Welt ahoi!: Travemündes Pannen-Fähre soll bald jeden Tag fahren
Lübeck - Travemünde: Im Mai 2024 wurde sie feierlich getauft, mit Bürgermeister und Flasche Sekt am Bug: Die „Welt ahoi!“, Travemündes Hybrid-Fähre. Die Hälfte ihrer Fahrten soll sie im Akkubetrieb ihre Passagiere zum Priwall bringen und zurück. Doch der 5,1-Millionen-Neubau mit den zahllosen technischen Problemen fährt so gut wie gar nicht. Das soll, nein, muss sich jetzt ändern. Denn zum Jahresanfang werden bei den funktionierenden Dieselfähren die Motoren überholt. Die „Welt ahoi“ soll dann übernehmen.
„So zwischen Mitte Januar und Ende Februar“, das genaue Datum steht noch nicht fest, sollen die Antriebsmotoren der beiden bewährten Priwallfähren generalüberholt werden. Sie seien dann umgerechnet 1,2 Millionen Kilometer gelaufen, hätten knapp 30.000 Betriebsstunden hinter sich, berichtete Daniel Müller, Bereichsleiter der Fähren, am Freitag im Travemünder Ortsrat. Also werden die schweren Dieselmotoren mit dem Kran herausgehoben, auf einen Lastwagen gehievt und zur Grundüberholung in die Werkstatt gebracht. „In der Zeit ist idealerweise die Welt ahoi! einsatzbereit“, erklärte der Leiter der Fähren im Ortsrat. Zumindest im Tagesdienst.
„Welt ahoi!“ soll Frühschicht übernehmen
Der Fährbetrieb beginnt daher jetzt damit, die Fähre meist montagmorgens auf die Travemünder Seite rüberzuholen. Die Frühschicht soll dann mit der „Welt ahoi!“ fahren, die Spätschicht mit den anderen Fähren. „Nächste Woche wollen wir wirklich jeden Tag damit sieben oder acht Stunden fahren“, so Daniel Müller. Wenn dann im kommenden Jahr bei den extrem zuverlässigen Dieselfähren die Motoren ausgebaut werden, soll stattdessen die „Welt ahoi!“ fahren. „Von unserer Seite werden wir alles tun, um genau das sicherzustellen“, versprach der Leiter der Fähren.
Das Pannenschiff
Daniel Müller ist seit dem 1. April 2024 Leiter des Bereichs Fähren, bezeichnet die „Welt ahoi!“ schon mal scherzhaft als sein Begrüßungsgeschenk. Und erzählte im Ortsrat, womit er es da so zu tun hat, wenn Firmen vorbeikommen, etwas austauschen, umbauen oder reparieren und die Zeit vergeht. „Das ist manchmal extrem anstrengend, ruhig zu bleiben dabei.“ Wie man die Klappen angepasst hat, „so gut es geht.“ Wie der Computer schwarz wurde und nichts mehr ging. Selbst die chinesischen Batteriehersteller waren schon mal in Travemünde vor Ort, um sich die Sache anzusehen. Beim Fährbetrieb hätte es da durchaus schon mal die Überlegung gegeben, alles rauszuschmeißen und zwei Dieselmotoren einzubauen.
„Ich hätte wahrscheinlich etwas gekauft, was funktioniert“
Daniel Müller war auch an Bord, als die „Welt ahoi!“ im letzten Jahr von selbst eine Notabschaltung durchführte. „Wenn man mitten auf der Trave treibt ohne Licht, das ist dann schon ein komisches Gefühl“, erzählte er. Solche Sachen seien inzwischen aber ausgemerzt. Mit dem Kauf der Hybrid-Fähre „Welt ahoi!“ hat man sich in Lübeck entschieden, etwas Neues auszuprobieren. „Ich hätte wahrscheinlich etwas gekauft, was funktioniert“, meint der Leiter der Fähren. Er hätte abgewartet, „bis andere sich die Hörner abgestoßen haben. Und hätte dann etwas gekauft, was klappt.“
Die Fähre muss Fahren
Sind die heutigen Probleme erst einmal gelöst, könnte die „Welt ahoi!“ sogar so fahren, wie es ursprünglich mal angedacht war: rein elektrisch. Akkus werden immer kleiner und die Fähre bietet viel Platz unter Deck. Die Kapazität lässt sich noch vervielfachen, meint der Leiter der Fähren. Dann könnte sie den ganzen Tag mit Strom fahren und nachts laden. Dazu müsste man dann allerdings den Anschluss mit Mittelspannung hinbekommen. Aber erst mal muss sie überhaupt fahren, die „Welt ahoi!“. Dazu war der Fährbetrieb extra nochmal in der Werft, die für die Gewährleistung geradestehen soll. Man hätte der Werft gesagt, erzählte Daniel Müller im Ortsrat: „Wir werden es nicht akzeptieren, dass die Fähre nicht fährt“.

„Nächste Woche wollen wir wirklich jeden Tag damit sieben oder acht Stunden fahren“, sagt Bereichsleiter Daniel Müller zum Thema „Welt ahoi!“. Fotos: Karl Erhard Vögele
Text-Nummer: 176217 Autor: Helge Normann vom 16.11.2025 um 16.59 Uhr
