Gewerkschaft kritisiert Casino-Verkauf
Schleswig-Holstein: Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) sieht in den weit fortgeschrittenen Plänen der Landesregierung, die Spielbanken in Schleswig-Holstein an Spielhallenbetreiber zu verkaufen, weit mehr als nur einen Angriff auf gute Arbeitsplätze und den bewährten Spielerschutz. Sie riskiere auch das Gemeinwohl, Spielerschutz und sämtliche bisherigen Gewinne.Aus Sicht der Gewerkschaft spielt die Landesregierung hier mit einem viel zu hohen Einsatz, geht unnötigerweise „all in“ – und verzockt sich dabei massiv. Sie zieht die schwarz-grüne Karte des Neoliberalismus und riskiert damit Gemeinwohl, Spielerschutz und sämtliche bisherigen Gewinne.
„Wer öffentliche Einnahmen, sichere Arbeitsplätze und bewährte Strukturen des Spielerschutzes für kurzfristige Privatisierungserlöse opfert, handelt nicht verantwortungsvoll – sondern zockt auf Risiko“, sagt Tobias Marx, Spielbankenexperte von ver.di Nord. „Gewinner werden vermutlich große private Spielhallenbetreiber oder Automatengroßhersteller sein – sowie große Anwaltskanzleien, die mit üppigen Beratungshonoraren bedacht werden. Die Liste der Verlierer ist dagegen lang. Allen voran stehen die Beschäftigten, die heute sichere und tariflich abgesicherte Arbeitsplätze haben und in großen Teilen nicht nur Experten für Glücksspiel, sondern auch für Spielerschutz sind“, so Marx weiter.
Nach Auffassung der Gewerkschaft bedeutet es zudem, Spielbanken in private Hände zu geben, dass das Land dauerhaft auf Einnahmen verzichtet – und gleichzeitig wichtige Sponsorengelder für kleine Sportvereine aufs Spiel setzt.
„KSV Holstein und der THW Kiel können solche Einbußen vielleicht noch kompensieren – kleinere Vereine werden darunter jedoch erheblich leiden. Damit versetzt die schwarz-grüne Landesregierung auch dem Breitensport einen harten Schlag in den Nacken“, erklärt Marx. „Es stellt sich zudem die Frage, was als Nächstes kommt: Plant man bereits, das Lotto zu privatisieren – womöglich an Betreiber mit Konten auf den Jungferninseln?“
Nicht bedacht werde auch, dass der Staat weiterhin „am Roulettetisch sitzen“ wird. Denn Aufsicht, Kontrollen und Prüfungen bleiben notwendig – sie müssten im Gegenteil sogar ausgebaut und verstärkt werden, damit die Spielregeln der Spielbankaufsicht durch das Land Schleswig-Holstein überprüft und durchgesetzt werden können.
Darüber hinaus kritisiert ver.di das Ausschreibungsverfahren für die beauftragten Beratungskanzleien scharf. Der betriebswirtschaftliche Berater ist Grant Thornton – dieselbe Firma, die bereits in Nordrhein-Westfalen tätig war, wo die Spielbanken ebenfalls „verzockt“ wurden.

Rolle rückwärts: Einst verstaatlicht, sollen die Casinos jetzt wieder privatisiert werden. Foto: Archiv/HN
Text-Nummer: 176176 Autor: ver.di/red. vom 13.11.2025 um 14.51 Uhr
