Linke und GAL lehnen Konzept für Lübecks Kleingärten ab
Lübeck: Die Verwaltung hat ein Kleingartenkonzept für Lübeck vorgelegt (wir berichteten). Die Fraktion "Linke und GAL" in der Bürgerschaft lehnt das Konzept in seiner derzeitigen Form ab. Es seien unter anderem veraltete Daten verwendet worden.Wir veröffentlichen die Mitteilung der Fraktion "Linke und GAL" im Wortlaut:
(")"Das Entwicklungskonzept für die Lübecker Kleingärten enthält viele gute Ansätze, um die Flächen auch in Zukunft im Sinne der Naherholung und nachhaltigen Versorgung sowie im Sinne des Klimaschutzes und der Biodiversität zu erhalten und weiterzuentwickeln", resümiert Katja Mentz, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Sicherheit und Ordnung für die Fraktion Linke und GAL.
So heißt es in dem Konzept: Um Leerständen entgegenzuwirken, können durch „neue, individualisierte Formen des Gärtnerns und des Gartenbewirtschaftens (…) neue Nutzergruppen angesprochen werden, was langfristig wieder zu einer Belebung führt. Leerstand kann dazu genutzt werden, Modellprojekte neuer Gartenformen, wie z.B. Gemeinschaftsgärten, Kooperationen mit sozialen Trägern oder flexible Pachtmodelle zu erproben. Deutschlandweit gibt es bereits eine Reihe kreativer Ansätze und guter Beispiele für nachfragenorientierte Kleingartenanlagen, die für Lübeck als Orientierung dienen können. Zusammenarbeit und Kooperationen ermöglichen die Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Erprobung und Verwirklichung neuer Formen des Gärtnerns. (…) Partnerschaftliche Netzwerke fördern ein lösungsorientiertes Handeln für großmaßstäbliche und kleinteilige Projekte im Sinne eines nachhaltigen Kleingartenwesens.“
„Dem folgen eine Vielzahl von positiven Beispielen: die Nutzung durch Kitas und Schulen, die Entstehung von Gemeinschaftsgärten und Senior:innengärten, Lehrgärten in Verbindung mit Hanseobst e.V. oder Essbare Stadt Lübeck, Therapiegärten, Schnuppergärten (Pacht auf Probe) und gemeinschaftlich und öffentlich genutzte Aufenthaltsflächen mit Spielplatz. Einige Beispiele werden in Lübeck bereits erfolgreich in Kleingärten durchgeführt“, erläutert Katja Mentz die GAL-Umweltpolitikerin.
„Auch wird in dem Konzept richtigerweise festgestellt, dass die Sicherung von Bebauung freizuhaltender Flächen mit zunehmender Siedlungsverdichtung an Bedeutung gewinnt, die sich als Kaltluftschneisen positiv auf Hitzeentwicklung in der Stadt auswirken. Der Gedanke einer grünräumlichen Vernetzung, indem Kleingartenanlagen für die Durchwegung geöffnet und punktuell zu öffentlich nutzbaren Aufenthaltsbereichen werden, „mit dem Ziel das Netz der grünen Wege zum Spazierengehen und Fahrradfahren zu ergänzen“, ist ein positiver, gemeinwohlorientierter Ansatz, der gemeinsam mit den Kleingartenvereinen besprochen und entwickelt werden sollte. Denn auch darüber kann das Interesse entfacht werden, sich in einem Kleingartenverein zu engagieren“, ist sich Katja Mentz sicher.
„Leider kommt die Verwaltung in seinen weiteren Handlungsempfehlungen jedoch zu falschen, sich widersprechenden Schlüssen. Denn mehrere Hektar Kleingartenflächen werden in dem Entwicklungskonzept zur Umnutzung als Bauland vorgeschlagen. Hierbei werden veraltete Zahlen zu Leerständen angegeben; eine Stellungnahme der jeweiligen Vorstände der betroffenen Kleingartenvereine fehlt gänzlich“, kritisiert Katja Mentz die Verwaltungsvorlage. „Nur aufgrund meiner Anfrage im letzten Umweltausschuss im Oktober liegt der Bürgerschaftsbeschluss zum Thema Lübeck 2030 vom 26.03.2015, bekräftigt am 30.03.2017, in diesem Zusammenhang nochmals im Wortlaut auf dem Tisch: „Die Bürgerschaft bekräftigt ihren Beschluss zum Thema Lübeck 2030 vom 26.03.2015, in dem es heißt: „In Suchräumen im Bereich von Kleingärten dürfen Maßnahmen nur dann entwickelt werden, wenn über deren Umfang und dem dazugehörigen zeitlichen Planungshorizont mit den jeweiligen Kleingärtnern Einvernehmen erzielt wurde“.
„Dieser Beschluss hätte gleich am Anfang des Kleingartenentwicklungskonzepts stehen müssen, um der Verunsicherung von zahlreichen Kleingartenvereinen und ihren Mitgliedern entgegenzuwirken“, so Katja Mentz. „Auch sind die in dem Konzept genannten Zahlen bezüglich der Leerstände und finanziellen Entwicklungen einzelner Kleingartenvereine mindestens zum Teil veraltet und falsch.“
So ist der Kleingartenverein Lauerhof, nach jahrzehntelanger Vernachlässigung durch ehemalige Vorstandsmitglieder, seit zwei Jahren auf einem sehr guten Weg, die noch vorhandenen Leerstände weiter zu reduzieren und vermüllte Gärten nach und nach aufzuräumen. Die Finanzen hat der Vereinsvorstand mittlerweile zu einem positiven Ergebnis geführt.
"Dass die Verwaltung vorschlägt, ausgerechnet dieses Kleingartengelände weiter zu verkleinern und weitere 7 ha zu Bauland umnutzen möchte, widerspricht den vorherigen Ausführungen des Entwicklungskonzeptes eklatant“, so Katja Mentz und Carl Howe, die sich vor Ort, im Beisein von Vorstandsmitgliedern ein eigenes Bild des Kleingartengeländes gemacht hatten. „Spätestens mit der Fertigstellung des Wohnquartiers Lauerhoferfeld und dem Zuzug der künftigen Bewohnenden werden die benachbarten Gartenparzellen stark nachgefragt“, sind sich beide sicher.
„Der Verwaltungsvorschlag für die Umnutzung als Bauland widerspricht sich insofern an dieser Stelle auffallend selbst. Betont es doch an anderer Stelle im Bericht, die Wichtigkeit des Erhalts von unbebauten Flächen bei zunehmender Siedlungsverdichtung. Hinzu kommt, dass auch leerstehende Gärten wertvolle Flächen darstellen und einen positiven Beitrag zur Artenvielfalt leisten.“
„Deshalb werden wir das vorliegende Entwicklungskonzept in seiner jetzigen Form zurückweisen“, so die Fraktion Linke & GAL. „Die jetzigen Flächen der Lübecker Kleingartenanlagen sollen erhalten und als solche im Flächennutzungsplan enthalten bleiben – es sei denn, ein Verein tritt von sich aus an die Stadtverwaltung heran. Für ein zukünftiges Kleingartenentwicklungskonzept, das zu einer Weiterentwicklung und nachhaltigen Nutzung der Flächen beiträgt, wünschen wir uns vor allem die direkte Einbeziehung, Beteiligung und Mitsprache aller Kleingartenvereine.“(")

Linke und GAL sehen gute Ansätze in dem Konzept. Foto: HN/Archiv
Text-Nummer: 176288 Autor: Linke und GAL/red. vom 18.11.2025 um 17.15 Uhr
