Protest-Welle: Kippt die Politik das Hunde-Verbot?
Lübeck - Travemünde: Archiv - 04.11.2025, 15.34 Uhr: „Wir freuen uns sehr für euch, und eure vierbeinigen Begleiter, wenn auch angeleint, dass ihr unseren breiten Sandstrand jetzt wieder gemeinsam nutzen könnt“, schrieb das Atlantic Grand Hotel Travemünde in einem Social-Media-Post. Der Grund: Nach Jahrzehnten hatte die Kurverwaltung verboten, dass Hunde wie gewohnt schon im Oktober an den Strand dürfen. Viele Einheimische und Gäste hatte das offenbar überrascht. Die wehren sich zunehmend.
Seit dem 01. November können Vierbeiner wieder ihre Pfotenabdrücke im Strandsand hinterlassen.
Man wünsche den Strandbesuchern mit ihren Fellnasen viel Spaß und freue sich, sie als Gäste im Grand Hotel begrüßen zu dürfen, schrieb das bekannte Hotel in erster Reihe. „Natürlich mit euren Hunden!“ Die Vierbeiner haben durchaus auch eine Bedeutung für die Tourismuswirtschaft.
Kurbetrieb verbietet Strandbesuch für Hunde
Jahrzehntelang galt, dass der breite Kurstrand von Travemünde von April bis September den Menschen vorbehalten war. In der kalten Jahreszeit, wenn die Strandkörbe abgeräumt sind und kaum noch jemand baden und buddeln mag, durften auch die Vierbeiner mit. Das hat die Kurverwaltung geändert und den Hunden den Oktober gestrichen. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: Fast viertausend Menschen haben mittlerweile eine Petition unterschrieben, die eine Rücknahme des Verbots fordert (Wir berichteten).

Kurverwaltung nennt vier Gründe für das Hundeverbot
Bereits im Mai 2025 hatte die Kurverwaltung schriftlich zu den Gründen für die Änderung Stellung genommen. Darin werden die intensive Nutzung des Strandes aufgrund der Erderwärmung und die Herbstferien der Bundesländer genannt. Zumindest in diesem Jahr blieb der Strand allerdings weitestgehend leer. Weiter werden als Grund nicht näher genannte oder bekannte Oktober-Veranstaltungen am Strand genannt. Einzig das seit Jahrzehnten Anfang Oktober stattfindende Herbstdrachenfest wird als „Beispiel“ angeführt. Und als viertes Argument nicht näher ausgeführte „Beschwerden über Belästigungen und Konfliktsituationen durch frei laufende Hunde am Strand“.

Die vier Argumente der Kurverwaltung gegen Hunde im Wortlaut:
– „Aufgrund des zunehmenden Temperaturanstiegs in den Spätsommer- und Herbstmonaten findet bereits seit einigen Jahren bis weit in den Oktober hinein eine intensive Nutzung der Strände statt.“
– „In den Oktober fallen die Herbstferien der meisten Bundesländer. Vor allem Familien mit Kindern nutzten diesen Urlaubszeitraum an der Ostsee, um in den Genuss von den Nebensaisontarifen bei den Vermietern und der Kurabgabe zu gelangen.“
– „Darüber bietet das Seebad Travemünde seinen Einheimischen und Gästen im Oktober Veranstaltungen am Strand, wie zum Beispiel das Drachenfest an.“
– „In den vergangenen Jahren ist die Anzahl der Beschwerden über Belästigungen und Konfliktsituationen durch freilaufende Hunde am Strand gerade im Monat Oktober stark angestiegen. Diese Sachlage ist in die Abstimmung des Neuerlasses der Strandsatzung eingeflossen.“

Gerüchteküche brodelt
Besonders die von der Kurverwaltung nicht bezifferten oder näher aufgeführten Vorfälle im Oktober vergangenen Jahres bringen die Gerüchteküche unter Hundefreunden zum Brodeln. Zurzeit kursiert, dass es sechs Vorfälle im Oktober 2024 gewesen sein sollen. Es soll ein Schwan durch einen Hundebiss in den Hals zu Tode gekommen sein. Andere Hundehalter hegen allerdings den Verdacht, dass die Vorfälle nur ausgedacht sind, um das Verbot zu rechtfertigen.
Thema in der Politik
Dem Vernehmen nach wird das Thema mittlerweile auch in den politischen Fraktionen besprochen. Und die sehr aktive Travemünder „Hundelobby“ will auch auf der nächsten Sitzung im Travemünder Ortsrat Präsenz zeigen. Die findet am 13.11.2025 (19:00 Uhr) in der Aula der Stadtschule Travemünde statt.

Vierbeiner tollen jetzt wieder unbeschwert am Kurstrand herum, während sich die Zweibeiner um das Oktober-Verbot streiten. Fotos: Helge Normann
Text-Nummer: 175985 Autor: Helge Normann vom 04.11.2025 um 15.34 Uhr
