Adrenalin-Park: Bauen, bevor die Zielgruppe in Rente geht

Lübeck - Kücknitz: Eine langjährige Forderung aus Kücknitz ist eine Skateanlage, später erweitert auf einen „Adrenalinpark“ für die Jugend im Stadtteil. Der Gemeinnützige Verein hofft, dass jetzt endlich gebaut wird. „Wir drängen weiterhin auf eine zügige Umsetzung, andernfalls besteht die Gefahr, dass die Zielgruppe vorher in Rente geht“, schreibt der Vorsitzende Georg Sewe. Zumindest die Planung könnte jetzt vorankommen, denn die Politik hat dafür 50.000 Euro im Haushalt bereitgestellt.

Bild ergänzt Text
„Wir drängen weiterhin auf eine zügige Umsetzung, andernfalls besteht die Gefahr, dass die Zielgruppe vorher in Rente geht“, meint Georg Sewe, seit vielen Jahren Vorsitzender des Gemeinnützigen Vereins Kücknitz (GMVK)

Politik gibt 50.000 Euro für die Planung
Bewegung kommt nun in die Sache, nachdem die Politik das Geld für eine Machbarkeitsstudie bereitgestellt hat. Das war eigentlich schon mal da, aber „der Bürgermeister hat das Geld gestrichen“, erklärt Ralf Giercke (Grüne). Die Politiker mussten die Gelder hintenrum über die Haushaltsverhandlungen wieder reinnehmen: CDU, Grüne und FDP hatten in ihrem Haushaltsantrag im November 2025 zusätzliche Investitionen beschlossen, darunter auch für die lange geforderte Anlage in Kücknitz. „In Kücknitz wird ein Adrenalinpark geplant“, heißt es darin konkret und auch die dafür bereitgestellte Summe wird genannt: 50.000 Euro.

Adrenalinpark hinter dem Trave-Gymnasium
„Auf der Stadtteilkonferenz am 25.04.2024 wurde von der Stadt der Grandplatz hinter dem Trave Gymnasium als konkreter Standort genannt“, heißt es in einem Schriftstück der Kücknitzer Runde. Um den angrenzenden „Schmalen Stieg“ vor möglichen Geräuschen zu schützen, soll bei der Planung auch eine Lärmschutzwand berücksichtigt werden, die gleichzeitig als Kletterwand genutzt werden kann. „Der einvernehmlichen Einigung mit der Stadt auf den Platz hinter dem Trave-Gymnasium müssen jetzt dringend Taten folgen!“, fordert Georg Sewe mit dem Gemeinnützigen Verein. „Leider fehlt uns die Unterstützung der örtlichen SPD, Jörn Puhle weist besonders auf Bedarfe anderer Stadtteile hin.“

Bild ergänzt Text
Auf diesem Grandplatz hinter dem Trave-Gymnasium könnte der Adrenalinpark entstehen.

Travemünder Pumptrack als Zwischenlösung
Auf der „Kücknitzer Runde“ am 16. Oktober 2025 ging es ebenfalls um die Frage nach dem Stand zu Planung und Durchführung der Anlage. Dort hätte ein Vertreter des Bereichs Schule und Sport auf die Möglichkeit hingewiesen, die Travemünder Pumptrack-Anlage „als einen ersten Schritt“, zu installieren, berichtet Georg Sewe. Der Gemeinnützige Verein Kücknitz (GMVK) „würde die Installation auch materiell unterstützen“. Derzeit ist der Travemünder Pumptrack an die Gemeinde Stockelsdorf ausgeliehen, da sie im Seebad niemand dauerhaft aufstellen möchte (Wir berichteten). Diese Übergangslösung bestätigt auch Ralf Giercke (Grüne), der Mitglied im Gemeinnützigen Verein ist. Die mobile Leihanlage werde 2026 „in Stockelsdorf abgezogen und dort aufgebaut, als Übergangslösung“, so Giercke.

Bild ergänzt Text
Zwischenlösung: Der Travemünder Pumptrack ist zurzeit an die Gemeinde Stockelsdorf ausgeliehen. Er soll vorübergehend nach Kücknitz gehen.

Unterstützung aus der Politik
„Ein dauerhafter Adrenalinpark wäre ein echtes Highlight für Kücknitz“, sagt Jens Zimmermann von der CDU. Er unterstützt als „Übergangslösung“ auch die Aufstellung der Travemünder Pumptrack-Anlage in Kücknitz (Wir berichteten). Ralf Giercke von den Grünen betont: „Kinder und Jugendliche in Kücknitz warten schon lange auf einen Ort, an dem sie sich austoben, ausprobieren und gemeinsam aktiv sein können – zum Beispiel mit Skateanlage, Dirtbike-Bahn und Trampolinen sowie einer Kletterwand. Diese Anlage wird mehr sein als ein Sportplatz: Sie wird ein lebendiger Treffpunkt, der Bewegung, Begegnung und Miteinander fördert.“ Und Daniel Kerlin von der FDP erklärt auf Nachfrage von HL-live.de: „Es ist gut, dass es in Kücknitz voran geht. Allerdings kann das nicht heißen, dass die Geschichte für Travemünde beendet ist. Alle Stadtteile benötigen vielfältige Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche. Daher gilt es besonders auch in Travemünde, dranzubleiben. Die Promenaden dort sind lang. Da sollte es auch dort möglich mehr Angebote für Kinder und Jugendliche anzubieten.“

Ein Bike-, Pump- und Skatepark mit Kletterwand
„Vorbild ist dabei der Adrenalinpark in Rellingen, der zahlreiche Auszeichnungen erhalten hat“, erklärte kürzlich Ralf Giercke (Grüne), stellvertretendes Mitglied im Schul- und Sportausschuss, in einer Pressemitteilung (Wir berichteten). Die Anlage dort sei viel von den Experten genannt worden, sagt er auf Nachfrage. Sie sei aber nur ein Teil des Vorbilds, denn es solle ja noch einen Skaterpark geben. „Der Adrenalinpark Kücknitz soll alles drei haben. Also Bike- und Pumppark und Skaterbahn“, so Giercke. Dazu komme die Kletterwand in Kombination mit der Schallschutzwand.

Bild ergänzt Text
Strecken mit und ohne Asphalt bieten Möglichkeiten für verschiedene Rollsportarten. Laut Gemeinde Rellingen wurde die Anlage in naturschonender und nachhaltiger Bauweise errichtet.

Der Bikepark Rellingen
Korrekt nennt sich die 4.500 Quadratmeter große Roll- und Radsportanlage im Kreis Pinneberg „Bikepark Rellingen“ (Asphalt Pumptrack und Bikepark Rellingen). Die Gemeinde hat dafür 950.000 Euro in die Hand genommen, davon gab es etwa 525.000 Euro aus Fördermitteln. Im April 2023 wurde in Rellingen die Eröffnung gefeiert. Die Anlage unterteilt sich in drei Abschnitte: Im „Bikepark“ können Mountainbiker auf einer Sandstrecke beeindruckende Sprünge vorführen. Auf dem asphaltierten „Pumptrack“ wird Geschwindigkeit durch Gewichtsverlagerung aufgenommen. Und eine kleinere Version ist für Kinder ab zwei Jahren gedacht. Die Anlage ist durchgehend kostenlos nutzbar und verfügt über einen großen Parkplatz. An Wochenenden ist sie gut besucht, Familien feiern dort sogar Kindergeburtstage.

Baubeginn 2027: So geht es in Kücknitz weiter
„Wir sind sehr froh, dass wir das durchsetzen konnten auch mit viel Überzeugung gegenüber den anderen Parteien“, sagt Ralf Giercke (Grüne) auf Nachfrage von HL-live.de. Die 50.000 Euro sind jetzt reserviert für eine Machbarkeitsstudie. Da geht es um den B-Plan, um Lärm, den Untergrund und vieles mehr. Ist das abgearbeitet, werden die Förderanträge geschrieben, damit die Stadt nicht alles allein zahlen muss. „Vielleicht auch aus dem Sondervermögen Infrastruktur, da läuft auch eine Anfrage“, so Ralf Gierke. „Und wenn wir das Geld zusammenhaben, bringen wir das in den Haushalt 2027. Und dann hoffen wir, dass wir in 2027 bauen können.“

Zwei Ideen aus 2019: Rellingen fährt schon, Lübeck plant noch
Zufällig entstanden die Ideen für Rellingen und Kücknitz unabhängig voneinander fast zeitgleich: In Rellingen entstand die Idee im Jahre 2019 im Rahmen einer Kinder- und Jugendbeteiligung. Baubeginn war am 01. November 2022, Eröffnung der 29. April 2023. In Kücknitz sei die Idee 2018/2019 entstanden, erzählt Ralf Giercke. „Die Kinder sind selbst zu mir gekommen als Grüner. Und die Kinder haben sich ans Jugendzentrum gewandt und im Jugendzentrum gab es damals schon eine Ideensammlung, die dann bei der Stadt eingereicht wurde. Seitdem kämpfen wir für die Skaterbahn.“ Es sei ein „wirklich ewig langer Weg, bis man sowas wirklich auf den Weg kriegt.“ Jedes Jahr würde man in der Kücknitzer Runde und bei der Stadtteilkonferenz nachfragen.

Immerhin hat es die Anlage schon mal auf die Landkarten geschafft: Auf „Google Maps“ ist hinter dem Trave-Gymnasium eine „Skaterbahn Kücknitz in Planung“ markiert …

Vorbild für den Kücknitzer Adrenalinpark soll laut den Grünen der gut besuchte Bikepark in Rellingen (Kreis Pinneberg) sein. Fotos: Helge Normann

Vorbild für den Kücknitzer Adrenalinpark soll laut den Grünen der gut besuchte Bikepark in Rellingen (Kreis Pinneberg) sein. Fotos: Helge Normann


Text-Nummer: 176255   Autor: Helge Normann   vom 18.11.2025 um 19.08 Uhr

Text teilen: auf facebook +++ auf X (Twitter) +++ über WhatsApp

Text ausdrucken. +++  Text ohne Bilder ausdrucken.