80 Jahre CDU in Lübeck – Blumen und Nachdenkliches
Lübeck: Mit vielen Grüßen, Blumen und Erinnerungen feierte die Lübecker CDU am Samstag ihr 80-jähriges Bestehen. Es gab aber auch Ausblicke, zum Beispiel auf die kommenden Wahlen – auch für das Bürgermeisteramt. Harald Denckmann schildert seine Eindrücke von der Veranstaltung.80 Jahre ist eigentlich ein etwas schräges Jubiläum, da gemeinhin alle 25 Jahre ein Gedenkstopp abgehalten wird. Immerhin sind 80 Jahre aber in etwa so etwas wie eine durchschnittliche Lebensspanne und so lohnt es sich schon einmal, auf Vergangenes zurückzublicken. Das tat der Kreisvorsitzende Hermann Junghans in seinen einleitenden Worten, aber insbesondere Landtagspräsidentin Kristina Herbst, die man als Festrednerin extra für diesen besonderen Tag geladen hatte. Sie erinnerte an Trümmer und Jahre des Aufbaus, eine Periode, die die Gründungsphase der Partei in der Hansestadt maßgeblich geprägt hat.
Gründungsmitglieder waren nicht mehr im Saal, aber doch etliche, die das Parteigeschehen in den ersten 20 Jahren mitgeprägt hatten, alle erwähnt in den Schriften des ehemaligen Senators Volker Kaske, der in seinem legendären Archiv die Gründungsjahre der Partei in Lübeck akribisch festgehalten hatte. Seine diesbezüglichen Veröffentlichungen lagen am Büchertisch natürlich aus.
Zahllose Ehrungen für langjährige Mitgliedschaft wurden vorgenommen und besonders gewürdigt wurde der hochbetagte Peter Jugert, der, umrahmt von anwesender Parteiprominenz, die Ehrung für 65-jährige Parteimitgliedschaft entgegennahm. Geehrt und gewürdigt wurden auch die Aktiven, etliche Parteimitglieder, die sich besonders auf dem kommunalpolitischen Feld lange Jahre in den unterschiedlichsten Funktionen hervorgetan hatten.
Mit Peter Sünnenwold und Klaus Puschaddel hatte man immerhin zwei Stadtpräsidenten gestellt, die sich über lange Jahre in Partei und Fraktion engagiert hatten. Auch Sozialdemokraten wurden gesichtet. Hermann Junghans wertete es als ein Zeichen der Wertschätzung, dass sowohl Bürgermeister Jan Lindenau als auch Wirtschafts- und Sozialsenatorin Pia Steinrücke den Weg ins Lübecker Logenhaus gefunden hatten, um der Veranstaltung persönlich beizuwohnen. Man kennt sich aus langen Jahren gemeinsamer Politik und weiß, dass man sich trotz unterschiedlicher Auffassungen immer wieder einmal zum Wohle des Ganzen treffen und verständigen muss.
Das klang dann auch in den Reden an, als man die Erinnerung an die Gründerjahre hinter sich ließ und auf die gegenwärtigen Verhältnisse zu sprechen kam. Hermann Junghans nahm beispielsweise die demografische Entwicklung in den Blick. Der Nachwuchs wird schwerer greifbar werden und muss bereits jetzt dringend in passende Funktionen gebracht werden, damit zukünftige Aufgaben übernommen werden können.
"Die Demokratie muss gelebt, gepflegt und verteidigt werden", legte die Landtagspräsidentin nach. Parteien sind viel Misstrauen ausgesetzt und müssen daher offen und glaubwürdig werden, damit junge Menschen Vertrauen fassen, sich in ihnen zu engagieren. Es gibt viel Engagement von Jugendlichen, aber zu wenig innerhalb von Parteien. "Diese Jugend ist nach langen Jahren des Friedens wieder die erste, die mit einem Krieg in Europa aufwächst", gab Kristina Herbst zu bedenken, und warb damit gleichzeitig für die freiwillige Wehrpflicht, denn für die Freiheit müssen alle immer bereit sein, aktiv einzutreten.
Zur Überraschung aller kam danach auch noch die Präsidentin des Deutschen Bundestages mit einem Grußwort per Videobotschaft zu Wort. Die war auf der Leinwand wunderbar zu sehen, der magere Ton überforderte aber selbst das beste Hörgerät im Saal.
Als Hermann Junghans eher beiläufig auf den anstehenden Wahlmarathon zu sprechen kam, wurde doch interessiert aufgehorcht. Beginnend mit der Landtagswahl 2027 geht es weiter mit Kommunalwahl, Europawahl und Bundestagswahl. Das ist praktisch übermorgen und muss alles organisatorisch bewältigt und auch finanziert werden. Ach ja, dann gibt es ja auch noch die Bürgermeisterwahl und den Traum, in der Nachfolge von Robert Knüppel nach 40 Jahren einmal wieder den Bürgermeister zu stellen. Man blickte sich um im Saal. Gab es da unter Umständen vielleicht sogar einen kompetenten Kandidaten, oder natürlich eine Kandidatin? Da suchen 80 Jahre Parteigeschichte noch nach einer passenden Antwort, aber gemunkelt wird natürlich schon. Das hat in jeder Partei Tradition, und die reicht erheblich länger zurück als 80 Jahre.
Im Original-Ton hören Sie Interviews von Harald Denckmann mit dem CDU-Kreisvorsitzenden Hermann Junghans, dem ehemaligen Stadtpräsidenten Peter Sünnenwold und Bürgermeister Jan Lindenau.
Die Lübecker CDU feierte am Samstag ihr 80-jähriges Bestehen. Fotos, O-Ton: Harald Denckmann
Hier hören Sie den Originalton:
Text-Nummer: 176065 Autor: Harald Denckmann vom 08.11.2025 um 17.46 Uhr
