nicht mal mit den oft schon viel belächelten Obstkörben und kostenlosen Parkplätzen (was bei vielen der Minimalstandard ist) aufwartet.
Und nein, Homeoffice bedeutet nicht bequem die Füße hochzulegen und niemanden der kontrolliert im Nacken sitzen zu haben, sondern einfach Flexibilität. Es gibt genug Mitarbeiter, die die Möglichkeit haben (oder hatten), aber nicht oder nur selten nutzten. Aber allein die Möglichkeit zu haben, nimmt den Menschen großen Druck. Gerade wer im Hintergrund Verpflichtungen wie Kinder, ältere Verwandte und auch Haustiere hat. Nicht zwischendrin pendeln zu müssen und der Tag wird insgesamt noch länger, packt man alles nötige ein, erledigt seine privaten Dinge und arbeitet Zuhause noch 2, 3 Stunden weiter. Oder spart sich komplett eine Fahrt, einen teuren Betreuungstag oder sonst irgendwas.
Hier sollte die Verwaltung dringend Geld in die Hand nehmen und ranklotzen. Langfristig wird das Kosten sparen. Aktuell laufen die Mitarbeiter weg oder kommen gar nicht erst. Und der Bürger ist der Verlierer.
andre klar
schrieb am 17.10.2025 1.26 Uhr:
@powow:
"@andre: Krankenstand hängt mit der Arbeitsbelastung zusammen."
Nein, tut es nicht, es hängt damit zusammen wie leicht es Beschäftigten gemacht wird, bei voller Bezahlung einfach nicht zur Arbeit zu gehen, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen.
Kommste heut nicht, kommste morgen, oder übermorgen, ach eh egal.
Monika
schrieb am 17.10.2025 12.41 Uhr:
Es ist eine Schande, wie lange man teilweise nur auf einen Termin warten muss. Meine syrische Freundin lebt seit 15 Jahren in Deutschland, hat Ihre deutsche Staatbürgerschaft beantragt und wartet viele Jahre darauf, das der Antrag überhaupt bearbeitet wird. Daher muss sie ihren Aufenhaltsstatus alles zwei Jahre verlängern lassen. Sie arbeitet, zahlt Steuern und kümmert sich auch noch alleinerziehend um drei schulpflichtige Kinder. Seit Mai d.J. versucht sie einen Termin in der Ausländerbehörde zu bekommen, ohne Erfolg. Dabei macht sie alles richtig und wird u.a. von mir bei administrativen Sachen unterstützt. Was ist los bei euch in der Verwaltung? Personal einsparen, aber dann die Arbeit nicht schaffen? So funktioniert das nicht. Ich ärgere mich über soviel Stillstand und Desorganisation. Es ist beschämend, wie Menschen, die längst ein Teil unserer Gesellschaft sind, durch bürokratische Hürden ausgebremst werden.